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Wiedereingliederung von Arbeitslosen und Berufsrückkehrern

Das Angebot der Maßnahmen zur Wiedereingliederung von Arbeitslosen oder Berufsrückkehrern ist je nach Bundesland oder Wirtschaftsregion sehr unterschiedlich. Entsprechend der Arbeitsmarktsituation vor Ort können von der Bundesagentur für Arbeit verschiedenste Maßnahmen gefördert werden. Grundsätzlich werden von der Bundesagentur für Arbeit spezielle Programme für Berufsrückkehrer, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Umschulung und Kurse zur beruflichen Weiterbildung angeboten. Die Förderungen zur beruflichen Wiedereingliederung sind aber keine Pflichtleistungen, sondern Kann-Leistungen. Kein Antragsteller hat einen Rechtsanspruch auf die Förderung oder die Erstattung von Kosten bzw. Unterhaltsgeld. Dies ist eine Ermessensentscheidung der Bundesagentur für Arbeit, die vor allem von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängig ist. Arbeitslosengeld wird während der Weiterbildung oder Umschulung nicht gezahlt, da die Teilnehmer einer solchen längerfristigen Maßnahme dem Arbeitsmarkt aktuell nicht zur Verfügung stehen.

Berufsrückkehrer

Berufsrückkehrer sind meist Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrochen haben, um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu betreuen, und danach in die Erwerbstätigkeit zurückkehren wollen. Männer, die eine entsprechende Unterbrechung hinter sich haben, gehören selbstverständlich ebenfalls in diese Gruppe.

Die Anforderungen im erlernten Beruf verändern sich sehr schnell, deshalb steigern Sie durch berufliche Weiterbildung in der Regel Ihre Chancen, auf dem Arbeitsmarkt wieder unterzukommen. Auf Bundes- und Länderebene werden speziell auf Berufsrückkehrer zugeschnittene Kurse angeboten. Die lokalen Arbeitsagenturen unterstützen den Wiedereintritt in die Erwerbstätigkeit finanziell durch verschiedene Förderprogramme.

Berufsrückkehrer haben oft keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Allerdings ermöglicht das Arbeitsförderungsreformgesetz (AFGR) eine Förderung von Frauen und Männern, die ihre Berufstätigkeit aufgrund von Kindererziehung oder der Pflege von Familienangehörigen unterbrochen haben. Die Förderung ist unabhängig von der Dauer der Unterbrechung, wenn sie mindestens ein Jahr beitragspflichtig beschäftigt waren. Diese Regelung erleichtert Berufsrückkehrern die Teilnahme an den von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Maßnahmen nach dem Arbeitsförderungsgesetz (AFG). Auch hinsichtlich der bestehenden Teilnahmevoraussetzungen werden Frauen unterstützt. Sie müssen nicht unbedingt eine abgeschlossene Berufsausbildung oder dreijährige Berufstätigkeit nachweisen. Die Tätigkeit im eigenen Haushalt gilt als ausreichende Zugangsqualifikation.

Wer die Vorteile dieser Regelung nutzen möchte, sollte sich möglichst bald nach der Beendigung der Eltern- oder Pflegezeit arbeitslos melden. Wer länger als ein Jahr wartet, muss damit rechnen, dass er dann nicht mehr von den vorteilhaften Regelungen für Berufsrückkehrer profitieren kann.

Berufsrückkehrern ist zu empfehlen, sich neben den Förderungen durch BaföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz), AFG (Arbeitsförderungsgesetz) und AFGB nach Sonderprogrammen zur Frauenförderung und Wiedereingliederung nach familienbedingten Berufspausen zu erkundigen. In allen Bundesländern gibt es spezielle ergänzende Sonderprogramme für Frauen zu Lehrgängen, Umschulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Andere Programme unterstützen das Learning-by-doing, die praxisbezogene berufliche Fortbildung direkt im Unternehmen. Informationen erhalten Sie bei den Frauenbeauftragten der örtlichen Bundesagentur für Arbeit, der Gemeinde oder in freien Frauenberufsberatungsstellen.

Informieren Sie sich auch über die Förderungsmöglichkeiten der Europäischen Union. Aus den Fördertöpfen Europäischer Sozialfonds können Frauen unter bestimmten Voraussetzungen Fördergelder erhalten. Die EU-Frauenförderung ist insbesondere darauf ausgerichtet, arbeitslose Frauen beim Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen. Beratungsstellen für Frauen finden Sie in jeder größeren Gemeinde.

ABM-Maßnahmen

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

Die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) basieren auf einer Vereinbarung zwischen der Bundesagentur für Arbeit und einem Arbeitgeber. Dieser verpflichtet sich, bei der Bundesagentur gemeldete Arbeitslose für eine befristete Dauer einzustellen. Der Arbeitgeber ist Träger der Maßnahme, die von der Bundesagentur in Form eines Lohnkostenzuschusses finanziell unterstützt wird.

Die Arbeitgeber der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen können private oder öffentliche Träger sein. Dazu zählen die Gemeinden, Verbände, Vereine, kirchliche Einrichtungen und so genannte Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaften.

ABM-Stellen sind in der Regel auf ein Jahr befristet, nur für über 55- Jährige kann die Beschäftigungsdauer auf bis zu drei Jahre ausgeweitet werden. Seit Januar 2004 sind die ABM-Maßnahmen nicht mehr in erster Linie auf eine Verbesserung der Eingliederungsaussichten ausgerichtet, sondern zielen vor allem auf den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit. Außerdem zahlen ABM-Beschäftigte seitdem keine Beiträge mehr zur Arbeitslosenversicherung. Dies bedeutet, dass aus der Beschäftigung in ABM auch keine neuen Ansprüche mehr auf Arbeitslosengeld entstehen.

Die ABM-Stellen werden von der Bundesagentur zugewiesen. Sie können sich nicht beim Träger direkt bewerben, sondern müssen den Weg über den Arbeitsvermittler oder Arbeitsberater gehen. Bevorzugt werden Arbeitslose, die auf dem offenen Stellenmarkt schwer eine Beschäftigung finden, in eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vermittelt. Zu dieser Gruppe zählen:

  • Arbeitslose ab 55 Jahre
  • Schwerbehinderte
  • Langzeitarbeitslose - Arbeitslose, die länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet sind
  • Arbeitslose, die unter 25 Jahre alt sind und/oder keinen beruflichen Abschluss haben
  • Arbeitslose, denen in absehbarer Zeit weder ein Ausbildungsplatz noch eine Arbeitsstelle vermittelt werden kann
  • Arbeitslose, die von der Bundesagentur für Arbeit als schwer vermittelbar eingestuft wurden, wie beispielsweise Arbeitslose ohne Berufsausbildung mit unzureichenden Deutschkenntnissen

Umschulung

Ein wesentlicher Bereich der beruflichen Fortbildung sind Umschulungsmaßnahmen. Im Laufe einer Umschulung erwerben Sie Kenntnisse und Fähigkeiten, die von Ihrer bisherigen Ausbildung oder Berufstätigkeit abweichen. Die Umschulung soll Sie für eine andere geeignete berufliche Tätigkeit qualifizieren. Es werden nur Umschulungsmaßnahmen gefördert, die je nach Lage des Arbeitsmarktes zweckmäßig sind.

Die Voraussetzungen für eine Förderung im Rahmen einer beruflichen Umschulung sind: mindestens eine dreijährige Berufstätigkeit bei abgeschlossener Berufsausbildung oder mindestens eine sechsjährige Berufstätigkeit ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Von dieser Regelung gibt es wiederum einige Ausnahmen. Die Bundesagentur für Arbeit orientiert sich an den formalen Voraussetzungen, kann jedoch auf Grund der zahlreichen Sonderregelungen von Einzelfall zu Einzelfall neu entscheiden. Beziehen Sie beispielsweise Arbeitslosengeld so wird eine Umschulung meist bewilligt, falls diese zur Beendigung der Arbeitslosigkeit notwendig ist unabhängig davon, wie lange Sie vor der Arbeitslosigkeit beschäftigt waren. Haben Sie bereits die Förderung einer Umschulung oder beruflichen Weiterbildung von der Bundesagentur für Arbeit erhalten, müssen Sie mindestens zwölf Monate einer versicherungspflichtigen Tätigkeit nachgegangen sein, um eine erneute Förderung beanspruchen zu können. Grundsätzlich stimmt die Bundesagentur einer Umschulung nur zu, wenn davon ausgegangen werden kann, dass Sie die Maßnahme auch erfolgreich abschließen.

Ein gesetzlicher Anspruch auf Förderung von Umschulungsmaßnahmen besteht nicht, es ist eine Kann-Leistung. Wird sie bewilligt, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Kosten von Lehrgängen, Lernmitteln und Arbeitskleidung, Fahrten, Unterkunft und den Mehraufwand für Verpflegung und Kinderbetreuung. Für die Dauer der Maßnahme wird dem Umschüler zur Sicherung des Lebensunterhaltes Unterhaltsgeld als Zuschuss gewährt.

Berufliche Weiterbildung

Bevor Sie mit der Weiterbildung loslegen, sollten Sie einen schriftlichen Bescheid der Bundesagentur für Arbeit erhalten haben. Vereinbaren Sie deshalb so früh als möglich einen Termin mit Ihrem Arbeitsberater. Mit ihm besprechen Sie die Möglichkeiten der beruflichen Neuorientierung und Weiterbildung und welche Maßnahme für Sie in Frage kommt, bevor Sie Ihren Antrag stellen, über den die Bundesagentur ja noch vor Beginn der Maßnahme zu entscheiden hat.

Wer sich beruflich weiterbildet, verdient bis zu 12 Prozent mehr als Kollegen, die auf eine entsprechende Weiterbildung verzichten. Das belegt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Grundsätzlich sind Arbeitnehmer offen für neues Wissen, jedoch steigt die Bereitschaft zur Weiterbildung mit der Höhe der Qualifikation. Immerhin nehmen jährlich rund 20 Prozent der Erwerbstätigen und Arbeitslosen an einer Weiterbildung teil - Tendenz steigend.

Zur beruflichen Weiterbildung zählen Maßnahmen, die berufliche Kenntnisse erhalten, erweitern oder der technischen Entwicklung anpassen sowie einen beruflichen Aufstieg ermöglichen. Dies kann das Nachholen eines Schulabschlusses, ein höherer Berufsabschluss, eine Umschulung, ein betriebliches Fort- und Weiterbildungsprogramm sowie ein Sprachkurs, ein Fernlehrgang, eine Rehabilitätionsmaßnahme oder ein Aufbaustudium sein. Doch längst nicht alle Kurse oder Formen der Weiterbildung werden von der Bundesagentur für Arbeit gefördert. Die Maßnahmen werden von öffentlichen und privaten Einrichtungen durchgeführt. Zu den großen Trägern gehören beispielsweise das Berufsfortbildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (bfw) oder die Deutsche Angestellten Akademie (DAA).

Gefördert werden Antragsteller mit und ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Entscheidend ist, dass Sie entweder von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit bedroht oder schon betroffen sind. Antragsteller ohne Berufsausbildung sollten insgesamt mindestens drei Jahre berufstätig gewesen sein oder Berufserfahrung, auch in Form von Praktika oder Ferienjobs, von mindestens sechs Jahren in einem Betrieb nachweisen können. Sie sollten sich rechtzeitig mit der zuständigen Arbeitsagentur in Verbindung setzen, um vor dem Beginn der Maßnahmen eine Entscheidung über die mögliche Förderung zu erhalten.

Die Bundesagentur für Arbeit trägt ganz oder teilweise die Kosten für die Lehrgänge, Fahrten, Verpflegung sowie Lern- und Arbeitsmittel. Zur Sicherung des Lebensunterhaltes kann die Agentur Unterhaltsgeld bewilligen.

Tipps zur Wahl des Weiterbildungsinstitutes

Es ist nicht ganz leicht, sich in der verwirrenden Vielfalt der Angebote verschiedener Weiterbildungsinstitute zurecht zu finden und den passenden Kurs zu wählen. Meist haben die Arbeitsagenturen mehrere ähnliche Offerten unterschiedlicher Träger im Programm, so dass Sie auch hier die Qual der Wahl haben.

Die beste Orientierung für Sie und die Personalverantwortlichen der Unternehmen bieten die Abschlüsse, Zertifikate oder Diplome. Doch Zertifikat ist nicht gleich Zertifikat. Die Schwierigkeit besteht darin, die qualitativ hochwertigen und seriösen Lehrgänge von den fast wertlosen zu unterscheiden. Prüfen Sie im Vorfeld der Weiterbildung, welcher Ihrer favorisierten Lehrgänge mit einem anerkannten Abschluss endet. Im Zweifelsfall sollten Sie sich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HwK) erkundigen.

Den qualitativ höchsten Stellenwert haben staatlich anerkannte Abschlüsse der Fachschulen und der IHK und HwK. Der Zusatz "IHK" oder "HwK" ist quasi ein Gütesiegel für Lehrgänge und Ausbildungen. Die Titel "staatlich anerkannt" oder "staatlich geprüft" sind Bezeichnungen für qualitativ hochwertige nichtakademische Abschlüsse.

Eine weitere Orientierungsmöglichkeit bieten die so genannten Normlehrgänge, vor allem im handwerklichen Bereich, die mit einheitlichen und vergleichbaren Qualifikationsstandards abschließen. Auch die Lehrgänge des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) oder der Berufsverbände sind alle seriös, qualitativ hochwertig und branchenintern bekannt.

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Wenn man einen Partner hat, der Geld verdient, bekommt man überhaupt keine Förderung von der ARGE. Dies ist aber auch bekannt.
Wenn man sich dort meldet, wird man nur als Karteileiche geführt.