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70 Jahre Urteilsverkündung

Nürnberger Prozess: Für Gerechtigkeit nach dem Krieg

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Nürnberger Prozess, Verhandlung gegen Ernst Kaltenbrunner
Verhandlung gegen Gestapochef Ernst Kaltenbrunner. An der Wand eine Tafel zur Organisationsstruktur von Gestapo und SD.
Filmszenen aus dem Krieg

Dabei kommen auch Augenzeugen zu Wort und es werden schockierende Filmaufnahmen aus dem Krieg gezeigt: Massenerschießungen, Folterungen und Aufnahmen von den Zuständen in den Konzentrationslagern. Die Strategie wirkt: Angesichts der grausigen Szenen bröckelt bei manch einem Angeklagten die Fassade. So soll der Generalgouverneur von Polen, Hans Frank, nach einer solchen Konfrontation in seiner Zelle angefangen haben zu weinen.

Nicht nur bei den Kriegsverbrechern will Jackson mit den Aufnahmen etwas bewirken. Sie sollen auch den deutschen Bürgern vor Augen führen, welche Schreckenstaten die Nationalsozialisten zu verantworten haben. Auch grundsätzlich wollen die Alliierten mit dem Prozess das deutsche Volk erreichen: Sie zeigen, dass sie nicht ihnen als Kollektiv die Schuld für die Verbrechen Nazi-Deutschlands geben – sondern einzelnen Handelnden. Zudem führen sie der gerade erst von der Diktatur befreiten Nation vor, wie eine Demokratie funktioniert.

Das Urteil

Am Ende eines langatmigen Prozesses verkünden die Richter am 30. September und 1. Oktober 1946 die Urteile: Elf der Angeklagten werden zum Tode verurteilt, sieben erhalten lebenslange Haftstrafen – darunter auch der einstige Stellvertreter Hitlers, Rudolf Heß. Er entgeht dem Todesurteil nur, weil er sich vor Gericht verwirrt gezeigt hat und für nicht verhandlungsfähig erklärt wird. Freigesprochen werden Hjalmar Schacht, Hans Fritzsche und Franz von Papen, weil eine Schuld bei ihnen nicht nachgewiesen werden kann.

Der Hauptprozess ist damit beendet. Allerdings werden in Nürnberg noch bis 1949 weitere Prozesse gegen deutsche Ärzte, Juristen, Industrielle, SS- und Polizeiführer, Militärs, Beamte und Diplomaten geführt. Diese finden wegen des beginnenden Kalten Krieges jedoch nicht mehr vor dem Internationalen Militärgerichtshof statt, sondern vor US-amerikanischen Militärgerichten. Von 177 Angeklagten werden bei diesen Folgeprozessen 142 zu Haftstrafen oder zum Tode verurteilt.

Ostbau des Nürnberger Justizpalastes
Nürnberger Justizpalast

Im Ostbau befindet sich der Saal 600, in dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und die Nachfolgeprozesse stattfanden.

Von Nürnberg nach Den Haag

Bis wieder ein ähnlicher Prozess wie der Nürnberger stattfand, dauerte es lange – und das obwohl die Anlässe nicht gefehlt hätten und sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen bereits Ende 1946 zur allgemeinen Gültigkeit der Nürnberger Prinzipien bekannte. Trotzdem hatte das damalige Verfahren maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Völkerrechts.

So rief der UN-Sicherheit nach dem Vorbild des nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichteten Internationalen Militärgerichtshofs 1993 einen Strafgerichtshof im niederländischen Den Haag ins Leben, der sich mit Verletzungen des humanitären Rechts im früheren Jugoslawien befassen sollte. 1994 folgte das Rwanda-Tribunal in Tansania zur Untersuchung des von den Hutu-Milizen begangenen Völkermords an rund einer Million Menschen. Den ständigen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gibt es seit 2002.

DAL, 29.09.2016
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