Gotik

kunsthistorischer Stilbegriff für die Zeit ab etwa 1150/1250 bis zum 14./16. Jahrhundert. Im Gegensatz zur vorhergehenden (Romanik) und nachfolgenden (Renaissance) Stilepoche, orientierte sich die Gotik trotz mancher Übernahmen nicht an der Antike, sondern verwendete in Kunst und Architektur bevorzugt überlängte und ausgedünnte Formen. Den Stilbegriff prägte G. Vasari, der die Auffassung vertrat, dem antiken „Goldenen Zeitalter“ sei ein barbarisches, durch die Goten bestimmtes Mittelalter gefolgt. Noch im Klassizismus mit „geschmacklos“ und „überladen“ gleichgesetzt, wurde der Begriff erst im 18./19. Jahrhundert von dieser Negativbedeutung befreit.

Beginn auf der Île-de-France:

Die Gotik begann mit dem ersten Chorneubau der Abtei von Saint-Denis (1140-1144) durch Abt Suger, der mit der neuen, lichtdurchfluteten Bauweise diese Epoche einleitete. Die gotische Architektur zeichnete sich durch ein Ausdünnen und Strecken der Proportionen aus (größere und mehr Fenster, dünnere und zum Teil zweischalige Wände), die durch eine allmähliche Systematisierung und Reduzierung der spätromanischen Formenvielfalt (Dienste, Säulen, Kapellenanbauten, Spitzbögen) erreicht wurde. Erst die gezielte Durchplanung des Gebäudes von Grundsteinlegung bis Fertigstellung machte gotisches Bauen möglich: Dienste wurden der Wand dort vorgelegt, wo sie weiter oben die Rippen der Gewölbe aufnehmen konnten - die Wand selbst wurde mit der Zeit weitgehend von der tragenden Funktion befreit. Mit der Kathedrale von Noyon (frühe, typisch gotische Knospenkapitelle) entstand der erste gotische Bau außerhalb des Kronlandes. Die erste Kathedrale der klassischen Hochgotik ist Notre-Dame in Chartres. Hier finden sich der von vier Diensten umstellte sog. kantonierte Pfeiler und die polygonale (nicht mehr halbrunde) Apsis mit Gewölbekappen. Das Chartreser Gruppenfenster leitete die Entwicklung des Maßwerks ein und der Wettbewerb um den höchsten Innenraum begann hier. Es folgte die Kathedrale von Reims (begonnen 1111) und mit der in Amiens (begonnen 1120) erzielten Perfektion in Ausdruck und Zusammenspiel der Elemente erreichte die Hochgotik ihre Vollendung.

Der nachfolgende „strahlende Stil“ (Rayonnant) strebte nicht mehr Höhe als vornehmliches Ziel an und fand mit den „abstrahlenden“ Speichen des Rosenfenstermaßwerks, der Durchbrechung der Wände und dem von Diensten eng umstellten Bündelpfeiler ohne Kapitell neue Ideale. Diese wurden zuerst beim Umbau der königlichen Kapelle von Saint-Denis (1230) verwirklicht, den Höhepunkt der Entwicklung bildet die Sainte-Chapelle in Paris, bei der fast der gesamte Oberteil des Kirchenschiffs verglast ist. Das Flamboyant, die französische Spätgotik mit in S-Kurven „flammendem“ Maßwerk, entstand kurz vor 1400 in der Schlosskapelle in Vincennes, während diese Form in England weit früher zu beobachten ist (Südquerhaus der Kathedrale von Lincoln, 1320). Aufgrund des Hundertjährigen Krieges kam das Baugeschehen in Frankreich zum Erliegen, doch wurden flamboyante Bauteile dann im ausgehenden 15. und frühen 16. Jahrhundert errichtet. Von besonderer Bedeutung für die Ausbreitung der Gotik außerhalb Frankreichs war die Zisterzienserarchitektur, die den Bau auf das Nötigste reduzierte, Türme, Maßwerk und jede Dekoration als Luxus ablehnte.

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2 Kommentare

Klasse

Super!
Jetzt bin ich ein richtiger Fan von Gotik!

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Sehr gut Artikel. Danke!

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