Bis Haus, Inventar, Familie und der Hund versichert sind, muss der Schutzbedürftige einen steinigen Weg beschreiten. Dabei ist höchste Vorsicht gerade bei Kapital-Lebensversicherungen angebracht, denn die hohen Provisionen für Abschlüsse locken Versicherungskeiler geradezu an. Ein paar Tipps sollen helfen, die richtige Gesellschaft und die Ihren Bedürfnissen entsprechende Versicherung zu finden.

Berater ist nicht gleich Berater
Es ist entscheidend, wem Sie beim Informationsgespräch vertrauen. Jeder Kunde sollte sich bewusst sein, wie die einzelnen Versicherungsgesellschaften funktionieren, um zu wissen, wem er vertrauen kann.
Versicherungsvertreter
Rund 400 000 Vertreter sind in Deutschland täglich auf der Suche nach neuen Kunden. Die Mehrzahl vertritt nur eine Gesellschaft und vermittelt damit auch nur die Produkte des jeweiligen Auftraggebers. Subjektive Beratung und Schönfärberei bei den Angeboten sind vorprogrammiert. Dies muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Beratung schlecht ist. Trotzdem sollten Sie nicht blind vertrauen: eine Portion gesunde Skepsis kann nie schaden.
Direktversicherungen
Durch Callcenter und Internetauftritte sparen sich diese ein teures Vertriebsnetz. Damit sind meist auch die Abschlussprovisionen niedriger, doch Kunden sollten sich nicht grundsätzlich darauf verlassen. Erst der Vergleich macht Sie sicher. Ein Nachteil bei den Direktversicherern ist auch die eingeschränkte Beratung. Am Telefon oder im Internet werden individuelle Fragen oft nur oberflächlich beantwortet.
Strukturvertriebe
Große Finanzdienstleister vermitteln neben Aktien, Fonds und anderen Geldanlageprodukten auch Versicherungen. Die Aufstiegschancen und das Einkommen der freien Mitarbeiter dieser Vertriebe hängen oft ausschließlich vom Verkaufserfolg ab. Damit sind diese ständig bemüht, Ihnen vor allem teure Produkte wie Kapital-Lebensversicherungen zu verkaufen. Die Vertriebsanfänger werden meist angehalten, die Produkte zuerst in Ihrem Familien- und Freundeskreis an den Mann zu bringen. Oft erweisen Sie damit ihren Freunden und Familienmitglieder eher einen Bärendienst.
Makler
Versicherungsmakler sind keiner Gesellschaft verpflichtet und beraten deshalb objektiver. Zudem bieten Makler auch eigene Versicherungspakete an, die sie mit einzelnen Gesellschaften exklusiv verhandelt haben. Einkünfte erzielt der Makler durch die so genannte Kurtage, die im Grunde der Provision entspricht. Trotzdem kann es zu einer einseitigen Beratung kommen, denn manche Versicherungen bieten Maklern höhere Kurtagen und versüßen ihnen so den Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung bei ihrer Gesellschaft. Auch hier kann eine gesunde Portion Skepsis und ein unabhängiger Vergleich nicht schaden.
Verbraucherzentralen
Eine gute Adresse, um sich über Versicherungen zu informieren, sind die Verbraucherzentralen. Die gerichtlich zugelassenen Experten erhalten ihr Honorar vom Kunden und nicht von einer Gesellschaft. Für eine Erstberatung werden aber zwischen 75 und 150 Euro fällig immer noch günstiger als eine zu teure Lebensversicherung!
Falsche Beratung mit Folgen
Sollte sich ein Beratungsfehler einschleichen und der Versicherungsnehmer zu einem späteren Zeitpunkt deshalb keine Leistung von seiner Assekuranz erhalten, so kann er den Schaden gegenüber dem jeweiligen Berater geltend machen. Versicherungen haften für Beratungsfehler ihrer Mitarbeiter. Makler und die Experten der Verbraucherzentralen haften für sich selbst. Einziger Wehrmutstropfen dabei: Der Kunde oder auch deren Nachfahren müssen beweisen, dass der Beratungsfehler oder der falsche Antrag, welcher einen Ausfall der Versicherungsleistung nach sich zieht, aufgrund eines Beratungsfehlers entstanden ist. Ein schwieriges Unterfangen, denn meist liegen zwischen Abschluss der Versicherung und dem Eintritt des Schadensfalles Jahre. Bei der Beratung ein Protokoll zu führen, welches der Berater am Ende abzeichnet oder ein Zeuge des persönlichen Vertrauens erleichtert die Beweisführung, wenn es zum Streit kommt.
Sieben goldene Regeln für den Versicherungs-Abschluss
- Gute Vorbereitung: Es gibt viel Literatur zu diesem Thema. Auch das Internet ist eine unerschöpfliche Informationsquelle zum Thema Versicherung.
- Fragen Sie nach: Sollten Sie einzelne Vertragsklauseln nicht verstehen, haken Sie nach. Sie sind der Kunde und es ist Ihr Geld. Sie haben auch das Risiko zu tragen, deshalb braucht es Ihnen nicht peinlich sein, wenn Sie etwas nicht verstehen.
- Schriftform ist Pflicht: Mündliche Vereinbarungen oder Versprechen Ihres Beraters sind im Erstfall nichts wert. Alles ist schriftlich festzuhalten, damit es auch als vereinbart gilt.
- Lesen Sie die Bedingungen aufmerksam: Übergehen Sie nicht das Kleingedruckte und vertrauen Sie nicht den Aussagen des Beraters. Bei Versicherungen gilt das Motto: “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”. Setzt Sie der Vertreter unter Zeitdruck, ist besonders großes Misstrauen angebracht.
- Schwindeln Sie nicht beim Ausfüllen der Formulare: Fragen nach früheren Erkrankungen oder Schadensfällen sind wahrheitsgemäß auszufüllen. Die Assekuranzen zahlen im Schadensfalle nicht, wenn Sie ihnen den Schwindel beweisen können!
- Vereinbaren Sie Jahresbeiträge: Das ist deutlich billiger als eine monatliche oder vierteljährliche Zahlung.
- Die Zusage der Versicherung ist entscheidend: Der Vertrag kommt erst dann endgültig zustande, wenn die Assekuranz die Zusage erteilt. Der Kunde ist aber bei Kranken- und Lebensversicherungen bis zu sechs Wochen an den Vertrag gebunden. Nur im Falle eines Widerrufes oder nach Ablauf dieser Frist erlischt diese Bindung.
Der direkte Draht zur Lebensversicherung
Die Versicherungsportale im Internet schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Hoffnungen sind groß, doch noch immer hinkt das Geschäft mit dem Risiko im Netz etwas hinterher. Der Grund: Die Kunden legen bei komplexen Verträgen, wie Versicherungen, noch immer Wert auf eine persönliche Beratung. Doch Kunden sollten nicht darauf verzichten, sich im Internet schlau zu machen. Tipps zur richtigen Absicherung und umfassende Angebotsvergleiche sind mit wenigen Klicks zu haben. Manch große Versicherungsgesellschaft bietet im Internet auch günstigere Konditionen als bei einer persönlichen Beratung an. Einfache Versicherungen wie Hausrat-, Risikoleben- und Autoversicherung lassen sich im Netz gut vergleichen und sogar abschließen. Bei komplizierteren Verträgen, wie bei den Kapital-Lebensversicherungen, ist aber Vorsicht geboten. Durch unterschiedliche Bewertungskriterien führen Vergleiche bei den verschiedenen Portalen auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Deshalb sollten vor Abschluss eines Vertrages immer mehrere Vergleiche bei verschiedenen Netzanbietern durchgeführt werden. Zudem ist es noch nicht möglich eine Versicherung online abzuschließen. Hat man ein passendes Angebot gewählt, schickt der Portalbetreiber die jeweiligen Unterlagen an die Postadresse und der Kunde kann in Ruhe noch einmal die Bedingungen studieren. Die Vertragsunterlagen werden dann wieder per Post an den jeweiligen Vermittler zurückgeschickt.
Tipps für Surfer
Neben den sieben goldenen Regeln sind im Netz noch weitere Dinge unbedingt zu beachten.
- Die Angebote im Internet sind Standardprodukte. Diese müssen nicht unbedingt zu Ihrem Leben passen. Brauchen Sie eine individuelle Lösung, ist ein Makler oder Berater sicher die bessere Adresse.
- Tückische Voreinstellungen: Bei Tarifrechnern haben manche Anbieter bestimmte Zusatzleistungen schon angekreuzt. Klicken Sie nur das an, was Sie wirklich brauchen.
- Sicherheit ist Trumpf: Persönliche Daten oder auch Angaben zur Gesundheit sollten nur über verschlüsselte Internetverbindungen übermittelt werden. Sie wollen doch sicher nicht, dass derart vertrauliche Angaben in die falschen Hände geraten.
- Papier ist unschlagbar: Ist die Versicherung online beantragt, drucken Sie den Antrag aus. Das erleichtert anschließend den Vergleich mit den zugesandten Unterlagen und beugt Missverständnissen vor. Auch Emails und elektronische Bestätigungen von Schadensmeldungen sind auf dem Papier besser aufgehoben. Vor Gericht fällt damit der Beweis entscheidend leichter!









0 Kommentare