Nordstrand und Pellworm
›Trutz, Blanke Hans‹ - Sturmfluten und Landgewinnung in Uthlande.
Vom Kampf mit den Fluten kann hier jeder etwas erzählen. Als Uthlande (›Außenlande‹) bezeichnen die Nordfriesen ihre vom Meer immer wieder bedrohten Inseln und Halligen. Die verheerende Sturmflut von 1362 ließ die reiche Handelsmetropole Rungholt nahe der heutigen Hallig Südfall in der Nordsee versinken, die schlimme ›Mandränke‹ von 1634 zerriß die große Watteninsel Alt-Nordstrand und ließ die zerstörten Eilande Pellworm und Nordstrand mit einigen Halligen zurück. 8 m hohe Deiche, Dämme und Köge schützen die Menschen heute und haben wieder einiges Land zurückerobert.
Vom 7 km nördlich von Husum gelegenen Wobbenbüll aus erreicht man Nordstrand über einen 4 km langen Straßendamm. Der eingedeichte Beltringharder Koog nördlich des Dammes ist Brut- und Rastplatz Tausender Vögel. Die unbewohnte Hallig Südfall, ein bedeutendes Seevogelschutzgebiet westlich von Nordstrand, kann man auf geführten Wanderungen oder Kutschfahrten durch das bei Ebbe trockengefallene Watt besuchen. In Süden erinnert die kleine altkatholische Kirche St. Theresien von 1662 daran, daß die Gottorfer Herzöge nach der großen Sturmflut von 1634 holländische Deichbauer nach Nordstrand und Pellworm holten und ihnen Religionsfreiheit garantierten. Die Nordstrander Töpferei (Süden 44) stellt traditionelle friesische Keramik her.
Im Hafen Strucklahnungshörn startet die Autofähre zur weiter westlich gelegenen Nachbarinsel Pellworm, die etwa 50 cm unter der mittleren Meereshöhe liegt. Ohne Deiche wäre das fruchtbare Marschland also überflutet. An der Westseite der Insel ragt die Turmruine der Alten Kirche, St. Salvator geweiht, als Mahnmal für das zerstörerische Wirken der Sturmflut in den Himmel. Zu ihren Füßen liegt der kleine Friedhof Heimat der Namenlosen, in dem ertrunkene Seeleute, die das Meer wieder freigegeben hat, bestattet sind. Als kostbarster Schatz des weiß getünchten Saalbaus, dessen Ursprünge bis ins 11. Jh. zurückreichen, gilt die von dem berühmten Orgelbauer Arp Schnitger errichtete Orgel (1711). Zu den im Sommer veranstalteten Pellwormer Orgelkonzerten kommen regelmäßig Besucher von weither.
Die Landwirtschaft hat auf der 3600 ha großen Insel mit 60 Bauernhöfen neben dem Fremdenverkehr immer noch große wirtschaftliche Bedeutung. Jeder siebte Landwirt ist inzwischen der Gemeinschaft Ökologisch Wirtschaften angeschlossen, die auch die Vermarktung der Erzeugnisse betreibt. Ein kombiniertes Wind- und Solarkraftwerk (Besichtigung Tel. 271) nahe dem Pellwormer Hafen versorgt die Marschinsel mit umweltfreundlicher Energie.
Wer in Pellworm oder Nordstrand Urlaub macht, sucht nicht nach Hektik und Nervenkitzel. Hier ist immer Zeit für einen ›Klönschnack‹ am Deich oder im Gasthof. Fahrradfahren, Baden bei Flut oder geführte Wattwanderungen bei Ebbe zur Hallig Hooge oder Hallig Süderoog gehören zu den beliebtesten Vergnügungen. Beim Hafenfest im Sommer geht es jedoch lebhaft zu. Da wird auch zu den alten friesischen Volkstänzen aufgespielt, zum Sprötzer Achtertörn und zur Geestländer Quadrille.
Praktische Hinweise
Tel.-Vorwahl Nordstrand: 048 42, Pellworm: 048 44
Information: Kurverwaltung Nordstrand, Schulweg 4, Tel. 454, Fax 90 09 90. Kurverwaltung Pellworm, Uthlandestr. 2, Tel. 189 40 43, Fax 189 44
Schiffsverkehr
Insel- und Halligreederei Paulsen, Nordstrand, Tel. 268, Fax 264. Fähren zu den Halligen, nach Sylt und Amrum.
Neue Pellwormer Dampfschiffahrts GmbH, Pellworm, Tel. 75 37 55, Fax 354, Pendelverkehr zwischen Pellworm und Nordstrand Tammensiel.
Restaurants
Haus Uthlande, Am Kurhaus 12, Nordstrand, Tel. 520. Köstliche Lamm- und Fischspezialitäten.
Nordermühle, Pellworm, Tel. 656. In einer umgebauten Windmühle am Nordermitteldeich werden schmackhafte regionale typische Gerichte serviert.
Cafés
Nordstrander Teestuv, Süden 42, Nordstrand, Tel. 8218. Tee, Kaffee und warme Speisen im Gastraum der benachbarten Töpferei.
Strandcafé, Tammwarft 10, Pellworm, Tel. 322. Hausgemachte Kuchen und Pharisäer direkt am Strand Schütting.
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