Völs am Schlern/Fié allo Sciliar
Schloss Prösels, einst Sitz hoher Herren, und Heubäder, Kuren für jedermann.
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Völs am Schlern hat als Erholungsort eine lange Tradition. Gaben die
Bozner Reichen dem Ort auch nicht den Rang ihrer Sommerfrischen auf dem
Ritten, so schätzten sie doch die frische Luft und die landschaftliche Schönheit. Zudem teilten sie mit den Leuten am Schlern und mit den Weinbauern aus dem Unterland die Vorliebe zu einer Kur im
›Heubad‹, wie sie heute noch im gleichnamigen Gasthof zu
Völs verabreicht wird, freilich nach den Prinzipien moderner Hygiene. Nicht wenige Gäste kommen noch immer wegen dieses
›Jungbrunnens
‹, dessen Anwendung unter anderem auch bei Fettsucht hilft, zugleich aber - nach fast zweistündiger Kur - gesunden Appetit macht.
Völs hat auch Anteil am Naturpark Schlern und an der Seiser Alm. Von Völser Aicha ist man auf einer Panoramastraße auch schnell in der Nachbargemeinde
Tiers, wo sich die prachtvolle Dolomitenwelt der
Rosengartengruppe öffnet. Von Tiers gelangt man über den Nigersattel (1688 m) zum 1745 m hohen Karerpass und damit auf die Route der
Großen Dolomitenstraße [vgl. Nr. 60].
Geschichte
Bedeutende vorgeschichtliche Funde am Peterbühel, die ausgerechnet ein Bomben-Notabwurf im April 1945 aufdeckte, beweisen frühe menschliche Besiedlung. In geschichtlicher Zeit wird Völs bereits 888 genannt. Leonhard von Völs, Herr auf Schloss Prösels, strengte 1510 den ersten Hexenprozess in Tirol an, dem neun angesehene Völser Bäuerinnen zum Opfer fielen. Schon aus diesem Grund war dann 1525 die Völser Beteiligung am Bauernkrieg sehr groß.
Besichtigung
In der spätgotischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, 1515 begonnen und um 1550 von italienischen Meistern schon unter Verwendung von Formelementen der Renaissance eingewölbt, steht ein 1902 neugotisch ergänzter Flügelaltar, den 1489 Meister Narziß aus Bozen geschaffen hat. Im Chorbogen hängt ein romanischer Kruzifixus von beeindruckender Strenge, um 1200.
Auf einem Hügel, der den Kern von Völs darstellt, steht die Kirche St. Peter am Bühel, das älteste Gotteshaus im Schlerngebiet. Apsis und Turm sind romanisch (um 1200), das Langhaus wurde um 1498 eingewölbt. Im Kern romanisch ist auch die am Friedhof stehende doppelgeschossige Kirche St. Michael, die 1725 Malereien und Spruchbänder mit Motiven des Totentanzes erhielt. Heute beherbergt dieses Kirchlein ein kleines, feines Pfarrmuseum (Führungen Juni–Okt. Fr 11 Uhr, sonst nach Voranmeldung beim Touristenverein Völs), das spätgotische sakrale Kunst zeigt, die wegen der Diebstahlsgefahr aus umliegenden Kirchen hierher gebracht worden ist.
Schloss Prösels
Das Schloss (Führungen So–Fr: Juli/Aug. 10, 11, 15, 16 und 17 Uhr, Juni/Sept. 11, 14, 15 und 16 Uhr, Mai/Okt. 11, 14, 15 Uhr, www.schloss-proesels.it) ist von Völs per Auto (Straße Richtung Süden) oder Wanderweg (3 Std., über Obervöls und Ums) leicht zu erreichen. Auf einem Bergrücken vor dem Schlern stand zunächst eine 1279 ›Castrum presil‹ genannte Burg, der Stammsitz der Herren von Völs, deren bedeutendster Spross Leonhard d. Ä. von Völs-Colonna war. Er übte 1498-1530 das Amt des Tiroler Landeshauptmanns aus. Mit Hilfe eines sog. Filiationsbriefes erhielt er den Zunamen ›Colonna‹ und machte damit dieses altrömische Fürstengeschlecht völlig unplausibel zu den Stammvätern seines Hauses. Bis 1517 baute er seine bescheidene Burg zum wehrhaften Renaissanceschloss mit Zwinger, Rondellen und drei Tortürmen aus. Fast fürstlich geriet der Innenhof mit Loggia, Freitreppe und Ziehbrunnen. Im Palas entstanden zwei Säle, die heute kulturellen Veranstaltungen dienen.
Ausflüge
Höchst malerisch liegt die Katharinenkirche in Völser Aicha in der Landschaft. Die Außenwand trägt einen äußerst ungewöhnlichen Freskenzyklus. Neben Darstellungen des hl. Christophorus, des Erzengels Michael und der Kreuzigung erzählen elf Szenen die Lebens- und Leidensgeschichte der hl. Katharina. Es dürfte sich dabei um Arbeiten der Bozner Schule aus der Zeit um 1420 handeln.
Von Völser Aicha kann man auf der Rosengartenstraße ins Tierser Tal hineinfahren. Zu Füßen von ›König Laurins Reich‹ [s. S. 164], den Zacken der Rosengartengruppe, liegt der Erholungs- und Wintersportort Tiers, der bereits im Jahr 999 in einer Urkunde genannt wird. Der Ortsteil Weißlahnbad ist der Ausgangspunkt für Wanderungen ins ebenso wilde wie schöne Tschamintal. Vor dem Aufbruch kann man sich in der ehemaligen Steger Säge, dem Naturparkhaus Schlern-Rosengarten (Mitte Juni–Mitte Sept. Di–Sa 9.30–13 und 14–17.30 Uhr, Juli/Aug. auch So), über Handwerkstradition, Flora, Fauna und Geologie der Region informieren.
Praktische Hinweise
Information:
Tourismusverein Völs, Bozner Str. 4, Völs, Tel. 04 71 72 50 47, Fax 04 71 72 54 88, www.voels.it
Tourismusverein Tiers, St. Georgstr. 38, Tiers, Tel. 04 71 64 21 27, Fax 04 71 64 20 05, www.tiers-rosengarten.com
Hotels
****Cyprianerhof, St. Zyprian 88 a, Tiers, Tel. 04 71 64 21 43, Fax 04 71 64 21 41, www.cyprianerhof.com. Gasthof und Wanderhotel, ruhig zu Füßen des Rosengartens gelegen. Ausgezeichnet mit dem Südtiroler Umweltsiegel.
****Romantikhotel Turm, Kirchplatz 9, Völs, Tel. 04 71 72 50 14, Fax 04 71 72 54 74, www.hotelturm.it. Historisches Gebäude, das ins 13. Jh. zurückgeht. Der Küchenchef gibt auch Kochkurse im Haus und führt seine Gäste unter dem Motto ›Kräuter und wild wachsende Gemüse‹ zu Exkursionen in die Umgebung.
***Dolomitenhotel Weißlahnbad, St. Zyprianstr. 78,Tiers, 04 71 64 21 26, Fax 04 71 64 20 33, www.weisslahnbad.com. Das Wasser im Hallenbad des traditonsbewusst geführten Hauses stammt aus einer eigenen Quelle, die im 19. Jh. wegen ihrer Heilkraft bei Rheuma und Nervenschmerzen gerühmt wurde.
***Hotel Heubad, Schlernstraße 13, Völs, Tel. 04 71 72 50 20, Fax 04 71 72 54 25, www.hotel-heubad.com. Das Hotel verabreicht komplette Kuren im fermentierenden Heu unter ärztlicher Kontrolle und verfügt über eine hauseigene, mit Naturmitteln arbeitende ›Beauty Farm‹.
Restaurant
Hofer Alpl, Ums (Gemeinde Völs), Tel. 04 71 72 52 88. Auf der Hütte in 1364 m Höhe bekommt man kräftige, einheimische Hausmannskost.
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