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Zwei Staaten entstehen

Indien und Pakistan werden unabhängig

Mit Salutschüssen, läutenden Tempelglocken und krachenden Feuerwerkskörpern feiert Indien am 15. August 1947 die Befreiung von der über 190 Jahre dauernden britischen Kolonialherrschaft. Indien, mit mehr als 320 Mio. Einwohnern, mehr als 45 Volksstämmen und über 2000 Sprachen, wird fortan die Gestalt von zwei selbständigen Staaten haben. Allerdings bleibt König Georg VI. von Großbritannien Staatsoberhaupt bis 1949: Dann erst erklärt sich Indien zur Republik.

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Indischer Ministerpräsident Nehru
Die wehende Flagge des freien Indiens über sich, hält der indische Ministerpräsident Nehru am 24. August 1949 in Neu Delhi eine an die vor ihm versammelte Menschenmenge gerichtete Rede. Der zweite Jahrestag der indischen Unabhängigkeit wird gefeiert. In der Mitte sieht man den Verteidigungsminister Baldev Singh.
Corbis-Bettmann, New York
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Jawaharlal Nehru
Der indische Politiker Jawaharla "Pandit" Nehru (1889-1964). Von 1947 bis 1964 war er Ministerpräsident und Außenminister, zeitweise auch Verteidigungsminister und Vorsitzender der konstituierenden Verfassungsversammlung. Nehru gewann durch Verhandlungen die französischen Enklaven in Indien zurück und ließ 1961 die portugiesischen Kolonien Goa, Daman und Diu besetzen. Er verfolgte eine Politik des blockfreien Neutralismus und war einer der führenden Repräsentanten der Dritten Welt.
Corbis-Bettmann, New York
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Lord Louis Mountbatten und Lady Mountbatten
Lord Louis Mountbatten, der letzte Vizekönig von Britisch-Indien, und Lady Mountbatten während der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten Pakistans am 20. August 1947. Die Übergabe der politischen Verantwortlichkeit des neugebildeten Pakistans wurde dem Generalgouverneur Mohammed Ali Jinnah übertragen.
Corbis-Bettmann, New York

Mit der Unabhängigkeit findet auch die Teilung in einen Hindustaat, die Indische Union, und einen Moslemstaat, Pakistan, statt. Indiens erster Ministerpräsident wird Jawaharlal Nehru, Pakistan wird von Mohammed Ali Jinnah geführt. Der indische Freiheitskämpfer Mohandas Karamchand, genannt "Mahatma" Gandhi, hatte sich jahrelang für die Unabhängigkeit aber gegen die Teilung des Subkontinents eingesetzt.

Unglückliche geografische Teilung

Indischer Ministerpräsident Nehru

Die wehende Flagge des freien Indiens über sich, hält der indische Ministerpräsident Nehru am 24. August 1949 in Neu Delhi eine an die vor ihm versammelte Menschenmenge gerichtete Rede. Der zweite Jahrestag der indischen Unabhängigkeit wird gefeiert. In der Mitte sieht man den Verteidigungsminister Baldev Singh.

Eines der überragenden Probleme, das auf die neuen Staaten des indischen Subkontinents zukommt, liegt in der friedlichen Integration der Minderheiten. Die Frage, ob auch die Moslems zu den Minderheiten in Indien gehören, berührt die Grundlage der Teilung. Der Führer der Hindu-Partei, Nehru, vertritt die Meinung, dass mit der Bildung von Pakistan nur unwesentliche Teile aus Indien ausgeschieden seien und dass die Indische Union das wahre Indien vertrete. Jinnah bleibt dagegen bei seiner These von zwei Völkern: "Hindus und Moslems sind zwei Nationen, die sich in allen wesentlichen Dingen des Lebens grundsätzlich voneinander unterscheiden." Das größte Problem bei der Teilung bereiten die etwa sechs Millionen Sikhs. Die Mitglieder dieser im 15. Jahrhundert gebildeten Gemeinschaft, die anfangs eine Verbindung zwischen Hinduismus und Islam herstellen wollten, aber schließlich zu einer eigenständigen politischen und religiösen Kraft wurde, sind inzwischen von Abneigung und Misstrauen gegenüber den Moslems geprägt. Durch eine unglückliche geografische Verteilung im Pandschab sind bei jeder Art von Teilung große Teile der Sikhs als Minderheit in einen fremden Staat einzugliedern.

Wirtschaftliche Folgen

Die Teilung bietet auch wirtschaftlich neues Konfliktpotential. Denn mit der politischen Teilung Indiens ist auch die Wirtschaft des Landes in zwei autarke Bereiche zerfallen. Während Pakistan als reines Agrarland zunächst keine Voraussetzungen zum Aufbau einer Industrie hat, verfügt die Indische Union über große Vorkommen an Bodenschätzen sowie eine noch in den Anfängen steckende, für das Land aber wichtige Metallindustrie. In Pakistan war die Wirtschaft zu einem großen Teil in den Händen der von den Moslems verfolgten und geflohenen Hindus.

Religiöse Konflikte eskalieren

Jawaharlal Nehru

Der indische Politiker Jawaharla "Pandit" Nehru (1889-1964). Von 1947 bis 1964 war er Ministerpräsident und Außenminister, zeitweise auch Verteidigungsminister und Vorsitzender der konstituierenden Verfassungsversammlung. Nehru gewann durch Verhandlungen die französischen Enklaven in Indien zurück und ließ 1961 die portugiesischen Kolonien Goa, Daman und Diu besetzen. Er verfolgte eine Politik des blockfreien Neutralismus und war einer der führenden Repräsentanten der Dritten Welt.

Die religiösen Unterschiede, die bisher im gemeinsamen Kampf um die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht bereits zu der Teilung des entstehenden indischen Reiches geführt haben, brechen nun nach der Bildung des Moslem-Staates Pakistan und dem Entstehen der Indischen Union mit einer Hindu-Mehrheit mit aller Gewalt hervor. Bereits fünf Tage nach Erklärung der Unabhängigkeit Indiens kommt es zu schwersten religiösen Kämpfen, die mit Fanatismus und Brutalität ausgetragen werden. Zwar war von den Regierungen garantiert worden, dass der Austausch der religiösen Minderheiten zwischen den beiden neuen Staaten Indien und Pakistan friedlich durchgeführt wird - aber selbst die beschwichtigenden Aufrufe Mahatma Gandhis, die religiösen Gegensätze zu überwinden, können das blutige Morden nicht verhindern. Hauptschauplatz der Unruhen ist die Nordwest-Provinz, der Pandschab. Flüchtlingskolonnen werden von Horden, die oft Tausende zählen, angegriffen. Ein mit 4500 Moslem-Flüchtlingen überfüllter Zug nach Pakistan wird bei Amritsar von bewaffneten Sikhs überfallen, die Insassen getötet. Als Moslem-Truppen die Leichen später aus dem Zug holen, revanchieren sie sich. Aus einem anderen Zug werden 340 Hindu-Flüchtlinge ermordet.

Der Kaschmir-Konflikt

Lord Louis Mountbatten und Lady Mountbatten

Lord Louis Mountbatten, der letzte Vizekönig von Britisch-Indien, und Lady Mountbatten während der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten Pakistans am 20. August 1947. Die Übergabe der politischen Verantwortlichkeit des neugebildeten Pakistans wurde dem Generalgouverneur Mohammed Ali Jinnah übertragen.

Nach der Teilung Britisch-Indiens flüchten insgesamt 7-8 Millionen Hindus aus Pakistan nach Indien und etwa ebenso viele Muslime von Indien nach Pakistan. Mehr als 500 000 Menschen verlieren dabei ihr Leben. Zudem wird Kaschmir zum Streitobjekt, weil der hinduistische Raja Hari Singh den Anschluss des überwiegend islamischen Landes an die Indische Union erklärte. In den Jahren 1947 bis 1949, 1965, 1971 und 1999 eskaliert der Kaschmir-Konflikt erneut. Der Konflikt ist nach wie vor ungelöst und bis heute kommt es in Kaschmir zu kämpferischen Auseinandersetzungen. Brisant ist, dass beide Länder über Mittel- und Kurzstreckenraketen verfügen, die mit nuklearen Sprengköpfen ausgerüstet werden können.

 

 

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