Irrtum der Technik: Anrufbeantworter
Alexander Stahr
Die These: Der Anrufbeantworter beantwortet Anrufe.
|
| © Dr. Alexander Stahr, Niedernhausen |
 |
|
In Millionen von Prospekten werden jährlich
Anrufbeantworter angepriesen. Und niemandem scheint bislang aufgefallen zu
sein, dass „Anrufbeantworter“ überhaupt keine Anrufe beantworten
können. Zwar meldet sich dieses Gerät nach einigen Rufzeichen automatisch
mit „der Stimme seines Herrn“, aber es macht keinerlei Anstalten,
den Anrufer danach mit einer Antwort zu befriedigen. Anrufaufnahme- oder Anrufentgegennahmegerät
wäre daher eine korrekte, wenn auch sprachlich etwas holprige Bezeichnung.
Entwickelt hat das erste Gerät mit dem irreführenden
Namen der Schweizer Erfinder Willy Müller im Jahr 1935. Der Japaner Kazuo
Hashimoto baute 1954 ein Gerät, das zum ersten kommerziellen Anrufbeantworter
führte, der direkt an Privathaushalte und Büros verkauft wurde.
Das Gerät mit dem Namen „ANSA FONE“ wurde 1960 in den USA
vermarktet. Das ANSA FONE und viele von Hashimotos frühen Prototypen
befinden sich heute im Smithsonian Institute. Ab 1961 gab es in Deutschland das „Alibiphon“. Es
empfing noch keine Nachrichten. Der abrufbare Ansagetext wurde auf einer Magnettonplatte
gespeichert. Die Deutsche Bundespost ließ diese Geräte bereits
ab 1955 zu und im Telefonbuch wurde der Anschluss mit einem v-Zeichen gekennzeichnet.
1963 kam der Anrufbeantworter „Alibiphonomat“ auf den Markt.
Er vereinte erstmals die automatische Ansage- mit der Speicherfunktion.
|