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Wort des Monats Oktober 2006

Prekariat

Ganz so neu, wie es in der momentanen Debatte über Unterschichten, Armut und Arbeitslosigkeit erscheint, ist der Begriff „Prekariat“ nicht. Neu ist eher seine Verwendung.

Beschrieb "Prekariat" einst Menschen, die in nicht standardisierten Beschäftigungsverhältnissen arbeiteten, wird der Begriff heute meist eingesetzt, um das politisch so unkorrekte Wort „Unterschicht“ vermeiden zu können. Den welcher Meinungsträger, der sich öffentlich äußern darf und dazu auch noch wahrgenommen wird, möchte sich schon auf eine Schichtendebatte einlassen, bei der man ja nur verlieren kann. Mal von Harald Schmidt abgesehen, der die allgegenwärtige Diskussion schon letztes Jahr durch seinen zynischen Einwurf des „Unterschichtenfernsehens“ angeregt hat. Galten also vor nicht allzu langer Zeit etwa wissenschaftliche Mitarbeiter an den Universitäten als Prekariat, da sie fast immer mit Zeitverträgen abgespeist wurden, so stellt man sich heute – zumindest unter dem „abgehängten Prekariat“ – schlecht ausgebildete Gelegenheitsarbeiter vor, die am Existenzminimum leben.

 

Richtig ist, dass sich die Definition des Begriffs ändern muss, so wie sich die Lebensumstände geändert haben. So haben heute eben sehr viele Angestellte ein prekäres Anstellungsverhältnis, wie Siemens / BenQ erst kürzlich eindrucksvoll bewiesen haben und ein unbefristeter Vertrag ist auch leider nicht mehr Standard.

 

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von Dietmar Hefendehl, wissen.de
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