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Weltklimagipfel in Bonn: Worum geht es?

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Zeltstadt und temporäre Hallen für die COP 23 in Bonn
Da in Bonn nicht ausreichend Konferenzfläche zur Verfügung steht, wurde in der Rheinaue eine Zeltstadt und temporäre Hallenbauten erstellt.

Hilfe für die am stärksten Betroffenen

Ein weiteres wichtiges Thema des Weltklimagipfels 2017 ist die Anpassung an den Klimawandel. Die Präsidentschaft der Klimakonferenz hat diesmal die Republik Fidschi – und damit eine Inselgruppe im Südpazifik, die stark vom klimabedingten Meeresspiegelanstieg betroffen ist. Für Fidschi und viele andere Inselstaaten des Pazifik geht es darum, wie sich die betroffenen Regionen besser vor den steigenden Meeresspiegel und den heftiger werdenden Stürmen schützen können – und wer dafür bezahlen muss. Ähnliches gilt für Gebiete, die von zunehmenden Dürren und anderen Wetterkatastrophen betroffen sind.

Fidschi hat es sich außerdem zum Ziel gesetzt, auch die nichtstaatlichen Akteure bei diesem Weltklimagipfel intensiv zu beteiligen und einzubinden. In zahlreichen Veranstaltungen werden Klimaschutz-Projekte und Initiativen vorgestellt, Diskussionsrunden sollen den Dialog von Politik und Nichtregierungsorganisationen fördern.

Der People's Climate Summit

Um die Interessen der am stärksten Betroffenen geht es auch beim People's Climate Summit, der bereits am 3. November begonnen hat und noch bis zum 7. dauert. Der People's Climate Summit soll, so die Organisatoren, genau denen ein Forum bieten, die in der globalen Politik keine Stimme haben. "Am Klimawandel leiden diejenigen am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben", sagt Nadja Charaby von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Zu diesen gehören auch die Pacific Climate Warriors, ein Zusammenschluss von Klimaschützern aus zwölf Inselstaaten im Pazifik, die der steigende Meeresspiegel schon zu überfluten droht.  Sie haben eine Erklärung veröffentlicht, in der sie unter anderem fordern, die Förderung von fossilen Brennstoffen gänzlich aufzugeben – und die größten Verschmutzer aus den UN-Klimaverhandlungen auszuschließen. Darunter sehen sie Energiekonzerne wie Exxon oder RWE, die in den letzten Jahren verstärkt bei den UN-Klimaverhandlungen mit eigenen Veranstaltungen und Vertretern präsent waren.

"Wenn wir von Klimagerechtigkeit sprechen, müssen wir auch die Machtfrage stellen: Wollen wir, dass die großen fossilen Unternehmen weiterhin den immensen Einfluss ausüben können, den sie derzeit in der internationalen Klimapolitik haben?", kritisiert auch Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung. Zumindest bei diesem Klimagipfel wird sich jedoch nichts ändern: Vertreter von Interessen- und Lobby-Gruppen werden auch diesmal an den Verhandlungen teilnehmen.

Wie steht es momentan um den Klimaschutz?

Zwei Jahre nach dem so begeistert gefeierten Klimaabkommen von Paris herrscht im weltweiten Klimaschutz eher Ernüchterung. In vielen Ländern steigen die Emissionen der Treibhausgase weiterhin an, andere haben zwar ihren Ausstoß von Kohlendioxid gesenkt, aber lange nicht genug, um die in Paris selbsterklärten nationalen Ziele bis 2020 zu erreichen. Und der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre - die Triebkraft hinter der globalen Erwärmung - ist weiter angestiegen und hat neue Rekordwerte erreicht.

Auch Deutschland wird höchstwahrscheinlich sein Klimaschutzziel verfehlen. Nach aktuellen Schätzungen entspricht der CO2-Ausstoß unseres Landes momentan einem Wert von 9,5 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr. Das ist höher als der EU-Durchschnitt. Das zum Paris-Abkommen festgelegte Ziel ist es jedoch, die Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bisher allerdings haben wir davon nur 27 Prozent erreicht. Dass in den verbleibenden gut zwei Jahren die restlichen 13 Prozent noch erreicht werden können, gilt als extrem unwahrscheinlich.

NPO, 06.11.2017
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