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Bedrohte Sprachen

Teil I: Zwerg- und Minderheitensprachen

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Wer oder was ist schuld am Ernst der Lage? “Die Weltmacht der englischen Sprache!“ werden manche Sprachkritiker sofort schreien. Ein Körnchen Wahrheit steckt auch in dieser pauschalen Aussage. Nicht, dass fast alle Sprachen vom Englischen verdrängt würden. In Australien, wie wir später noch sehen werden, ist das zwar wirklich der Fall, nicht aber auf allen Kontinenten. Wahr ist jedoch, dass immer weniger dominante Sprachen immer mehr Druck auf andere ausüben. Die dominanteste davon ist sicher die Weltsprache Englisch. Manch einer geht sogar so weit, das Aussterben der europäischen Sprachen zu befürchten. So unkt der ZEIT-Redakteur Dieter E. Zimmer in seinem Buch “Deutsch und anders“ provokant, das Deutsche sei womöglich bald nicht mehr zu retten, wenn die Kids nur noch zwischen Reality-Shows und MTV herumzappen.
Auch wer es nicht so eng sieht und sich ums Deutsche noch keine ernsthaften Gedanken macht, muss sich eines vor Augen halten: vorsichtig geschätzt wird es - trotz aller Gegenmaßnahmen - ein Drittel aller heutigen Sprachen in hundert Jahren nicht mehr geben. Was geht uns das an? Sehr viel, wie im nächsten Kapitel deutlich wird.

Sprachensterben - nicht unser Bier?

Warum sollten wir uns um bedrohte Sprachen kümmern und sie nicht einfach in aller Seelenruhe dahinscheiden lassen? - Mal ganz abgesehen von der allgemeinen Verpflichtung, das Weltkulturerbe zu erhalten, gibt es zwingende Gründe dafür. Mit dem Tod einer Sprache gehen auch andere Verluste Hand in Hand. Über Jahrhunderte angesammeltes Know-how zum Beispiel. Die “Letzten ihrer Art“ sind auch die letzte Möglichkeit, eine Ahnung von den Kulturen zu bekommen, die mit den Sprachen in Vergessenheit geraten werden. Was wussten diese Kulturen über die Welt? Wie gingen sie mit ihr um, wie konnten sie Probleme bewältigen, welche andersartigen Werkzeuge besaßen sie und und und...
Der Schlüssel zur Antwort auf diese Fragen ist häufig in der Sprache zu finden. Angesichts der Probleme - ob ökologischer, sozialer oder anderer Art - mit denen unsere moderne Gesellschaft jetzt schon zu kämpfen hat, sollten wir diesen Schlüssel nicht leichtfertig wegwerfen. Man muss nicht hellsichtig sein, um vorauszusehen, dass wir das Wissen anderer Kulturen um den Wert ihrer natürlichen Umwelt in Zukunft noch gut brauchen können.

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