Lucca
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Verträumtes Kleinod hinter Mauern.
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| © Document Vortragsring e.V., München |
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Es liegt an der
Mauer; es liegt daran, dass man die Stadt betritt, nachdem man eines der
Tore durchschritt wie seit Jahrhunderten alle Besucher, dass man meint, Lucca erschließe sich wie ein offenes Buch. Die Mauer scheint die Moderne auszusperren. Dem Besucher präsentiert sich eine
mittelalterliche Stadt, die sich in ein
Renaissance-Kleinod umzugestalten wusste. Eine Reise zurück in die Zeit ist in Lucca leicht. Die Stadt ist genau so, wie man sich eine toskanische Stadt eigentlich immer schon dachte, jedoch erscheint sie zunächst eher unspektakulär, gemessen an dem nur 25 km entfernten
Pisa mit dem
›Platz der Wunder
‹.
Gleichwohl hat auch Lucca seine Wunder. Einem von ihnen begegnet man im
Dom der Stadt. Er birgt den bedeutendsten Kirchenschatz der Stadt, das
Holzkreuz Volto Santo, das im Mittelalter die Darstellungen des Gekreuzigten in ganz Europa beeinflusste.
Der
Legende nach soll im 8. Jh. eine hölzerne Christusstatue in einem unbemannten Boot an den Strand von Luni und von dort in einem führerlosen Ochsenkarren nach Lucca gelangt sein, wo sie schon bald als
›Heiliges Antlitz
‹ verehrt und - auf lucchesischen Münzen geprägt - auch im Ausland bekannt wurde. Die Gläubigen waren davon überzeugt, dass die Statue vom hl. Nikodemus, dem Mann, der Christus mit Joseph von Arimathia ins Grab niederlegte, aus einer Libanonzeder gefertigt worden sei. Für das Meisterwerk der Schnitzkunst, das wohl aus dem 11. Jh. stammt, ließ sich die Stadt 1482 ein
achteckiges Tempelchen im Dom errichten.
Der Christus des
Volto Santo mit den Mandelaugen trägt eine beinahe
bodenlange Tunika (
›Columbium
‹). Aufgrund des langärmeligen Gewandes und schmalen, zarten Gesichtes wurde die Figur in vielen Regionen als Abbild eines jungen Mädchens gedeutet. Der Bart soll der Jungfrau - einer weiteren Legende zufolge - gewachsen sein, als sie sich standhaft weigerte, einer unliebsamen Verehelichung zuzustimmen - dafür musste sie am Kreuz büßen. Ende des 19. Jh. wusste in Nordeuropa niemand mehr, wo das Original der überall verehrten gekreuzigten Jungfrau aufbewahrt wurde, und Lucca gelangte nicht - wie andere Städte - als Hort einer wundertätigen Reliquie zu Ruhm - es blieb ein geruhsames Pflaster. Auch heute noch genießt die Stadt mit ihren ruhigen Gassen und einladenden Straßencafés unter schattigen Akazien eher den Ruf eines Ortes, der zum Ausruhen und zum Genuss toskanischer Lebensart einlädt, als den einer historischen Stätte. Dabei ist in Lucca jener 13.September 1325 unvergessen, als nach einem glänzenden Sieg über die Florentiner Truppen der Luccheser Feldherr Castruccio Castracane die Chance hatte, die große Rivalin
Florenz zu unterwerfen.
Geschichte
›Luk‹ ist ein keltisch-ligurisches Wort und heißt Sumpfland. Lucca war eine ligurische Siedlung, die im 5. Jh. v. Chr. von den Etruskern erobert und später römische Kolonie wurde. Im Jahr 89 v. Chr. bekam Lucca von Rom das Municipialrecht, konnte sich also selbst verwalten. Die runde Form der heutigen Piazza del Mercato weist noch auf diese Zeit hin: Hier stand einst ein römisches Amphitheater. Auch unter der Herrschaft der Goten blieb Lucca ein wichtiges Handelszentrum, die Langobarden wählten die Stadt zur Hauptstadt Tuscias. Genau wie Pisa nahm Lucca an dem ersten Kreuzzug teil und erklärte sich 1119 zur Freien Stadt. Unter dem Söldnerführer Castruccio Castracane galten ihre Truppen als die stärksten der Toskana. Doch nach dem Tod Castracanes wurde Lucca von Parma erobert, später von Pisa. Erst 1369 erkämpften die Bürger ihre Freiheit zurück und erklärten ihre Stadt zur Republik. Von 1400 bis 1430 regierte Paolo Guinigi. Seine junge Braut Ilaria ist im Dom verewigt.
Lucca verteidigte seine Unabhängigkeit bis 1799, als die Österreicher einfielen. Napoleon machte 1805 aus dem hübschen Städtchen ein Fürstentum für seine Schwester Elisa Baciocchi. 1817 fiel Lucca unter die Herrschaft der Bourbonen von Parma. 1847 vereinigte sich die Stadt mit dem Großherzogtum Toskana und wurde 1860 Mitglied des Königreiches Italien. 1858 wurde Giacomo Puccini in Lucca geboren. Heute hat die Stadt 90 000 Einwohner und ist für die edle Stoffproduktion - Seide - bekannt. Die Provinz ist der größte Olivenöl-Produzent der Toskana.
Im Süden und Zentrum der Altstadt
Zum Schutz gegen Feinde wurde im 16. Jh. die von den Römern gebaute Stadtmauer verstärkt: In hundert Jahren Bauzeit entstand die 4,2 km lange Mauer, die noch heute den Stadtkern umgibt. Das Bollwerk mit 126 Kanonen wurde allerdings nie gebraucht. Die Stadtmauer erwies sich auch als nützlich zum Schutz gegen Überschwemmungen des Flusses Serchio. 1812 etwa stieg das Wasser so hoch, dass Lucca beinahe untergegangen wäre. Doch dank des ›Deiches‹ blieb die Innenstadt trocken. Ende des 19. Jh. wurde die Mauer bepflanzt: Heute führt eine romantische Allee rund um die Stadt.
Die Besichtigung beginnt in der Regel an der Piazza Napoleone, die bereits Teil der Fußgängerzone ist. Kein schlechter Auftakt, denn Lucca erkundet man am besten zu Fuß. Im Westen dieses Platzes erhebt sich der mächtige Palazzo della Provincia (1) (1578-1820). An dieser Stelle hatte Castruccio Castracane ab 1322 seine Fortezza Augusta errichten lassen, die später von Luccheser Patriziern als Steinbruch verwendet wurde. An gleicher Stelle entstand nach 1400 der Palast des Paolo Guinigi, der 1576 bei einer Explosion des Pulvermagazins zerstört wurde. In dem heutigen Bau, der von Bartolomeo Ammanati begonnen wurde, residierte ab 1805 Napoleons Schwester Elisa Baciocchi.
Im Südosten schließt sich die Piazza del Giglio mit dem Teatro del Giglio (2) an. Von hier aus erreicht man über die Via del Duomo zunächst die Chiesa San Giovanni (3) mit einem herrlichen romanischen Portal aus dem 12. Jh. - innen wurde die Kirche im 17. Jh. umgebaut -, dann folgt der Domplatz, Piazza San Martino.
Der Duomo San Martino (4) soll im 6. Jh. vom hl. Frediano gegründet worden sein. Unter den Franken wurde der Dom dem hl. Martin geweiht. Auf Wunsch des damaligen Bischofs Anselmo da Baggio, der später als Papst Alexander II. in die Geschichte einging, wurde die Kirche im 11. und 12. Jh. romanisch umgebaut, ab 1372 an den Seitenwänden (Scheinemporen, Wandaufriss) gotisch erneuert. Mathilde von Canossa war 1070 Ehrengast der Einweihungszeremonie.
Der sechsgeschossige Campanile mit den Arkaden, die sich nach oben hin erweitern, stammt aus dem frühen 13. Jh. und wurde im Umland häufig kopiert. An den Glockenturm schließt sich der Bischofspalast an.
Der älteste noch erhaltene Teil des Domes ist die vierzonige Fassade (1204). Unten in der Vorhalle entsprechen wuchtige Arkaden den drei Portalen, über die sich drei Loggiengeschosse mit elegant ornamentierten Säulchen erheben. Die Fassade stammt vermutlich von dem Baumeister Guidetto da Como, der sich an der Bauweise der Pisaner Domschule orientierte. Wer die Fassade genauer betrachtet, bemerkt, dass die rechte Arkade schmäler ist als die beiden anderen. Die Fassade sieht aus, als habe der angrenzende 69 m hohe Glockenturm einen Teil von ihr ›verschluckt‹. Außerdem ist sie unfertig: Eigentlich war noch eine vierte Säulenreihe (wie in der Kirche San Michele) geplant. Beachtenswert sind die beiden Blendsäulen: Die rechte ist mit Blattwerk geschmückt, die linke zeigt den ›Stammbaum Christi‹.
Die mächtige Vorhalle wurde 1233-57 von Guido Bigarelli aus Como und anderen lombardischen Künstlern sowie 1260-70 von Nicola Pisano mit Reliefs ausgestattet, die zu den Hauptwerken der romanischen Bildhauerei gehören:
Rechtes Portal, Tympanon: Enthauptung des hl. Regulus, Türsturz: Disputation des hl. Martin mit den Arianern.
Mittleres Portal, Tympanon: Christus in der Mandorla, Türsturz: Maria und Apostel.
Linkes Portal, Tympanon: Kreuzabnahme von Nicola Pisano, Türsturz: Verkündigung, Christi Geburt und Anbetung der Könige (ebenfalls Nicola Pisano).
Zwischen den Portalen sieht man vier Szenen aus dem Leben des hl. Martin sowie eine Darstellung der zwölf Monate.
Das gotische Innere des Doms zeigt eine dreischiffige Anlage mit einem doppelschiffigen Querhaus und zweizonigem Wandaufbau im Langhaus: Rundbogige Arkaden ruhen auf Pfeilern mit vorgelegten Pilastern, darüber erkennt man Scheinemporen. Gleich am Eingang rechts erhebt sich eine Reitergruppe, die ursprünglich an der Außenfassade stand. Die vollplastische Skulptur von vermutlich pisanischen Künstlern des 13. Jh. stellt den hl. Martin zu Pferde dar, kurz bevor er seinen Mantel mit dem Armen teilt. In der Entwicklung der Freiplastik ist die Reitergruppe eines der wichtigsten Denkmäler.
Im linken Querschiff, nahe am Seitenausgang, befindet sich eines der ersten Grabmäler der Frührenaissance, das berühmte Grabmal der Ilaria del Caretto von 1408, der zweiten Frau des lucchesischen Adligen Paolo Guinigi. Ilaria starb im Jahr 1405 erst 19-jährig im Kindbett. Der Bildhauer Jacopo della Quercia arbeitete mit feinstem Carrara-Marmor. Das Porträt ist ungewöhnlich realistisch: Ilaria, in der Mode ihrer Zeit gekleidet, scheint zu schlafen, ihr weiblicher Körper zeichnet sich deutlich unter dem Gewand ab, ein kleiner Hund - laut Vasari ein Zeichen ehelicher Treue - wacht zu ihren Füßen. Auf der Schauseite spielen Putten mit einer Blumengirlande.
In der Mitte des linken Seitenschiffs ist der achteckige Tempietto del Volto Santo von Matteo Civitali (1484) zu sehen, in dem das berühmte Holzkruzifix aus dem 12. Jh. aufbewahrt wird.
Civitali schuf auch die beiden Weihwasserbecken am Eingang des Domes sowie die Kanzel vor der Sakristei. Der Fußboden des Mittelschiffes enthält die Marmorintarsia Das Urteil Salomons aus dem 15. Jh. Aus der weiteren reichen Ausstattung des Domes seien darüber hinaus noch die schöne Madonna mit Heiligen von Domenico Ghirlandaio in der Sakristei (2. Hälfte 15. Jh.) sowie Das letzte Abendmahl (1590/91) des venezianischen Malers Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, am dritten Altar rechts erwähnt.
Ebenso eindrucksvoll wie am Dom wirkt die Fassadengestaltung von San Michele in Foro (5) auf dem gleichnamigen Marktplatz: Die Kirche ist eines der besterhaltenen und prächtigsten romanischen Monumente der Toskana und wurde im 14. und 15. Jh. als Versammlungsort des Bürgerrates genutzt. An Stelle des antiken Forumstempels war im 8. Jh. eine erste Kirche gegründet worden. Der Neubau entstand zwischen 1027 und 1200. Die von einem kolossalen Erzengel gekrönte marmorinkrustierte Fassade mit ihrer vierstöckigen Loggia in lucchesisch-pisanischem Stil auf eleganten, unterschiedlich verzierten Säulchen wird wie die Fassade des Domes Guidetto da Como zugeschrieben. Aber im Vergleich zur Domfassade ist die Dekoration reicher und verspielter. Die Strahlenkranzmadonna am rechten Eckpfeiler fügte Matteo Civitali im späten 15. Jh. hinzu.
Das dreischiffige, dunkle Innere der Kirche präsentiert sich heute wieder schlicht und beinahe nackt, die barocken Zutaten wurden (bis auf die Seitenaltäre) wieder entfernt. Die erst 1512 eingezogenen Gewölbe blieben jedoch erhalten. Ursprünglich war die Basilika noch höher und flach gedeckt. Der auffälligste Ausstattungsschatz ist das hölzerne, flach modellierte Triumphkreuz eines einheimischen Künstlers (um 1230) am Hauptaltar. Wunderschön ist auch die Altartafel in brillanten Farben von Filippino Lippi an der Wand des rechten Querhauses: Die Heiligen Rochus, Sebastian, Hieronymus und Helena (um 1480).
Der Platz vor der Kirche San Michele wird von restaurierten Kaufmannshäusern des 12. und 13. Jh. eingerahmt. Auf der Südseite erhebt sich der Palazzo Pretorio (6), der im 15. und 16. Jh. als Sitz der Ratsversammlung von der Luccheser Künstlerfamilie Civitali errichtet wurde.
An dem kleinen Platz Corte San Lorenzo 9, an der Via di Poggio, die im Westen von der Piazza San Michele abzweigt, liegt die Casa Natale di Giacomo Puccini (7) (Tel. 05 83 58 40 28, www.fondazionepuccini.it, Juni–Sept. tgl. 10–18 Uhr, Okt.–Mai Di–So 10–13 und 15–18 Uhr) aus dem 15. Jh. Puccinis Geburtshaus wurde in ein kleines Museum mit Erinnerungsstücken des Meisters, darunter sein Klavier, umgewandelt.
Im Osten der Piazza San Michele in Foro führt die Via Roma auf die Via Fillungo, die wichtigste Einkaufsstraße der Stadt mit wunderschönen alten Ladenfassaden.
Wenn man nach links abbiegt, sieht man rechts die Kirche San Cristoforo (8), erbaut von der Zunft der Tuchhändler (an der Fassade erkennt man Maßeinheiten), etwas weiter links (Hausnummer 43) den ausgebauten Wohnturm des 13. Jh., die Casa Barletti-Baroni. Gegenüber steht der Uhrenturm aus dem 13. Jh., Torre delle Ore, von dem aus den Bürgern Luccas bis 1457 die Stunde geschlagen wurde. 130 Türme zählte Lucca im Mittelalter.
Den schönsten noch erhaltenen Turm erreicht man, wenn man rechts in die Via S. Andrea einbiegt und bis zur Via Guinigi geht: An dieser Ecke befinden sich die Case Guinigi (9), mehrere Palazzi und Torri der vornehmen Familie Guinigi, die im 14. und 15. Jh. das Stadtviertel beherrschte. Auf dem Torre Guinigi (Tel. 05 83 31 68 46, Juni–Sept. tgl. 9–20 Uhr, Okt. tgl. 10–18 Uhr, Nov.–Mai tgl. 9–17 Uhr) wachsen seit dem 15. Jh. Steineichen. 230 Stufen führen zur obersten Aussichtsterrasse und zum schönsten Blick auf die Stadt.
Im Norden der Altstadt
Von der Via Guinigi aus geht man nur noch hundert Meter links bis zur romantischen Piazza del Mercato (10): An dieser Stelle lag das Römische Amphitheater aus dem 2. Jh. n. Chr., dessen Struktur 1830 der Architekt Lorenzo Nottolini freilegte. Er ließ die Häuser an der Piazza, die auf den Fundamenten des römischen Amphitheaters errichtet wurden, stehen und brachte sie auf annähernd gleiche Höhe, die anderen riss er ab und ahmte so die ovale Form des Theaters nach. Reste der römischen Anlage lassen sich noch erkennen.
Die Kirche San Frediano (11)nahe dem Amphitheater entstand zwischen 1105 und 1147 (Umbauten bis ins 15. Jh.). Die schlichte Fassade, die sich vom pisanischen Stil distanziert, wurde 1230 mit einem Mosaik im byzantinischen Stil verziert (im 19. Jh. stark restauriert), das die Himmelfahrt Christi darstellt: ein Fassadenelement, das ansonsten in der Toskana nur an San Miniato al Monte in Florenz zu finden ist. Das dreischiffige Innere mit hohem offenem Dachstuhl wirkt überaus monumental und durch die großen offenen Seitenkapellen beinahe fünfschiffig. Sehr schön sind die antiken und antikisierenden Komposit-Kapitelle. Das romanische Taufbecken in der ersten Seitenschiffkapelle rechts, an dem verschiedene Künstler des 12. Jh. arbeiteten, gehört zu den schönsten seiner Art. Was die Reliefs im Einzelnen darstellen, ist nicht überliefert, viele Kunsthistoriker zweifeln heute an der Interpretation, dass es sich um das Leben Moses handele. Die vierte Kapelle des linken Seitenschiffs, die Cappella Trenta (benannt nach dem Stifter Lorenzo Trenta), birgt ein 1422 signiertes, gotisches Madonnen-Retabel von Jacopo della Quercia. Unter dem Altartisch steht ein römischer Sarkophag, der die Gebeine des 720 in Lucca verstorbenen Rompilgers Richard enthält: angelsächsischer König und Vater der drei Heiligen Willibald, Winnibald und Walburga. Die zweite Kapelle des linken Seitenschiffs ist die des heiligen Augustinus. Hier sind Fresken von Amico Aspertini (1508/09) zu sehen, die den Transport des Volto Santo von Luni nach Lucca zeigen.
Ein einzigartiges Erlebnis verspricht der Besuch des Museo Nazionale di Villa Guinigi (12) (Tel. 05 83 49 60 33, Di–Fr 9–19 Uhr) in der Via della Quarquonia. In der herrlichen Villa mit Front- und Gartenloggia, ab 1418-20 als (damals vor den Mauern gelegener) Sommerpalast für Paolo Guinigi errichtet, wurde ein ausgezeichnetes Museum eingerichtet. In der Nordloggia befinden sich Säulen der Fassade von San Michele in Foro, den Garten schmücken verschiedenste Skulpturen, im Erdgeschoss sind römische Fragmente, etruskische Grabfunde und Plastiken des 12. bis 16. Jh. zu sehen, im Obergeschoss ist eine Pinakothek mit Bildern des 12.-19. Jh. zu besichtigen.
Die bedeutendere Gemäldesammlung befindet sich im Museo e Pinacoteca Nazionale (13) (Tel.058 35 55 70, Di–Sa 9–19 Uhr) des restaurierten Palazzo Mansi (16.-18. Jh.) in der Via Galli Tassi 43 im Westen der Stadt. Der außen schlichte Palast wurde innen im 18. Jh. überaus prunkvoll ausgestattet: Der Ballsaal und das Brautgemach im Rokokostil gehören zu den schönsten ihrer Art in der Toskana. In der Pinakothek sind neben römischen und prähistorischen Fundstücken Bilder von Palma Il Giovane, Guido Reni, Domenico Beccafumi, Pontormo, Justus Sustermans, Andrea del Sarto u. a. ausgestellt. Das Ölbild Petrus vor dem Dogen von Paolo Veronese ist leider so stark nachgedunkelt, dass sich kaum etwas erkennen lässt. Interessant sind auch das Selbstporträt von Federico Zuccari und ein Bild, das die Befreiung eines Sklaven durch den hl. Markus zeigt: Kopie eines berühmten Werkes von Tintoretto.
Einen interessanten Besuch verspricht der Palazzo Pfanner-Controni (14) in der Via San Sebastiano (nahe der Piazza Sant’Agostino): ein prächtiger Bau aus dem 17. Jh. mit Prunktreppe auf Pilastern und Säulen sowie einem verwunschenen Garten mit achteckigem Wasserbecken und einer kleinen Zitronenplantage. Das erste Stockwerk ist als Museum (Mai–Sept. tgl. 10–18 Uhr) hergerichtet. Es sind u. a. mittelalterliche Fresken, verschiedene Salons und auch die alte Palastküche zu besichtigen.
Auf der Piazza vor dem Palazzo Pfanner steht die kleine Klosterkirche Sant’Agostino (14. Jh.), an deren Stelle sich einst das griechische Theater von Lucca befand. Zwei Arkaden des antiken Theaters sind heute im Untergeschoss des Turmes zu erkennen.
Praktische Hinweise
Information: APT, Piazza Santa Maria 35, Lucca
Tel. 05 83 91 99 31, Fax 05 83 46 99 64, www.luccaturismo.it
Stadtfest
SantaCroce am 13. September
Einkaufen
An jedem dritten Sonntag im Monat findet auf der Piazza San Martino ein Antiquitätenmarkt statt. Lucca ist seit dem späten Mittelalter bekannt für seine Textilien-Produktion. In der Stadt findet man edle Stoffe für Möbelbezüge.
Luisa Raffaelli, Via Corte Gianni 10, Lucca. Handgewebte Stoffe in Rohseide, hergestellt nach der gleichen Technik wie vor 500 Jahren, in 86 Farbkombinationen.
Juwelier Carli, Via Fillungo 95. Ältester Juwelier der Stadt, bekannt vor allem für seine antiken Schmuckstücke.
La Bottega di Mamma Ro, Piazza Anfiteatro 5, Lucca. Originelle Keramik.
Hotels
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Restaurants
Buca di Sant’Antonio, Via della Cervia 3, Lucca, Tel. 058 35 58 81. Keine Haute Cuisine, sondern rustikale Spezialitäten wie die Minestra di farro e fagioli (Zweikorn-Bohnensuppe) oder das Capretto Garfagnano (Zicklein der Garfagna am Spieß) stehen auf der Speisekarte. Weintipp: Weißwein Greco delle Colline Lucchese (So/Mo und Juli geschl.).
Villa Bongi, Via di Cocombola 640, Montuolo/Lucca, Tel. 05 83 51 04 79. Man fährt von Lucca etwa 2 km in Richtung Viareggio (Straße 439) und biegt am Wegweiser vor der kleinen Brücke nach links ab. Die einsam gelegene Villa aus dem 17. Jh. mit ihrem herrlichen Garten und einer wunderbaren Aussicht ist an sich schon einen Ausflug wert. Außerdem kann man hier angenehm und gut speisen. Die Rechnung wiederum ist angemessen: Bruno Ercolis Lokal ist nicht teurer als jede gewöhnliche Trattoria (Mo/Di mittags sowie 15.-25. Juli geschl.).
Café
Antico Caffè di Simo, Via Fillungo 58, Lucca, Tel. 05 83 49 62 34. In diesem traditionsreichen Café trank schon Giacomo Puccini gerne seinen Cappuccino (Mo geschl.).
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