Traumziel Yucatán

© L. Scheitzach
Weiße Strände, das Türkisblau der Karibik, spanische Kolonialstädte und geheimnisvolle Maya-Pyramiden im schier endlosen Dschungel – auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán gibt es eine Menge zu entdecken.
Cancún: Paradies aus der Retorte

Cancún (© 2000, Photos To Go)
Startpunkt für die meisten Yucatán-Reisenden ist der internationale Flughafen von Cancún – einer Stadt, in der Träume vom All-Inclusive-Paradies auf Erden wahr werden.
Die auf einer Halbinsel gelegene Retortenstadt, eine Neugründung aus dem Jahr 1974, wartet mit makellosen Stränden und den luxuriösesten Hotels des Landes auf – vom "wahren" Mexiko wird man allerdings bei einem Urlaub in dem ganz auf den US-amerikanischen Geschmack (und Geldbeutel) zugeschnittenen Mega-Badeort nicht allzu viel mitbekommen.
Playa del Carmen: Relaxen an der ’Riviera Maya’

Strand von Playa del Carmen
Das 80 Kilometer weiter südlich an der sogenannten Riviera Maya gelegene, wesentlich kleinere Playa del Carmen hingegen bietet eine angenehme Mischung aus Komfort und mexikanischer Beschaulichkeit. Die Strände sind hier genauso traumhaft wie in Cancún, die Atmosphäre jedoch weit weniger kommerziell und auch das Preisniveau wesentlich niedriger.
Einen Tag in Playa del Carmen beginnt man am besten mit einem typisch mexikanischen Frühstück mit Kaffee, Eiern und Tortillas, z.B. im traditionsreichen Fischlokal Tarraya direkt am Strand.

Traumhafte Unterwasserwelt vor Cozumel (© 2000, Photos To Go)
Später bietet sich ein Sprung in das in allen Blautönen schimmernde karibische Meer an – oder auch ein längerer Blick unter Wasser, schließlich gehört Playa del Carmen zusammen mit der gleich vis-a-vis liegenden Insel Cozumel zu den besten Tauchrevieren der Welt. Zahlreiche Tauchschulen sind vor Ort jederzeit zu Diensten, um auch Anfängern den Weg in die wundersame tropische Unterwasserwelt zu erleichtern.

Kreuzfahrtschiff vor Playa del Carmen (© L. Scheitzach)
Die eher kleinen, oft von Europäern geführten Hotels in Playa del Carmen liegen entweder direkt am Strand oder entlang der stets belebten Fußgängerzone Quinta Avenida. Hier finden sich auch die meisten Restaurants und Bars – beliebte Treffpunkte, um nach Sonnenuntergang bei einer Margarita und ein paar Tacos den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.
Tulum: Ruinen in Bestlage
Playa del Carmen ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Exkursionen in die Welt der Maya – Ureinwohner und ehemalige Herren Yucatáns, bis 1528 die Spanier die Halbinsel eroberten.

Spektakulär: Ruinen von Tulum (© L. Scheitzach)
Eine halbe Autostunde südlich von Playa liegen auf einer Klippe über dem karibischen Meer die Ruinen der Maya-Stadt Tulum – ein besonders in den Morgen- und Abendstunden bezaubernder Anblick.

Einsamer Strand bei Tulum (© L. Scheitzach)
In unmittelbarer Nachbarschaft der Ruinen gibt es einige wunderschöne kleine Badebuchten und etwas weiter südlich endlose weiße Sandstrände, die Rucksack-Touristen aus aller Welt für sich entdeckt haben. Wer auf Komfort wenig, auf Ruhe und Abgeschiedenheit aber viel Wert legt, der kann sich für wenig Geld in einer der direkt am Meer gelegenen palmgedeckten Hütten einquartieren und das süße Nichtstun genießen.
Cobá: Entdeckungen im Dschungel
Wer noch tiefer in die Welt der alten Maya eintauchen will, muss die Karibikküste verlassen und ins Landesinnere Yucatáns vorstoßen.

Mitten im Dschungel: Cobá (© L. Scheitzach)
Auf dem Weg von Tulum zur bekanntesten Maya-Stätte Chichén Itzá bietet sich ein Zwischenstopp im Dorf Cobá an. Hier liegt umgeben von tropischem Urwald eine erst wenig erforschte Maya-Stadt, die möglicherweise einmal die größte in Yucatán überhaupt war.

Cobá: Blick von der Großen Pyramide (© L. Scheitzach)
In Cobá sind die Ruinen zwar weniger gut erhalten als andernorts, dafür beeindruckt aber ihre weltferne Lage mitten im endlosen Regenwald. Besonders faszinierend ist hier der Blick von Yucatáns höchster Pyramide, die wie eine felsige Insel einsam aus dem grünen Meer des von Jaguaren durchstreiften Dschungels ragt.
Chichén Itzá: Schlangen und Menschenopfer
Ein Muss auf jeder Yucatán-Reise ist das etwa drei Stunden Fahrt von Tulum entfernt gelegene Chichén Itzá, das zwischen 500 und 1500 n. Chr. eine bedeutende Metropole war – zunächst von den Maya, dann von aus dem mexikanischen Hochland eingewanderten Tolteken besiedelt.

El Castillo (© L. Scheitzach)
Das imposanteste Bauwerk hier ist auch eines der Wahrzeichen Mexikos überhaupt: Die El Castillo genannte Pyramide des Schlangengottes Kukulcán, deren 4 Seiten mit ihren je 91 Stufen zusammen mit dem Tempel auf der oberen Plattform die 365 Tage des Sonnenjahres symbolisieren.
Zweimal im Jahr bietet El Castillo ein besonders eindrucksvolles Schauspiel: Am 21. März und 23. September, den Tagen der Tag- und Nacht-Gleiche, windet sich eine Schlange aus Licht und Schatten die Treppen der Pyramide herunter.

Im Innern der Pyramide (© 2000, Photos To Go)
Noch mysteriöser ist das Innere der Pyramide: Eine enge, steile Treppe führt hinauf zu einer in 17 Meter Höhe gelegenen Geheimkammer. In ihr befinden sich ein Jaguar-Thron aus rotem Holz sowie eine Skulptur des Regengottes Chac-Mool -- ein Altar zur Aufnahme wahrscheinlich auch menschlicher Opfer, mit denen die Maya ihre Götter gnädig stimmen wollten.
Cenote Ik-Kil: Erfrischung im Natur-Pool

Cenote Ik-Kil (© L. Scheitzach)
Etwas außerhalb von Chichén Itzá, in unmittelbarer Nähe des sehr empfehlenswerten Hotels Dolores Alba, findet sich eine weitere Yucatán-typische Sehenswürdigkeit: Die Cenote Ik-Kil – eines der vielen natürlich entstandenen, zisternenartigen Süßwasser-Becken im Kalksteinplateau der ansonsten fast völlig fluss- und seenlosen Halbinsel. Dieser kreisrunde natürliche Swimming-Pool bietet mit seinen lianenüberwachsenen Felswänden ein fantastisches Bild – und an heißen Tagen die Gelegenheit zu einem erfrischenden Bad im glasklaren Wasser.
Mérida: Die "Weiße Stadt"

Koloniales Erbe in Mérida: Casa de Montejo (© L. Scheitzach)
Noch zwei Autostunden weiter westlich liegt Mérida, die einzige wirkliche Großstadt auf der Halbinsel und gleichzeitig eine der ältesten Städte Mexikos. Die wegen ihrer Kalkstein-Architektur auch die "Weiße Stadt" genannte Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán bietet mit ihren Kolonialbauten und ihrer wenig touristischen Atmosphäre ein ideales Kontrastprogramm zu den Badeorten an der Karibikküste.

Kathedrale von Mérida (© L. Scheitzach)
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Méridas gruppieren sich um die großzügige Plaza Mayor, die mit ihrem schattigen Baumbestand ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen ist. Hier steht auch die auf einem von den Spaniern zerstörten Maya-Tempel in den Jahren von 1561-98 errichtete Kathedrale, die älteste auf dem nordamerikanischen Festland.

Kulturkrieg: Spanischer Bischof de Landa verbrennt Maya-Statuen (© L. Scheitzach)
Sehenswert ist auch der klassizistische Gouverneurspalast Palacio del Gobierno, der wie in vielen Städten des Landes mit überdimensionalen Wandgemälden zur häufig blutigen mexikanischen Geschichte ausgeschmückt ist.Die monumentalen Darstellungen lassen die Vergangenheit Yucatáns lebendig werden: Die mythische Entstehung des Volkes der Maya aus einem Maiskolben findet sich hier ebenso wie die Bücherverbrennung durch spanische Missionare und der "Krieg der Kasten" – ein erfolgloser Aufstand der Maya gegen die mexikanische Zentralgewalt in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Verblichene Pracht am Paseo de Montejo (© L. Scheitzach)
Interessante Einblicke in das Leben der oberen Zehntausend Méridas lassen sich bei einem Spaziergang auf dem Paseo de Montejo gewinnen, einem breiten, von historischen Palästen und Straßencafés gesäumten Boulevard nördlich des Zentrums. Hier hatten sich um die Jahrhundertwende die neureichen Sisal-Barone protzige architektonische Denkmäler gesetzt, und auch heute noch ist das Viertel um den Paseo de Montejo die erste Adresse für Méridas Oberschicht.
Am Paseo liegt auch der Palacio Canton mit dem Museo de Antropología, das eine interessante Sammlung von Maya-Kunstwerken beherbergt.
Uxmal: Die Pyramide des Zauberers

Uxmal: Pyramide des Zauberers (© L. Scheitzach)
Von Mérida aus sollte man unbedingt einen Ausflug zu den nur 80 Kilometer südlich gelegenen Ruinen von Uxmal unternehmen. Im Gegensatz zu Chichén Itzá war die Stadt eine reine Maya-Gründung aus dem 6.-9. Jahrhundert. Das faszinierendste Bauwerk hier ist die eigentümliche ovale, 39 Meter hohe Pyramide des Zauberers.

Cuadrángolo de las Monjas (© L. Scheitzach)
Von ihrer Spitze hat man einen guten Überblick über den Rest des Ausgrabungsgebietes mit dem gut erhaltenen Komplex des Cuadrángolo de las Monjas, dem reich verzierten Gouverneurspalast und der erst teilweise restaurierten Großen Pyramide.
Celestún: Im Reich der Flamingos

Flamingokolonie in Celestún (© Hotel Eco Paraiso)
Wem nach so viel alter Geschichte eher wieder nach einem richtigen Naturerlebnis ist, der sollte noch einen Abstecher in das 90 km westlich von Mérida an der Westküste Yucatáns gelegene Fischerdorf Celestún machen. Der Ort am Golf von Mexiko ist die Heimat einer der größten Flamingo-Kolonien des Landes. Eine Reihe von Dschungel-Exkursionen bietet Gelegenheit, sich den Tausenden rosaroter Wasservögel im Boot zu nähern -- ein unvergesslicher Anblick und ein geeigneter Abschluß für eine Tour quer durch Yucatán.
Übrigens...

© L. Scheitzach
Die Bezeichnung "Yucatán" geht auf ein Missverständnis zurück. In der Sprache der Maya heißt die Halbinsel eigentlich "Mayab", "Land der Maya". Als aber die ersten spanischen Eroberer wissen wollten, wie die Einheimischen denn ihr Land nannten, antworteten diese: "Yucatán." Was die Spanier von nun an für den Landesnamen hielten, heißt jedoch übersetzt: "Wir verstehen Euch nicht."
Praktische Hinweise

Anreise

Condor bietet von vielen deutschen Flughäfen günstige Nonstop-Flüge nach Cancún an. Hin- und Rückflug ab 400 €.
Einreise
Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen zur Einreise nach Mexiko lediglich einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass sowie eine bei der Ankunft am Flughafen erhältliche Touristenkarte.
Hotel-Tipps
Cancún
Unter den Luxus-Resorts eines der schönsten: Das pyramidenförmige Hotel Meliá Cancún mit einer atemberaubenden Lobby voller tropischer Pflanzen. Internet: www.novenet.com.mx/meliacancun. Tel. 0052-9-885-1160.
Playa del Carmen
Hotel Jungla Caribe: Ein individuelles, günstiges und sehr stilvolles Hotel direkt an der Quinta Avenida mit palmenbewachsenem Innenhof und Pool. Doppelzimmer ab ca. 40 €. Internet: www.jungla-caribe.com. Tel./Fax 0052-9-873-0650. Adresse: 5a Avenida/Calle 8.
Chichén Itzá
Hotel Dolores Alba Chichén Itzá: Sehr angenehmes Hotel, 3 km östlich der Ruinen. 40 Zimmer im Bungalow-Stil, zwei schöne Swimming-Pools. Doppelzimmer ca. 30 €. www.doloresalba.com. Tel. 0052-9-928-5650, Fax 928-3163.
Mérida
Hotel Dolores Alba Mérida. Frisch renoviertes Hotel mit großzügigen Zimmern, teilweise mit Klimaanlage, gruppiert um zwei schöne Innenhöfe mit Pool. Doppelzimmer 30 bis 40 €. Internet: www.doloresalba.com. Tel. 0052-9-921-3745. Adresse: Calle 63 No. 464 (zwischen Calle 52 u. 54).
Gran Hotel. Ehrwürdiges Haus mit dem Charme der Jahrhundertwende. Renovierte Zimmer mit Klimaanlage. Ideale Lage mitten im Zentrum am Parque Hidalgo. Doppelzimmer 35 bis 45 €. Tel. 0052-9-924-7730, Fax 924-7622. E-mail: granh@sureste.com. Adresse: Calle 60 No. 496.
Celestún
Hotel Eco Paraiso. Öko-Hotel der gehobenen Kategorie. 15 geräumige Bungalows mit Blick auf den Golf von Mexiko. Süßwasserpool und tropischer Garten. Bietet Naturexkursionen an. Internet: www.mexonline.com/yucatan/ecopara2.htm. Tel. 0052-9-916-2100 od. 2060. Fax 0052-9-916-2111. Adresse: Km. 10 De la Antigua Carretera a Sisal.
Verkehrsmittel
Am flexibelsten ist man natürlich mit einem Mietauto. Bei Vorausbuchung in Deutschland ab 380 Euro/Woche, z.B. bei Holiday Autos (www.holidayautos.de)
Günstiger kommt man mit den in der Regel sehr komfortablen Linienbussen herum. Preisbeispiel: Mérida-Cancún-Playa del Carmen (ca. 380 km) im 1.-Klasse-Bus etwa 20 €.
Buch-Tipps
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