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Weltsprache Englisch: Modern Talking

Die Sprache der Twentysomethings

So wie wir eine Art Hassliebe zum Big Brother USA empfinden, lieben und kritisieren wir die Dominanz des Englischen, das seit einigen Jahrzehnten immer mehr Spuren im Deutschen hinterlässt. Die Titanic veröffentlichte eine “Liste ekliger Wörter“, auf der sich viele der so genannten Anglizismen befinden, vom Date Rape über die Twentysomethings bis zum absolut oversizeden Outfit. Walter Krämer, Autor des Buches “Modern Talking“, gibt zahlreiche amüsante Definitionen für die basics der neudeutschen Wörter. Demnach wollen moderne consumer products mit history und street credibility und folgen daher dem authentic und retro Trend. Zum Thema Aircondition reimt er “Ist die air condition fair, freut sich der ice-cream-Verkäufer sehr“ oder zitiert erstaunliche Fragestellungen wie “Beauty Trend Permanent Make-up: Boom oder Bumerang?“ Als Konsequenz aus der gelungenen Schöpfung facility manager fordert er earth manager statt “Bauer“ und IQ-Manager für “Lehrer“. Manches nimmt er wörtlich, wie etwa das Go-Go Girl, definiert als “Freundin eines Kleinwagenfahrers“.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache geht mit mehr Ernst an die Sache heran. Sie nennt eine Liste überflüssiger Anglizismen, die ersetzt werden sollten. Auf gut Deutsch hieße es besser “Hochkonjunktur“ und “Pilotenkanzel“ statt Boom und Cockpit. “Prallkissen“, “Anrufzentrum“ und “Firmenverbund“ seien Airbag, Call Center und Joint Venture vorzuziehen. Krämer dagegen schlägt “Windbeutel“ für den Airbag vor. Wie sagte doch der große Rhetoriker Walter Jens: “Wenn es so weiter geht, dann können wir Deutschen in zehn Jahren nicht mehr richtig Deutsch und noch nicht richtig Englisch.“ Eine ähnliche Beobachtung machte der Holländer Rudi Carrell: “Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch - aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch!“

Cyberspace international

Englisch hat als globales Kommunikationsmittel eine Reihe von Vorzügen aufzuweisen. Es besitzt einen ungewöhnlich großen Wortschatz und zahlreiche einsilbige Wörter, die griffig klingen und leicht erlernbar sind, von Boom bis Trend. Noch dazu könnte man es eine Art natürliche Plansprache nennen. Obwohl es eine natürliche Sprache ist, hat es ein Merkmal vieler künstlicher Idiome: es ist eine Synthese europäischer Sprachen, da es besonders aus dem Griechischen und Lateinischen, aber auch aus dem Französischen und anderen modernen Sprachen Ausdrücke aufgesogen hat wie ein Schwamm.

Über das Englischen werden umgekehrt Ausdrücke - häufig dieselben - in mehrere Sprachen Europas und teils darüber hinaus weitergegeben. Vor allem im fachsprachlichen Bereich, aber auch in anderen Gebieten sind die sogenannten “Internationalismen“ verbreitet, die eigentlich oft aus dem Griechischen oder Lateinischen stammen. Hier einige Beispiele (deutsch-englisch-französisch-italienisch-spanisch):

Demokratie democracy démocratie democrazia democrazia

Maschine machine machine macchina máquina

Tango tango tango tango tango

Im Computerjargon ist die Übereinstimmung am auffälligsten. Ob Browser, Cyberspace, Joystick, Modem oder Hotline - die meisten Sprachen haben sie buchstabengetreu übernommen. Ausnahmen: Italienisch (“ciberspazio“ für Cyberspace) und Spanisch (“palanca de mando“ für Joystick). In wenigen Fällen wird übersetzt, wie beispielsweise im Falle der Maus, die nur von den Italienern original übernommen wird (Maus, mouse, souris, mouse, ratón).

Durch solche Parallelen wird die Alltagskommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft erleichtert; andererseits entsteht auch eine Vielzahl von "falschen Freunden" (false friends), da manchmal nur die Wörter, nicht aber ihre ursprüngliche Bedeutung übernommen wird. So hat englisch sender nichts mit Fernsehsender zu tun und confession ist nicht gleich Konfession. Die map ist keine Mappe, desert kein Dessert, gift ein Geschenk. Besondere Vorsicht beim undertaker: er ist kein Unternehmer, sondern ein Bestatter!

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