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Umweltpolitik: Lebensgrundlagen erhalten

Beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaft auch mit der Umwelt?

Ja. Die sog. Umweltökonomie untersucht die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und natürlicher Umwelt.

Die Umwelt steht – als Rohstofflieferant und mehr noch als Aufnahmemedium für Schadstoffe – vielfach unentgeltlich zur Verfügung. Daher werden Unternehmen und Haushalte, die z. B. (Auto-)Abgase in die Atmosphäre leiten, mit den dadurch verursachten Schäden nicht belastet. Die Kosten tragen andere bzw. die Allgemeinheit. Aus Sicht des Verursachers handelt es sich um externe Effekte; das bedeutet, dass die Folgen außerhalb seines (finanziellen) Verantwortungsbereichs entstehen.

Ziel der Umweltökonomie ist es, diese Schäden zu bewerten, um die Kosten zu internalisieren, also den Verursachern aufbürden zu können (»Internalisierung externer Effekte«). Erst wenn die Güterpreise – etwa für einen Liter Kraftstoff, ein Flugticket oder ein Kilogramm Rindfleisch – auch die Knappheit des von ihnen verbrauchten Faktors Umwelt widerspiegeln, kann der Markt über das Spiel von Angebot und Nachfrage zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur beitragen.

Verhindern Auflagen Umweltverschmutzung?

Durchaus. Der Vorteil dieses recht einleuchtenden Weges ist, dass so die maximale Belastung etwa einer Region oder eines Gewässers festgelegt werden kann. Von den drei wichtigen umweltpolitischen Instrumenten – Auflagen, Abgaben und Zertifikate – sind Auflagen politisch am leichtesten durchzusetzen und daher in der Praxis am häufigsten anzutreffen.

Doch haben Auflagen auch einen gravierenden Nachteil: Da sich etwa festgelegte Höchstwerte am gegenwärtigen Stand der Technik (z. B. der Qualität von Filteranlagen) orientieren, besteht zu einer weiter reichenden Verminderung des Schadstoffausstoßes kein Anreiz mehr. Im Gegenteil: Da technische Umrüstung mit Ausgaben verbunden ist, werden Verbesserungen in der Umwelttechnologie (die eine Senkung der Grenzwerte bewirken könnten) sogar eher blockiert werden.

Welche Vorteile haben Umweltabgaben?

Abgaben, deren Höhe sich nach der emittierten Schadstoffmenge richtet, verteuern umweltbelastende Aktivitäten für den Verursacher und folgen somit dem Prinzip, externe Effekte zu internalisieren. Damit wird zwar kein Höchstwert für einen Produktionsbetrieb oder eine Region angesteuert, aber für die Unternehmen besteht so der Anreiz, durch technische Innovationen die Abgabenlast immer weiter zu reduzieren.

Wozu dienen Verschmutzungszertifikate?

Dieses umweltpolitische Instrument will die Vorteile von Auflagen und Abgaben bündeln. Dazu wird z. B. für eine Region und einen Schadstoff jeweils ein maximaler Emissionswert festgelegt. Das Recht, einen Teil dieser Emission verursachen zu dürfen, wird auf die ansässigen Unternehmen verteilt – etwa durch Versteigerung oder durch Zuweisung.

Zertifikate ermöglichen die Festlegung eines maximalen Emissionswertes, bieten aber trotzdem Anreize, die Emissionen weiter zu reduzieren, um weniger Zertifikate halten zu müssen. Nachteile der Zertifikate sind u. a. die Gefahr, dass bei der Vergabe politische Ränkespiele entscheiden oder dass sie von einem Unternehmen nur deshalb beansprucht (und zur Rechtfertigung des Anspruchs mit an sich unnötigen Emissionen »unterfüttert«) werden können, um potenzielle Konkurrenten vom Markt fernzuhalten.

Ist technischer Fortschritt hilfreich?

Obwohl der Fortschritt allein die Umweltprobleme nicht lösen kann und sie oft erst erzeugt hat, kann gerade die Umweltpolitik auf ihn nicht verzichten.

Auch die Autoren von »Die Grenzen es Wachstums« heben hervor, dass z. B. eine Ausweitung der Lebensmittelproduktion oder die Senkung von Schadstoffemission zwar die die prinzipielle Begrenztheit des Wachstums nicht abschalten können; aber womöglich können sie den ökologischen Zusammenbruch hinauszögern, um der Menschheit Zeit für den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise zu verschaffen.

Technische Verbesserungen in diesem Sinne wären etwa neue Methoden zur Vermeidung, Wiederverwertung oder Entgiftung von Abfällen und zum Recycling von Rohstoffen. Wünschenswert wäre auch eine erhöhte Nutzungsdauer und verbesserte Reparaturfähigkeit von Produkten, Methoden zur natürlichen Schädlingsbekämpfung, Fortschritte in der Medizin und bei der Empfängnisverhütung oder die effektivere Nutzung regenerativer Energien.

Was ist eigentlich ...

ökologische Ökonomie? Eine Richtung der Umweltökonomie, die Voraussetzungen einer nachhaltigen Entwicklung untersucht. Das bedeutet u. a., die Nutzung nicht erneuerbarer Rohstoffe möglichst weitgehend zu reduzieren und erneuerbare Rohstoffe nur in dem Maß zu nutzen, wie es ihre Regeneration nicht gefährdet.

Nachhaltigkeit? Als nachhaltige Entwicklung (englisch sustainable development) wird ein Prinzip der Entwicklungs-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik bezeichnet, das die Lebensqualität in der Gegenwart verbessern will, ohne damit die Lebenschancen und den Handlungsspielraum zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen. Ursprünglich ein Prinzip aus der Forstwirtschaft, besagt der Begriff Nachhaltigkeit, dass nur so viel Holz geerntet werden darf, wie auch nachwachsen kann.

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