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DATEN DER WELTGESCHICHTE
Berliner Mauer: Fall 1989
Berliner Mauer: Fall 1989
Nach 28 Jahren fällt die Mauer
Mit der Öffnung der DDR-Grenze zum Westen beginnt für die Menschen in beiden Teilen Deutschlands eine neue Ära. Mauer und Stacheldraht trennen sie nicht mehr. Der SED-Chef von Ost-Berlin, Günter Schabowski, verkündet in einer vom DDR-Fernsehen übertragenen Pressekonferenz um 18. 57 Uhr fast beiläufig den Beschluss des DDR-Ministerrates, wonach DDR-Bürger ohne besondere Voraussetzungen ins Ausland, also auch nach West-Berlin und in die Bundesrepublik, ausreisen dürfen. Die Nachricht, die Reisefreiheit und letztlich den Fall der Mauer bedeutet, schlägt in aller Welt wie eine Bombe ein. Eine unüberschaubare Menge von DDR-Bürgern überschwemmt die Kontrollstellen. Botschaftsflüchtlinge: Seit August 1989 haben Fluchtbewegungen über ausländische Botschaften ständig zugenommen. Die Situation in den bundesdeutschen Botschaften in Warschau und Prag hatte sich im September dramatisch zugespitzt. Die DDR-Bürger, die zu Tausenden über den Zaun in den Garten der Prager Botschaft geflüchtet waren, konnten nur notdürftig in Zelten untergebracht werden. Am 30. September überbrachte Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher die bejubelte Nachricht von der in Verhandlungen mit Prag und Ost-Berlin erreichten Ausreiseerlaubnis. Noch in der Nacht beförderten Sonderzüge der DDR-Reichsbahn über 6000 Menschen in die Bundesrepublik Deutschland. Massendemonstration: Bei der größten Kundgebung in der Geschichte der DDR forderten am 4. November auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz rd. 1 Mio. Menschen u. a. freie Wahlen, Meinungsfreiheit, die Abschaffung des Machtmonopols der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), den Rücktritt der Regierung und die Zulassung von Oppositionsgruppen. Das DDR-Fernsehen sendete unangekündigt eine dreistündige Direktübertragung. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die DDR-Bürger das Klima der Angst vor politischer Verfolgung überwunden haben und voller Entschlossenheit eine Reform des bestehenden Staatswesens verlangen. Das Thema Wiedervereinigung wurde auf Transparenten und in Reden nicht aufgegriffen. Auf der Abschlusskundgebung sprachen viele prominente Persönlichkeiten und Vertreter der Opposition wie Christa Wolf, Stefan Heym, Christoph Hein, Steffi Spira und der Pfarrer Friedrich Schorlemmer. Auch kamen führende Repräsentanten des Systems zu Wort. Der ehemalige Geheimdienstchef Markus Wolf und Günter Schabowski wurden jedoch durch Buhrufe und Pfeifkonzerte mehrfach am Weiterreden gehindert. DDR-Regierungswechsel: Unter dem Druck der Ausreisewelle und der sog. Leipziger Montagsdemonstrationen tritt Erich Honecker am 18. Oktober nach 18-jähriger Amtszeit "aus gesundheitlichen Gründen" als SED-Generalsekretär zurück. Sein Nachfolger wird Politbüromitglied Egon Krenz, der am 24. Oktober auch das Amt des Staatsratsvorsitzenden übernimmt. Die Entscheidung für Egon Krenz wird in der DDR mit Enttäuschung quittiert, da der 54-Jährige ehemalige FDJ-Chef innerhalb der SED eher den politischen Hardlinern zugerechnet wird. Insbesondere der Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989, für deren Organisation er zuständig war, und die Verteidigung des Massakers in Peking belasten ihn. Nach seinem Amtsantritt zeigte sich Krenz jedoch sichtlich um Reformen und Dialogbereitschaft bemüht. Am 8. November, dem Tag vor der Maueröffnung, tritt das Politbüro der SED geschlossen zurück. Freudentaumel: Unter dem Ansturm der Menschen öffnen sich um 23.14 Uhr in Berlin die Schlagbäume. Tausende DDR-Bürger strömen in den Westen. Sie werden von West-Berlinern mit Sekt und Jubel empfangen. An den Sektorenübergängen spielen sich bewegende Szenen ab. Fremde fallen sich weinend um den Hals. Nach einer durchfeierten Nacht hält der Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper (SPD), eine Rede, in der er formuliert: "Gestern Nacht war das deutsche Volk das glücklichste Volk auf der Welt." Zukunft offen: Mit dem Fall der Mauer und den tiefgreifenden Politischen Veränderungen in der DDR stellt sich die Frage nach der Gestaltung einer gemeinsamen deutschen Zukunft. Dazu gibt es - in Ost und West - gegensätzliche Vorstellungen. Während die einen die Eigenstaatlichkeit der DDR aufrechterhalten wollen, mehren sich zum Jahresende die Stimmen derjenigen, die ein "einig Vaterland", d. h. die Wiedervereinigung, fordern.
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