wissen.de
Total votes: 173
wissen.de Artikel

Debatte um Palmölproduktion: Billiges Fett zulasten des Regenwaldes

...

Kleinbauer mit Ölfrüchten
Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen.

Siegel für mehr Nachhaltigkeit

Was also tun? Die meisten Umweltorganisationen sind nicht grundsätzlich gegen den Anbau von Ölpalmen – unter anderem weil die Pflanzen einen viel höheren Ertrag pro Hektar liefern als etwa Raps und Soja. "Würde man Palmöl mit dem Öl anderer Ölpflanzen ersetzen, würden viel größere Flächen benötigt und das Problem nur in andere Länder und Kontinente verlagert", sagt etwa Greenpeace. Außerdem sei Palmöl auch die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern. Die Naturschützer fordern aber, dass die Palmölproduktion nachhaltiger wird und nicht mehr auf Kosten von Mensch und Umwelt geschieht.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich zahlreiche Unternehmen zum sogenannten Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl, kurz RSPO, zusammengeschlossen. Namhafte Produzenten verpflichten sich dabei freiwillig, bestimmte Mindeststandards und -kriterien einzuhalten. Um das RSPO-Siegel für Produkte zu tragen, müssen die Palmöllieferanten zum Beispiel bestimmte Waldflächen erhalten und den Einsatz von Pestiziden reduzieren.

Abgeholzter Regenwald in der indonesischen Provinz Riau
Die Anlage neuer Planatgen geht in Indonesien Hand in Hand mit Abhlzung unersetzlicher Regenwaldbestände.
Leere Versprechen?

Kritiker bemängeln jedoch, dass der RSPO-Standard nicht weit genug geht. So dürfen auch für Palmöl in RSPO-Produkten weiterhin Regenwälder und Torfmoore in Plantagen umgewandelt und hochgiftige Pestizide eingesetzt werden.

Erst kürzlich hat außerdem eine Greenpeace-Studie gezeigt, dass viele Versprechen der Hersteller wohl nur auf dem Papier Gültigkeit haben. Trotz schriftlich formulierter Selbstverpflichtung konnte demnach keiner von vierzehn befragten global agierenden Konzernen nachweisen, dass in seiner Lieferkette kein Palmöl aus fragwürdiger Herkunft steckt. Keines der Unternehmen war bereit, vollständige Listen seiner Lieferanten offenzulegen. Besonders schlecht schnitten in Sachen Nachhaltigkeit und Transparenz der Studie zufolge Pepsico, Colgate-Palmolive sowie Johnson & Johnson ab.

Palmölfreie Alternativen

Verbraucher, die der Umwelt zuliebe auf Palmöl aus fragwürdiger Produktion verzichten möchten, können sich auf Siegel demnach bislang wohl eher nicht verlassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte im Supermarkt auf palmölfreie Alternativen zurückgreifen. Die sind zwar mitunter schwer zu finden, aber es gibt sie. Von Schokolade, über Seife bis hin zu Mascara – fündig wird man häufig bei Bio- und Naturprodukten.

Bei der Suche nach einem Produkt ohne Palmöl hilft seit Dezember 2014 schon ein Blick auf die Inhaltsliste. Seitdem muss Palmöl als Zutat in Lebensmitteln ausdrücklich deklariert werden. Die Angabe "pflanzliche Öle" allein reicht nicht mehr. Aber Achtung: Für Kosmetika und Reinigungsmittel gilt diese Regel nicht.

Das Umweltportal Umweltblick hat aber einen Einkaufsführer entwickelt, der auch für diese Produkte Alternativen aufzeigt. Den Einkaufsführer gibt es inzwischen sogar als App – vergleichbare Anwendungen gibt es daneben auch von Anbietern wie Codecheck oder der Kampagne Zero Palmöl. Diese sollen erkennen, in welchen Produkten der umstrittene Rohstoff steckt.

DAL, 20.05.2016
Total votes: 173