28. Januar 2009, 21:47 Uhr
"Tag der deutschen Vielfalt"
Die große Feier in Berlin zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes wird zum Problemfall. Der Ruf des Veranstalters Media Event ist umstritten, die Länder planen ein Konkurrenzfest in der Hauptstadt.
"Wir sind sicher, dass wir ein gutes Fest machen werden", sagt Jutta Vogel. Die Inhaberin und Geschäftsführerin der Agentur Media Event beharrt darauf, dass die Vorbereitungen für das zentrale Bürgerfest "Freiheit, Einheit, Demokratie" am Wochenende des 23. Mai in Berlin wie geplant laufen. Einzelheiten des Programms und die nötigen Sponsoren würden im Februar bekannt gegeben, so Vogel.
Ihr Optimismus wird nicht überall geteilt. "Es gibt viele offene Fragen an den Veranstalter und das Programm", heißt es in einem SPD-geführten Ministerium. Am Donnerstag treffen sich Vertreter aller Bundesressorts im zuständigen Innenministerium, um über das Verfassungsfest zu beraten. Selbst eine neue Ausschreibung für die Veranstaltung rund um das Brandenburger Tor wird von Kritikern des bisherigen Ablaufs für möglich gehalten.
Ein gemeinsames Fest aller Verfassungsorgane ist schon gescheitert. Die Bundesländer planen für das Wochenende einen eigenen "Tag der deutschen Vielfalt" mit einer Auftaktveranstaltung im Roten Rathaus von Berlin und Öffnung aller Landesvertretungen in der Hauptstadt. Die Ministerpräsidenten hätten sich geeinigt, "sich nicht an der Veranstaltung von Herrn Vogel" zu beteiligen, heißt es in der Berliner Senatsverwaltung: "Wir lassen uns doch nicht von einer Agentur schurigeln."
Gemeint ist Stephan Vogel, Gatte der Inhaberin und Projektleiter für das Verfassungsfest. Vogel hat bereits frühere Auftraggeber verärgert, darunter den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Kurz vor einer Großveranstaltung des BDI im Berliner Flughafen Tempelhof im vergangenen Sommer trennte man sich - nach mehrjähriger Zusammenarbeit. "In dem Maße, in dem Vogel Erfolg hatte, wollte er Inhalte mitbestimmen", sagt ein damals aufseiten des BDI Beteiligter, "zum Beispiel fand er das Motto der Veranstaltung nicht gut."
Der Bund allerdings könnte Media Event nicht so einfach kündigen wie der BDI. Denn das Innenministerium ist nicht Auftraggeber, sondern gibt nur einen Zuschuss von bis zu 2 Mio. Euro an Media Event. Den Rest sollen die Sponsoren bringen, die noch keiner kennt.
Ob die in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, bezweifeln Kenner der Szene. "So etwas wie beim BDI spricht sich rum", sagt ein Werbeexperte.
Warum ausgerechnet die Vogels das Bürgerfest veranstalten, das von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet werden soll, ist nicht ganz klar. Man habe irgendwann gesagt, man wolle gerne Veranstalter sein, und erste Gespräche geführt, sagt Jutta Vogel. Anfang 2008 wurde dann die Zusammenarbeit mit dem Innenministerium offiziell, das beim Bund für die Jahrestage 2009 zuständig ist. Der Kontakt kam über das Bundespresseamt zustande, aber inoffiziell. Ein Regierungssprecher: "Es gab keine Empfehlung des Bundespresseamts an das Innenministerium. Offensichtlich hat lediglich ein Mitarbeiter des Presseamts einem Mitarbeiter des Innenministeriums vor etwa zwei Jahren einen Hinweis darauf gegeben, dass ein privater Unternehmer eine Veranstaltung zum 23. Mai 2009 plant." Klingt, als sei ein eher privater Plausch Keimzelle für ein Millionengeschäft.
In dem Durcheinander darf auch das Verfassungsgericht nicht fehlen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete am Mittwoch über Unmut beim höchsten Gericht, weil die Verfassungsrichter nur eine passive Rolle spielen sollten. Alle Wortmeldungen des Gerichts in den zuständigen Gremien seien missachtet worden, berichtet die Zeitung. Das wiederum will das Innenministerium nicht auf sich sitzen lassen. Die Vertreterin des Gerichts habe nach einer Sitzung im März 2008 mitgeteilt, das Gericht werde sich am Fest nicht beteiligen und sie werde deshalb an weiteren Besprechungen auch nicht teilnehmen. Vielleicht findet sich für die roten Roben noch ein Plätzchen beim Länder-Tag der deutschen Vielfalt.
© Financial Times Deutschland
Dieser Artikel wurde uns von der Financial Times Deutschland zur Verfügung gestellt.
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