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Special: Sardinien

Herbe Inselschönheit mit vielen Gesichtern

Sardinien - der Name weckt Vorstellungen von wilder Schönheit, von felsgesprenkelten Sandstränden an klarem Wasser und sonnendurchglühten Fischerdörfern. Tatsächlich werden hier Träume wahr - die Mittelmeerinsel bietet das alles und noch viel mehr.

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Alghero

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Katalanisches Flair in der Altstadt, am Korallengolf Strände und Neptungrotte.

Eine der schönsten Küstenstraßen Sardiniens verbindet Bosa mit Alghero. In vielen Kurven und Kehren windet sich die rund 40 km lange Trasse in beständigem Auf und Ab oberhalb der felsigen Ufer. Die Fahrt dauert mindestens zwei Stunden, die sich jedoch wegen der großartigen Ausblicke auf die Küste und ins gebirgige Inselinnere lohnen. Etwa 10 km südlich von Alghero weitet sich das Panorama zur Riviera del Corallo, dem weiten Korallengolf von Alghero. In dessen Westen grenzt der 173 m hohe Monte Rudedu die kleinere tiefe Bucht des Naturhafens Porto Conte ab. Die Halbinsel auf seiner westlichen Seite endet im Capo Caccia, an dessen steilen Kalkfelsen sich die Wellen brechen.

Rechter Hand liegt einem die Hafenstadt Alghero (40 000 Einw.) zu Füßen, die zunächst vor allem durch mehrere voluminöse Wachttürme auffällt. Diese gehören zu den historischen Befestigungsmauern, die meerseitig eine vollkommen intakte Altstadt auf einer Landzunge umschließen. In der freundlichen Atmosphäre bereitet das Flanieren und Bummeln besonderes Vergnügen, zumal man dabei auf Schritt und Tritt hier ungewöhnlicher katalanischer Architektur begegnet. Katalanisch ist auch der Dialekt, den alteingesessene Bewohner unter sich pflegen, und selbst die Straßenschilder sind zweisprachig - in italienisch und katalanisch - beschriftet. Diese Besonderheit erklärt sich aus der Geschichte der Stadt, die mehrere Jahrhunderte lang eng mit Aragón verbunden war.

Geschichte

1102 baute die genuesische Adelsfamilie Doria den eroberten Piratenschlupfwinkel Alghero mit starken Befestigungen aus. 1353 ergab sich die Stadt als eine der letzten Sardiniens den angreifenden Aragonesern, die ein Jahr später alle Bewohner vertrieben und statt ihrer Katalanen ansiedelten. Sarden durften sich nur tagsüber in der Stadt aufhalten, wer nachts angetroffen wurde, musste mit dem Tod rechnen. Auch verstärkten die Eroberer die Mauern und Bastionen, sodass an der Nordwestküste Sardiniens eine mächtige Hafenfestung entstand, die sich vier Jahrhunderte lang Katalonien verbunden fühlte. 1541 adelte Kaiser Karl V. anlässlich eines Besuches quasi alle Bewohner Algheros, indem er sie mit den Worten Estodeu todos caballeros, Ihr seid alle Ritter, begrüßte. Danach hatten die so Geehrten dem Kaiser kräftig Tribut zu leisten, als er sein Heer auf Sardinien zum Feldzug gegen Algier rüstete.

Nach dem Ersten Weltkrieg entdeckten Engländer und Schweizer die schöne Altstadt von Alghero, ergänzt durch die nahen Strände bei Fertilia und Porto Conte. Damit begann, für Sardinien relativ früh, der internationale Tourismus, von dem die schmucke Stadt noch heute lebt. Auch Fischerei und Handel spielen wirtschaftlich eine wichtige Rolle, vor allem aber der Ruf Algheros als Korallenstadt. Die meisten der vielen Juwelierläden bieten den leuchtend roten Schmuck noch heute an, doch die berühmten heimischen Korallen vom Capo Caccia dürfen sie dazu nicht mehr verarbeiten, die stehen nämlich seit mehr als 20 Jahren unter strengem Artenschutz.

Besichtigung

Die meisten der engen Gassen der Altstadt sind für den Autoverkehr gesperrt. Man beginnt einen Rundgang am besten am Hafen, wo man an der Via Garibaldi parken kann. Die Straße mündet auf der weiten Piazza di Bastione della Maddalena (1), von der man über im Porto ankernde Fischer-, Sport- und Ausflugsboote hinweg auf den Korallengolf mit dem hohen Capo Caccia sieht. Im Sommer herrscht auf dem Platz Jahrmarktstimmung, die Bimmelbahn Trenino Catalano und Pferdedroschken holen Touristen zur Stadtbesichtigung ab.

Westlich der mächtigen Mauern und des Rundturms des Bastione della Maddalena steht der nicht minder massige Rundbogen der Porta a Mare (2) (14. Jh.). Durch ihn gelangt man links direkt in die Altstadt, rechts aber über eine Treppe hinauf auf die langen Bastioni Magellano (3). Letztere sind zur abendlichen Passeggiata besonders beliebt, bieten sie doch von ihrer breiten, von einer Brustwehr geschützten Mauerkrone einen unverstellten Blick über Hafen und Bucht, den man von einem der Caféhaustische oder Ruhebänke aus genießen kann.

Zurück zum Bastione della Maddalena, an dessen Westende ein schmaler Treppendurchschlupf zur etwas höher liegenden Altstadt führt. Schnell steht man auf der lebhaften, dreieckigen Piazza Civica (4), katalanisch Plaça del Pou Vell, die sich zur Altstadt hin verjüngt. Rechter Hand locken kleine Schmuck- und Feinkostläden, feine Boutiquen und Souvenirgeschäfte in einfacheren Stadtpalästen. Gegenüber aber steht eines der katalanischen Schmuckstücke Algheros, der Palazzo dAlbis. In seinem Erdgeschoss befindet sich eine elegante Schmuckgalerie und ein feines Jugenstilcafé, dessen Tische weit auf den Platz vorgerückt werden. Der Palast aus dem 16. Jh. mit seinen spitzbogigen Zwillingsfenstern wurde Sitz des katalanischen Gouverneurs von Alghero. Hier logierten später auch die Vizekönige von Sardinien, wenn sie vor ihrem Amtsantritt in Cagliari in der hiesigen Kathedrale den Eid leisteten.

Das schmale Ende der leicht ansteigenden Piazza Civica geht in die Via Manno über, die sich vor der hohen klassizistischen Fassade der Cattedrale Santa Maria (5) mit ihren klassizistischen Säulen zur kleinen Piazza Duomo weitet. Als ältestes Bauteil der Kirche gilt der aus katalanischer Zeit um 1522 stammende Chorbereich in gotischem Stil mit seinen fünf sternförmig angeordneten Kapellen. Die mittlere schließt mit dem oktogonalen Glockenturm ab, dessen bunt gekachelte Pyramidenspitze zu einem Wahrzeichen Algheros wurde. Der Dom wurde erst 1730 geweiht. Bis dahin hatte er aufgrund diverser Umbauten sein heutiges klassizistisches Gesicht erhalten. Im säulengestützten hohen Innenraum sieht man dies u. a. am polychromen marmornen Hochaltar in der Apsis. Vom Chor führt eine selten verschlossene Tür ins Freie auf die Rückseite des Domes. Dort kann man das sehenswerte spätgotische Chorportal mit seinen reich ornamentierten Spitzbogen bewundern.

Unmittelbar hinter dem Dom verläuft die Via Roma (6), die in Ost-West-Richtung fast die gesamte Altstadt durchquert, im östlichen Bereich als attraktive Fußgängerzone mit vielen Geschäften. Rechtwinklig zur Via Roma nimmt hinter dem Dom die schmucke Via Principe Umberto ihren Anfang, an der ein langer Gebäudekomplex aus grobem nacktem Mauerwerk auffällt. Er gehört zum Teatro Civico (7), dem 1862 erbauten, klassizistischen Stadttheater, das mit seinen vier markant vorspringenden Eckrisaliten auf die Piazza Vittorio Emanuele schaut. Die Einheimischen nennen den Platz darum nur Piazza del Teatro. Seitlich vom Theater steht an der Via Principe Umberto 9/11 der mit ca. 5,5 m auffallend schmale, vier Stockwerke hohe Palazzo Machin (8) aus dem 16. Jh., auch Casa Doria genannt. In der Renaissancefassade erwecken die fantasievollen Rankenmotive um die Fensterstürze besondere Aufmerksamkeit.

Auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite des Theaters führt die schmale Via del Teatro über die stille Via Maiorca und die lebhafte Via Carlo Alberto fast direkt auf die ab dem 15. Jh. entstandene Kirche San Francesco (9) zu. Sie ist trotz ihrer unscheinbaren Fassade Algheros schönster Sakralbau und die schlanke Steinpyramide auf dem achteckigen Glockenturm mit den zierlichen Schnecken gilt als weiteres Wahrzeichen der Stadt. Im Inneren der dreischiffigen Basilika demonstrieren die gotisch-katalanische Flachbogenarchitektur der rechten Chorkapelle, das Kreuzrippengewölbe des Chorbereiches sowie das Tonnengewölbe des Langhauses den Übergang von der Gotik zur Renaissance. Durch die Sakristei gelangt man links in den Kreuzgang des früheren Franziskanerklosters. Die zwei Geschosse darüber beherbergen ein Jugendzentrum und ein kleines Hotel, die beide auch von außen über die Piazzetta San Francesco zu erreichen sind.

Flaniert man auf der geschäftigen Via Carlo Alberto, die nicht umsonst auch katalanisch Carrer Major, Hauptstraße genannt wird, weiter südwärts, liegt an der Piazza Ginnasio die Barockkirche San Michele (10) mit ihrer gut sichtbaren, bunt gekachelten Kuppel. Sie stammt aus dem 19. Jh., doch mit dem Bau der Jesuitenkirche wurde bereits 1612 begonnen. Zur kostbaren Innenausstattung gehören zwei zweigeschossige, recht üppig dekorierte Stuckaltäre von 1678 und ein ebenfalls aus dieser Zeit stammendes holzgeschnitztes und vergoldetes Chorgestühl.

Von hier ist es nicht weit zur Piazza Sulis (11) am Südrand der Altstadt. Zu Stoßzeiten herrscht geradezu chaotischer Verkehr auf diesem Platz um die kompakte Torre dello Sperone, einen weiteren Rundturm der Stadtbefestigungen. Besonders beliebt ist die von hier aus entlang des Meeres nach Süden führende Promenade Lungomare Dante (12). Von ihr aus genießt man die schönsten Sonnenuntergänge und bei Vollmond ist sie die Lieblingsmeile der Romantiker von Alghero, mit Blick auf die Lichter der Stadt bis zum dunklen Schattenriss des Capo Caccia.

Algheros Stadtstrand Lido di San Giovanni (13) ist in seinem Anfangsbereich bei der Piazza di Bastione della Maddalena von Buden und Bars sowie einer breiten Promenade gesäumt, auf der sich Urlauber wie Alghereser gerne zeigen. Der blendend weiße, feine Sand zieht sich, mal von niedrigen Dünen begrenzt, mal von Pinien beschattet, 6 km weiter um den Korallengolf nach Norden bis zum Vorort Fertilia mit Jachthafen, Ferien- und Apartmenthäusern.

Grotta di Nettuno

Knapp 24 km sind es von Alghero aus nach Westen, zuletzt am Hang des 326 m hohen Monte Timidone entlang, zum spärlich mit Macchia bewachsenen Capo Caccia, das sich in zwei Stufen 168 m aus dem Meer erhebt. Im Inneren des Kalkfelsens befindet sich die ausgedehnte, wundervolle Neptungrotte, die Grotta di Nettuno. Die Wahl dürfte schwer fallen, von welcher Seite aus man die Tropfsteinhöhle betreten soll. Vom Meer her mit einem Ausflugsboot ab Alghero oder vom Parkplatz am Kap zu Fuß über die aus dem Felsen geschlagene Escala del Cabril, die Rehtreppe. Ist die See für eine Bootsfahrt bzw. die Einfahrt in den engen Vorraum der Grotte zu unruhig, ist einem die Entscheidung abgenommen. Das ist nicht weiter schlimm, denn die steile, 1954-63 erbaute, inzwischen verbreiterte Treppe mit ihren 654 Stufen bietet immer wieder herrliche Ausblicke auf die herb-schöne felsige Küste - wenn nur der Rückweg nicht wäre!

Die ersten 600 m der Grotta di Nettuno (im Sommer tgl. 8-19 Uhr, im Winter kürzer) können jede halbe Stunde im Rahmen von mehrsprachigen Führungen besichtigt werden. An den Höhlendecken bilden Tropfsteine wahre Stalaktitenwälder und fantasieanregende Gebilde, etwa einen Buddha oder die 11 m hohe Orgel. Kleine Seen kristallklaren Wassers sorgen für optische Täuschungen, der große La Marmora-See mit bis zu 9 m Tiefe für Bewunderung. Die Tropfsteine der karstigen Neptungrotte, in der konstant 20 °C Wärme und 90 % Luftfeuchtigkeit herrschen, sind im ersten Teil bereits abgestorben, wachsen also nicht mehr nach, der Rest verändert sich sichtbar nach starken Regenfällen. Die Grotte ist attraktiv mit Speziallampen ausgeleuchtet, die das Blitzlichtgewitter der Besucher reflektieren und von den empfindlichen Kalkformationen abhalten sollen. Anders als in sonstigen Höhlen ist daher hier das Fotografieren erlaubt.

Anghelu Ruiu

Die sanfthügelige Landschaft der Nurra prägt den Nordwesten der Insel. Sie steigt jedoch von der Küste her nur langsam an und 8 km nördlich von Alghero ist die Gegend noch flach. In dieser Ebene liegt die 1905 entdeckte nuraghische Nekropole Anghelu Ruiu (tgl. 9-19 Uhr), von der S.P. 42 aus bequem zu erreichen. Die 37 unterirdischen Gräber wurden 3000-2000 v. Chr. in den felsigen Boden gegraben. Vor den Grabeingängen erläutern Tafeln mit Grundrissen auch auf Deutsch die einzelnen Ipogäen. Von den stets beschriebenen, aus dem Fels gemeißelten Stierhörnern über einigen Eingängen ist jedoch nur noch schwer etwas zu erkennen, höchstens am Grab XXVIII.

Praktische Hinweise

Information: Azienda Autonoma di Turismo, Piazza Porta a Terra 9, Tel. 079 97 90 54, Fax 079 97 48 81

Schiff

Navisarda, Bastione della Maddalena, Tel. 079 95 06 03. Im Sommerhalbjahr pendeln bei ruhiger See tgl. Motorboote zwischen Algheros Hafen und Neptungrotte. Die Fahrt entlang der oleanderbewachsenen Küste der Riviera del Corallo dauert etwa 40 Min.

Tauchen

Adventure & Diving, Via Aggius 14, Porto Conte, Tel./Fax 079 95 29 30. Tauchexkursionen in den Korallengolf.

Hotels

****Villa Las Tronas, Lungomare Valencia 1, Tel. 079 98 18 18, Fax 079 98 10 44, Internet: www.hotelvillalastronas.it. Verträumtes Hotel in einer Jugendstilvilla auf einer Halbinsel südlich des Lungomare Dante. Mit eigenem Strand und fantastischem Blick auf Alghero.

***Porto Conte, Vorort Porto Conte, Lungomare, Tel. 079 94 20 35, Fax 079 94 20 45, Internet: www.hotelportoconte.it. Angenehme Hotelanlage, entworfen von Architekt Simon Mossa, der auch die Treppe zur Neptungrotte konzipierte. Mit zwei Swimmingpools und Tennisplätzen im großen Garten direkt an der ausladenden Bucht. Gute Küche.

**San Francesco, Via Machin 4, Tel./Fax 079 98 03 30. Kleines Altstadthotel ohne übermäßigen Komfort im ehem. Kloster von San Francesco.

Restaurants

Al Tuguri, Via Maiorca 113, Tel. 079 97 67 72. Top-Restaurant mit wenigen Tischen auf drei Stockwerken eines engen katalanischen Altstadthauses. Köstliche Fischgerichte, hausgemachte Pasta und ein hervorragend sortierter Weinkeller.

Palau Real, Via Sant Erasmo 14/16, Tel. 079 98 06 88. In den historischen Räumen des Stadtpalastes Palau Real eingerichtetes, hochpreisiges Restaurant mit traditioneller, aber auch internationaler Küche. Offene Feuerstelle für Grillgerichte nach sardischer Art.

Cafés

Angelo Costantino, Piazza Civica 30, Tel. 079 97 61 54. Jugendstilcafé in den original erhaltenen historischen Räumen einer früheren Apotheke im gotisch-katalanischen Palazzo dAlbis.

Latino, Bastione Magellano 10, Tel. 079 97 65 41. In-Café mit vielen Tischen auf der Magellan-Bastion mit großer Auswahl an Cocktails. Traumhafter Hafenblick (tgl. mittags - 2 Uhr).

© ADAC Verlag GmbH

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