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Special: Venedig

Venedig - Kunstwerk mit nassen Füßen

Venedig, dem Meer abgetrotzt, auf 116 Inseln und versenkten Baumstammwäldern errichtet, die einstige Fluchtburg in der amphibischen Landschaft der Lagune, die unvergleichliche Serenissima der Dogen, ist eine paradoxe Stadt. Sie ist klein und doch Weltstadt. Eine Fata Morgana, die schwebend aus dem Wasser steigt und doch real, kompakt, eine vollendete Vertikale aus Stein ist. Zum Artikel

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Ca Foscari

Eine junge Universität in einem altehrwürdigen Palast.

Calle Foscari
Vaporetto San Tomà

Doge Francesco Foscari war reich, mächtig, eloquent und das am längsten dienende Oberhaupt der Republik Venedig. In seine Amtszeit fiel die Erschließung der Terra ferma und die Errichtung der Westfassade des Palazzo Ducale, die noch heute Loggia Foscara heißt. Angesteckt vom offiziellen Baueifer wünschte der Doge sich einen Familienpalast, der alle bisherigen an Größe übertreffen sollte. Nun, er bekam ihn, starb aber, ehe er ihn genießen konnte.

Der mächtige Kubus an der Mündung des Rio Foscari in den Canal Grande ist ein Werk der Spätgotik (Baubeginn 1452). Die Fassade wiederholt in der Arkatur des 2. Stocks das Maßwerk des Dogenpalastes. Um eine Vorstellung von den kolossalen Dimensionen des Palastes zu bekommen: Heute ist in seinen Räumen die venezianische Universität untergebracht.

Das Schicksal des Bauherrn der gewaltigen Ca Foscari und seiner Familie lieferte Lord Byron den Stoff für sein Drama The two Foscari und dem jungen Giuseppe Verdi die Anregung für seine Oper I Due Foscari. Die Themen dieser Werke sind Familienfeindschaft, politische Missgunst, Intrige, Machtgier, Folter, Tod. Francesco Foscaris Sohn Jacopo wurde auf Betreiben der rivalisierenden Familie Loredan zuerst der Bestechlichkeit, später des Mordes angeklagt. Er wurde verhaftet, gefoltert, vom Rat der Zehn, dessen Vorsitzender de jure sein Vater war, aus Venedig verwiesen und starb in der Verbannung. Die dichterische Aufbereitung des Familiendramas verdeckt die historischen Fakten, die keineswegs romantisch waren.

Francesco Foscari selbst wurde 1457 unter dem Verdacht des Amtsmissbrauchs zum Rücktritt gezwungen. Man nahm ihm den Corno, die Dogenkappe, vom Haupt, den Siegelring vom Finger und hieß ihn sofort in seinen noch unfertigen Palast am Canal Grande übersiedeln. Hier starb er noch im selben Jahr aus Gram - nach einem erfolgreichen Dogat von 34 Jahren. Die Rehabilitierung venezianischer Spielart - ein prunkvolles Grabmal in der Frari-Kirche - erfolgte natürlich zu spät.

Nach der Fertigstellung des Palastes 1574 residierte in ihm Heinrich von Valois auf dem Weg zur Thronbesteigung als Heinrich III. von Frankreich. Das Palastleben war wieder heiter und der angehende König beschwingt, versüßte ihm doch die Edelkurtisane Veronica Franco, Dichterin im Nebenberuf, die Nächte.

© ADAC Verlag GmbH

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