Manierismus
im engeren Sinn die Stilbewegung der europäischen Kunst zwischen Renaissance und Barock, die mit antiklassischer Tendenz um 1520 begann und um 1600 endete; im weiteren Sinne jedes künstlerische Verhalten, auf das die Merkmale des Manierismus zutreffen. Grundmotive des Manierismus sind das Interesse am Absonderlichen und Überwirklichen, die Neigung zu Stilisierung und deformierender Abstraktion, ferner die Freude am Selbstgenuss, am Esoterischen, Monströsen und Grotesken. In der bildenden Kunst begann die Hauptperiode des europäischen Manierismus (im engeren Sinne) in Florenz. Die Merkmale in der Malerei (scharfe Licht-Schatten-Gegensätze, kühle, helle Farbgebung, Längung der Proportionen, weit gehende Aufhebung der Schwerkraft, gezierte, erkünstelt wirkende Gebärden) zeigen sich besonders deutlich in Werken von J. Pontormo, Parmigianino, Rosso Fiorentino, D. Beccafumi, F. Primaticcio, A. Bronzino, G. Arcimboldi, Tintoretto und Michelangelo. Die wichtigsten Vertreter außerhalb Italiens sind P. Bruegel der Ältere und El Greco. Die Literatur übernahm den Begriff aus der Kunstgeschichte und beschreibt mit ihm ein Stilphänomen des 16. und 17. Jahrhunderts, das sich klassizistischen Normen widersetzt und eine bewusst überformte Sprache (Anhäufung von Stilfiguren und Metaphern, ausgefallene Redeformen) pflegt. Von Italien ausgehend besonders in Spanien verbreitet (B. Gracián, L. de Góngora y Argote), später auch in der deutschen Barockdichtung (D. C. von Lohenstein, C. Hofmannswaldau, G. P. Harsdörffer) oder als Gegenentwurf zur Weimarer Klassik (Jean Paul). © Wissen Media Verlag
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