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Umwelt: Erhalten statt zerstören

Zerstört der Mensch die Erde?

Die Erde wird der Mensch nicht zerstören können, aber der viel zitierte »Raubbau an der Natur« hat im vergangenen Jahrhundert bereits zu einer zunehmenden Zerstörung der Umwelt geführt.

Die Auswirkungen eines bedenkenlosen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen werden zunehmend spür- und sichtbar. Luft, Wasser und Boden galten lange Zeit als immer und unendlich verfügbare Güter. Daher wurden sie als »billig« und wenig schützenswert angesehen. Ihre zunehmende Verschmutzung hat jedoch zur Umkehr der Bewertung und zu öffentlicher Beachtung geführt.

Wo litten die Menschen zuerst an schlechter Luft?

In England. Bereits im frühen 19. Jahrhundert sammelten sich über den dortigen frühindustriellen Zentren Luftschadstoffe wie Kohlenmonoxid, Blei- und Stickoxide sowie Schwefeldioxid in hoher Konzentration an. Hielten sich diese undurchdringlichen »Dunstglocken« über mehrere Tage bzw. Wochen, lösten sie ernsthafte Atemwegserkrankungen aus.

Da die Situation besonders in London häufig prekär war, sprach man bald vom »Londoner Smog«, ein Wort gebildet aus »smoke« (Rauch) und »fog« (Nebel). Gesetzliche Maßnahmen zur Luftreinhaltung haben in Europa in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Situation geführt.

Was versteht man unter Emissionshandel?

Den Kauf und Verkauf von sog. Kohlendioxid-Zertifikaten: Firmen, die durch umweltfreundliche Technologien wenig Kohlendioxid produzieren, können den Anteil an Kohlendioxid, den sie eigentlich per Gesetz ausstoßen dürften, an solche Firmen verkaufen, die mehr Schadstoffe in die Luft blasen, als erlaubt ist. Solche »Umweltsünder« ersparen sich dadurch den Einsatz umweltfreundlicher Energien bzw. die Zahlung einer Strafe.

Diese Regelung betrifft vor allem Kraftwerke, Stahl- und Chemiewerke sowie Zement- und Papierfirmen. Die EU hat 2005 ein Emissionsrechtehandelssystem eingerichtet, an dem rd. 5260 Anlagen beteiligt sind – in Deutschland sind es etwa 1850.

Ist Ozon schädlich?

Das kommt darauf an, wo es sich befindet. Die in der Stratosphäre vorkommende Ozonschicht hält die schädliche ultraviolette Strahlung von der Erde fern. Dagegen ist das Ozon, das an wolkenlosen Sommertagen durch eine chemische Reaktion aus Stickoxiden entsteht, sehr ungesund. Dieser »Sommersmog« reizt die Atemwege. Bei lange anhaltendem Strahlungswetter steigt die Ozonkonzentration auf über 300 ppb (parts per billion, Teilchen pro Milliarde) an – bereits 150 ppb können für Menschen schädlich sein.

Warum kann Regen sauer sein?

Weil Schwefel- und Stickoxide aus Abgasen in Reaktion mit dem Niederschlagswasser in die für Pflanzen giftigen Schwefel- bzw. Salpetersäuren umgewandelt werden.

Diese Schadstoffe haben in den vergangenen 150 Jahren zum sog. Waldsterben beigetragen. Seit in den 1960er und 1970er Jahren die Industrieschornsteine sehr viel höher gebaut werden, erreichen die ausgestoßenen Schadstoffe auch höhere Schichten in der Atmosphäre; sie werden mit dem Wind großräumig verlagert und teilweise über hunderte von Kilometern transportiert. Wälder, die von den Industriezentren weit entfernt liegen, sind deshalb heute stärker betroffen als die Wald- und Forstgebiete in Industrienähe.

Woran erkennt man kranke Bäume?

Ein sichtbares Zeichen sind lichte Kronen, ausgelöst durch den Verlust vieler Blätter bzw. Nadeln. Bei fortgeschrittener Schädigung wachsen die Nadelbäume nicht mehr in die Höhe, sondern bilden verstärkt Seitentriebe (»Storchennester«). Fichten lassen z. B. ihre nadellosen Zweige herunterhängen (»Lamettasyndrom«), Laubbäume bilden unnatürlich lange Seitentriebe (»Peitschentriebe«) und werfen ihr noch grünes Laub ab. Unter Ozoneinfluss entstehen weiße Blattflecken; Magnesiummangel lässt die Blätter vergilben.

Laut Waldzustandserhebung der Bundesregierung 2005 weisen 29 % aller Waldbäume deutliche Schäden auf und 42 % fallen in die »Warnstufe«.

Können Böden Schadstoffe filtern?

Im Prinzip schon, denn aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften besitzen sie eine natürliche Puffer- und Filterfunktion. Langfristig kommt es jedoch zu einer unumkehrbaren Schädigung der Böden, da sie versauern und vergiftet werden.

Böden können hineingelangte Säuren neutralisieren und Schadstoffe, z. B. Schwermetalle (Quecksilber, Kadmium, Blei und Zink), aus dem Sickerwasser herausfiltern. Dies geht jedoch zulasten der Bodennährstoffe, da diese den Schadstoffen weichen müssen. Düngung und Kalkung können den Nährstoffverlust der Böden auf Dauer nicht ausgleichen. Pflanzen, die auf diesen belasteten Böden wachsen, nehmen statt Nährstoffen zunehmend auch Schadstoffe auf. Über die Nahrungskette gelangen die Schadstoffe schließlich in den menschlichen Organismus.

Was machen die Japaner mit ihrem Müll?

Die Japaner schütten aus Platzmangel Mülldeponien in den Meeresbuchten der großen Städte auf. So wird zwar neues Land gewonnen, aber auch Natur zerstört.

Ab den 1960er Jahren wurde dort mit der Müllverbrennung ein zweiter Weg eingeschlagen. Heute werden fast 80 % des Mülls in rd. 1800 Verbrennungsanlagen verbrannt. Doch damit fallen neben Luftschadstoffen auch Filterrückstände an, die als Sondermüll entsorgt werden müssen. In Deutschland mit seinen knapp 60 Müllverbrennungsanlagen liegt der Anteil des verbrannten Mülls weit niedriger. Ende des 20. Jahrhunderts mussten in Japan pro Jahr und Einwohner 408 kg Restmüll entsorgt werden – in Deutschland waren es nur 209 kg.

Wie funktioniert internationaler Umweltschutz?

Ein konkretes Beispiel ist der Schutz von Feuchtgebieten: 1971 wurde in der iranischen Stadt Ramsar mit der sog. Ramsar-Konvention ein internationales Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten beschlossen, das 1975 in Kraft trat. Über 140 Staaten sind an der Konvention beteiligt. Jeder verpflichtet sich dazu, mindestens ein Feuchtgebiet einzurichten, das den Ramsar-Kriterien entspricht. Diese verlangen eine überregionale Bedeutung, ein Feuchtgebiet muss also ein »Trittstein« für Zugvögel sein. Die durch die Ramsar-Konvention geschützten Feuchtgebiete müssen in ihrer ökologischen Struktur erhalten bleiben, und der jeweilige Staat muss für eine »weise Nutzung« sorgen. Das betrifft z. B. die vorrangige Beachtung bei Raumplanungen. 2004 befanden sich auf der Ramsar-Liste 1387 Feuchtgebiete mit einer Gesamtfläche von rd. 1,2 Mio. km² Fläche, was in etwa der dreifachen Größe von Deutschland entspricht.

Übrigens: Hauptanliegen des Umweltschutzes ist es, den Menschen und seine Gesundheit vor den negativen Folgen seines eigenen Handelns zu bewahren. Der Umweltschutz umfasst all jene Maßnahmen, die die natürliche Umwelt und auch den Menschen vor schädigenden Einflüssen schützen sowie eingetretene Schäden beseitigen oder mildern sollen – angefangen vom umweltbewussteren Verhalten im persönlichen Umfeld bis hin zu internationalen Vereinbarungen zur Reinhaltung von Luft und Wasser. Die Erhaltung der Umwelt ist stärker denn je zur Existenzfrage der Menschheit geworden. Denn der Mensch ist nicht nur Verursacher, sondern auch Betroffener der Umweltzerstörung.

Was ist eigentlich ...

das UNEP? Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme); es bündelt und koordiniert die Umwelt betreffenden Aktionen aller UN-Organisationen und integriert dabei auch politisch unabhängige Nichtregierungsorganisationen.

die Agenda 21? Ein auf dem Erdgipfel von Rio de Janeiro 1992 verabschiedetes Umwelt-Aktionsprogramm, mit dem die Bereiche Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert nicht mehr losgelöst von der Umwelt betrachtet werden sollen.

das Kyoto-Protokoll? Ein bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen 1997 in Kyoto verabschiedetes Protokoll, mit dem sich die beteiligten Industrienationen verpflichten, ihre Emissionen klimaschädlicher Gase zwischen 2008 und 2012 um durchschnittlich 5,2 % gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken.

Ist Erdöl Fluch oder Segen?

Beides. Einerseits ist Erdöl der wichtigste natürlich vorkommende Energieträger der Erde; andererseits zählen Tankerunglücke zu den schlimmsten hausgemachten Katastrophen überhaupt. Als im Dezember 1999 die »Erika« mit 30 000 t Schweröl an Bord vor der nordfranzösischen Küste zerbrach, lief mehr als die Hälfte des Öls aus. Fast 500 km Küste wurden verseucht, hunderttausende von Seevögeln und anderen Tieren gingen zugrunde. Die »Prestige« sorgte für die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens, als sie im November 2002 vor der nordspanischen Küste mit 60 000 t Schweröl versank.

Kann man Radioaktivität beherrschen?

Zwar gelang es den Menschen, Radioaktivität durch Kernenergie friedlich zu nutzen – Atomstrom sichert vielen Staaten die Energiegrundversorgung und trägt auch in Deutschland zu rd. einem Viertel zur Energieversorgung bei. Doch Unfälle wie der in der ukrainischen Stadt Tschernobyl im April 1986 offenbarten das hohe Risiko dieser Energie. Allein die Zahl der Menschen, die damals erheblichen Strahlenbelastungen ausgesetzt waren, wurde mit 600 000 angegeben. Nur schwer abschätzbar sind bis heute die Spätfolgen für die unmittelbar betroffenen Regionen in Russland, Weißrussland und der Ukraine.

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