Einleitung

Nur die Erkenntnis "Ja, ich bin süchtig" und "So kann es nicht weitergehen" sowie die Arbeit an den eigenen Bedürfnissen und Problemen kann den Ausstieg aus der Sucht einleiten. Hilfe von außen ist möglich, bei gesundheitlichen Problemen ist sie sogar nötig, aber das Drängen anderer Personen kann diesen eigenen Anstoß nicht ersetzen.
Das Behandlungsziel ist:
- Ein drogenfreies Leben schätzen lernen. Das heißt natürlich auch, nicht eine Sucht durch die nächste ersetzen.
- Die Verantwortung für das eigene Dasein (wieder) übernehmen.
Diese Voraussetzungen muss man dafür schaffen:
- Sich selbst akzeptieren und neu kennen lernen.
- Eigene Grenzen erkennen und immer wieder austesten, sich gegen Druck von außen behaupten, mit Konflikten und unangenehmen Situationen umgehen können.
- Gesundes Selbstvertrauen besitzen sowie Kenntnis der eigenen Fähigkeiten; eine hohe Meinung von sich selbst haben.
- Das Gefühl entwickeln, man sei es wert, geliebt und ernst genommen zu werden.
- Therapeutische Bewältigung der Negativ-Beispiele und Defizite aus der Kindheit. Eventuell im Nachhinein erlernen, Gefühle zu zeigen, mit ihnen umzugehen und sie zuzulassen.
Der Weg aus der Sucht ist sehr weit. Aber er lohnt sich!
Wie kann ich einem Betroffenen helfen?

Ihr Einfluss als Partner oder Freund allein genügt nicht! Im Gegenteil, allzu oft geraten sie in eine emotionale Falle. Sie fühlen sich schuldig, ausgenutzt, hilflos der Situation ausgeliefert (man sagt im Fachjargon, sie werden "co-abhängig"). Die Sucht und Beschaffung des Suchtmittels bestimmen Ihren Alltag letztlich genauso wie den Ihres Kindes/Vaters/Ihrer Frau/Schwester. Sie glauben an Wunder und werden permanent enttäuscht, solange der Betroffene nicht wirklich von sich aus etwas unternimmt, die Situation zu ändern. Sie werden zum Märtyrer und Opfer oder Sie spielen sich als Kontrollinstanz, Richter und Bewahrer des Guten auf. Sie versuchen den Abhängigen auszutricksen oder ihn zu überreden, lassen sich auf seltsame kleine Machtspielchen über die Beschaffung oder Entsorgung des Suchtmittels ein und drohen mit Liebesentzug für den Rückfall. Kurz, sie drängen den Betroffenen in die Rolle eines unmündigen Menschen, und die Reaktion darauf wird sicher kein erwachsenes, reifes und verantwortliches Handeln sein.
In jedem Fall müssen SIE sich aus dieser Lage befreien, im schlimmsten Fall durch Trennung und Abbruch des Kontaktes. Sie müssen sich selbst und Ihr Leben aus dem Bannkreis der Sucht raushalten. Es ist das Problem des Süchtigen, sich Hilfe zu beschaffen - signalisieren Sie dann, wenn er es wirklich tut, Ihre Bereitschaft zum Gespräch und zu einer liebevollen Beziehung unter Gleichberechtigten. Nehmen Sie ihn und seine Probleme ernst, und bestehen Sie darauf, dass auch Ihre Bedürfnisse ernst genommen werden.
Möglichkeiten der Therapie

Hilfe finden Sie im Telefonbuch unter den Stichworten Suchtberatungsstellen, Psychosoziale Beratungsstelle und Jugend- oder Drogenberatungsstelle, außerdem bei Krankenkassen, Gesundheitsämtern oder über einen Hausarzt. Haben Sie keine Angst, eine Beratungsstelle aufzusuchen, weil Sie eventuelle Probleme mit der Polizei, Angehörigen oder Ihrem Arbeitgeber befürchten! Die Beratungsstellen verpflichten sich zu Stillschweigen und verfechten die Interessen der Betroffenen. Die Krankenkassen zahlen in aller Regel die Behandlung.
Es gibt viele Möglichkeiten:
- Entgiftung ist häufig der erste wichtige Schritt bei Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, je nach Schwere der Erkrankung dauert sie in einer Klinik 2-6 Wochen; ärztliche Betreuung und Medikamente sind notwendig, wenn körperliche Entzugssymptome behandelt werden müssen oder der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sehr schlecht ist.
- Die ambulante Therapie in einem Behandlungszentrum, die 6 -18 Monate dauert, ist gut für alle, die weiter arbeiten wollen, eine Familie betreuen müssen, und die vor allem unter psychischen Problemen leiden.
- Die stationäre Entwöhnung, 2-8 Monate in einer Suchtklinik, für schwierige Fälle und alle, die aus ihrem bisherigen Lebensumfeld heraus müssen oder wollen, mit anschließender ambulanter Nachsorge oder dem Leben in einer therapiegestützten Gruppe, z.B. durch "Betreutes Wohnen".
- Selbsthilfegruppen sind eine wichtige Nachsorge-Maßnahme für alle, die ihr Leben danach drogenfrei gestalten wollen.
Zahlen über Therapieerfolge:
- Abstinenz nach Entgiftung: 10 %
- Bei weiterführender Betreuung/Therapie: 30%
- Bei stationärer Entwöhnung: 60%
Viel diskutierte Probleme gibt es vor allem bei der Substitutionstherapie mit Methadon und Psychopharmaka, die ihrerseits ein hohes Suchtpotential haben und außerdem gravierende gesundheitliche Schäden nach sich ziehen können. Hier sind die Ärzte gefordert, nach Alternativen und neuen Denkmodellen zu suchen. Ein interessanter Ansatz kommt aus den USA, und wurde an der Suchtklinik Bokholt in Hamburg mit Erfolg eingeführt: der "drogenfreie" Entzug mithilfe von Akupunktur.
Was können wir alle tun?

Wichtig sind: Offene Diskussion, Enttabuisierung und schonungslose Aufklärung über die tatsächlichen Gefahren der Suchtmittel. Die Mitarbeit der Schulen, Hausärzte, Gesundheitsämter und psychologischen Beratungsstellen ist nötig, damit der Einzelne erkennt, was ihm schaden kann und wovon er lieber die Finger lassen sollte.
Dann müssen wir alle einen bewussteren Umgang mit Alkohol, Zigaretten, Schmerzmitteln und Ähnlichem üben, nicht nur, aber gerade in Gegenwart von Kindern und Jugendlichen. Ein gesundes Leben muss erstrebenswert wirken und Spaß machen, auch ohne "Hilfsmittel". In der Erziehung ist der offene Umgang mit Konflikten, aber auch mit positiven Emotionen ebenfalls wichtig. Wie ein Schutzschild legt sich der Rückhalt des Geliebtwerdens, des Akzeptiertwerdens um ein Kind, das dadurch später weniger Probleme hat, mit den normalen Stürmen und Sorgen des Alltags fertig zu werden.
Die Probleme bei legalen Drogen sollten nicht verniedlicht werden ("Onkel Herbert trinkt halt ganz gerne mal ein Gläschen"), andersherum ist eine übertriebene Kriminalisierung von Süchtigen wenig hilfreich und drängt sie nur schneller ins gesellschaftliche Abseits. Wenn eine Nachbarin Tabletten schluckt, müssen wir uns vielleicht fragen, ob wir ihr nicht aktiv helfen können - z.B. Besorgungen erledigen, das Baby hüten -, statt über sie zu tuscheln.
Die Hilfe nach dem Entzug ist wichtig. Das bezieht sich auch wieder auf Angehörige, Bekannte und Kollegen, die dem Ex-Süchtigen bei der Wiedereingliederung in ein drogenfreies, unabhängiges Dasein helfen können und müssen. Es versteht sich von selbst, dass das Verhalten so offen und wertfrei wie möglich sein sollte - also weder Vertuschen noch Vorwürfe sind angebracht. Geben Sie ihr/ihm einfach eine zweite Chance! Es gibt auch offizielle Unterstützung, z.B. über die Stiftung Integrationshilfe. Sie vergibt Darlehen zur Tilgung von Schulden, die im Zusammenhang mit einer Sucht entstanden sind.
Buch-Tipps
Online bestellen:
Hans Watzl, Brigitte Rockstroh: Abhängigkeit und Mißbrauch von Alkohol und Drogen









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