9. Februar 2010, 15:38 Uhr
Hilfsaktion für Athen beflügelt Märkte
Tagelang wurden Börsen, der Euro und Staatsanleihen wegen der Angst vor einer Pleite Griechenlands regelrecht abgestraft. Jetzt geht es aufwärts: Die Nachricht eines Hilfspakets für das Euro-Land lässt Investoren aufatmen.
Hoffnungen auf eine Rettung Griechenlands durch einen europäischen Kraftakt haben den Märkten Auftrieb gegeben. Der Euro und die Börsen zogen am Dienstag an, die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen der Euro-Peripherie gingen deutlich zurück. Die Lage bei Länder-Kreditderivaten entspannte sich ebenfalls.
Der Dax schloss 0,2 Prozent im Plus bei 5498 Punkten. Der Euro legte zum Dollar um fast 1,3 Prozent auf 1,3824 $ zu. Er war damit auf dem Weg zum größten Tagesgewinn seit Juni.
Bereits zuvor hatten die Märkte kräftig zugelegt. Auslöser für die Rally war die Nachricht, dass Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), am Donnerstag beim informellen EU-Gipfel teilnimmt. Trichet kehrte deshalb früher als geplant von einem Treffen internationaler Zentralbanker in Australien zurück.
Der griechische ASE-Index gewann fünf Prozent. Der spanische Aktienindex Ibex verbesserte sich um knapp 0,7 Prozent, der portugiesische PSI kletterte um rund 0,8 Prozent. Der Aufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen sank im Vergleich zum Montagabend um 41 Basispunkte auf 321. Bei den spanischen Papieren verringerte sich die Risikoprämie um 11 auf 89 Basispunkte, bei den portugiesischen um 18 auf 145 Basispunkte.
Selbst die US-Börsen reagierten positiv. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte 2,1 Prozent zu auf 10.116 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 1,9 Prozent auf 1077 Zähler, der Composite-Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,7 Prozent auf 2161 Punkte.
S&P: Griechenland, Spanien und Portugal vor langer Durststrecke
Standard & Poor's hatte zuvor allerdings langwierige Schwierigkeiten für die Euro-Peripherie prognostiziert. "Die wegbrechende Nachfrage wichtiger Handelspartner engt die Chancen für Griechenland, Spanien und Portugal ein, sich über Exporte wieder zu sanieren", schrieb Analyst Moritz Krämer in einem am Dienstag veröffentlichten Researchbericht.
Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, dass die Staatsverschuldung über lange Zeit hoch bleibe. "Wenn Griechenland die Verschuldung in dem Tempo wie in den Jahren 2002 bis 2007 reduzieren würde, würde es ab 2012 rund 33 Jahre brauchen, bis die Hellenen das Niveau von 2007 wieder erreichen würden", schrieb Krämer. "Und 2007 war die Staatsverschuldung schon hoch." Erschwerend kämen etwaige politische Widerstände hinzu. "Die Sparpläne werden nicht gerade auf Begeisterung stoßen. Die Öffentlichkeit wird darauf mit Protesten reagieren. Sie wird alles daran setzen, die Umsetzung zu verhindern", warnte Krämer.
Seit Wochen treibt die Angst um Griechenland die Investoren um. Sie fürchten, dass die Krise im Fall einer Staatspleite der Hellenen auf andere Staaten wie Portugal oder Spanien übergreifen - und sogar die gesamte Währungsunion bedrohen könnte.
Bisher war unklar, ob Europa den Griechen beistehen wird. Die EZB riet davon ab - und drang auf eine Einhaltung des Stabilitäts- und Wachstumspakets. Sie begrüßt die Sparpläne der Regierung in Athen. Griechenlands Premierminister Giorgios Papandreou will das Staatsdefizit 2010 von 12,7 auf 8,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) senken.
Brüssel ist auf jeden Fall alarmiert. Der Druck an den Märkten auf Griechenland drohe auf andere Mitglieder der Euro-Zone überzugreifen, sagte der bisherige EU-Währungskommissar
Joaquín Almunia am Dienstag im Europäischen Parlament in Straßburg. Der Schlüssel zur Lösung des Problems sei das strikte Sparprogramm, das die griechische Regierung bereits vorgelegt habe. Auch müsse die Wirtschaft des Landes grundlegend reformiert werden. Griechenland müsse zu weiteren Einschnitten bereit sein, falls dies notwendig sei, um den Stabilitätspakt wieder einzuhalten.
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