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Der Dandy: Christian Kracht

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Deutsche Befindlichkeiten, wie sie Kracht in diesem FAZ-Interview kurz nach den Terrorattacken in New York beschreibt, waren auch in seiner Debütveröffentlichung Faserland die treibende Kraft. Krachts namenloser Ich-Erzähler, ein ehemaliger Internatsschüler aus reichem Hause, bereist die Republik - von Sylt über Hamburg, von Frankfurt über München bis schließlich nach Zürich -, genießt Alkohol und Zigaretten en masse, steigt in den besten Hotels ab und langweilt sich in seinem Luxusleben doch nur über die Maßen, so scheint es.

Das Buch ist eine tour de force der tausend Partys und Bars, es handelt von “SPD-Nazis“ (sic!), Himmelfahrtsnasen der Mädchen, vom “Kotzen mit Stil“, der Ästhetik des Rauchringemachens - und immer wieder: von Barbourjacken. Ganz nebenbei ist Faserland allerdings auch ein enorm trauriges Buch, die “Tristesse Royale“ - wie Popautor Joachim Bessing später eine Anthologie nannte - wird hier zum kultivierten Lebensgefühl.

Tristesse Royale

Denn obschon äußerlich gelassen und scheinbar unbeteiligt, entgeht dem Erzähler nichts: Mit Detailwut entwirft der Protagonist ein Deutschlandbild, das gleichsam von Verachtung, Schwermut - und wenn gar nichts mehr hilft - Humor geprägt ist, etwa, wenn er über die deutsche Provinzialität sinniert. Doch am Ende bleibt nur der Zynismus:

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