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Der Feuilletonkrieg

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Skandal im Literaturbetrieb: In einem einmaligen Akt der Vorverurteilung schreibt der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher einen Offenen Brief an Martin Walser und setzt ihn die Titelseite. Inhalt: Das von Walser eingesandte Manuskript seines für August geplanten Romans Tod eines Kritikers werde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht abgedruckt. Das allein wäre nicht der Grund für einen Offenen Brief gewesen - der Inhalt sei es, der Schirrmacher zur öffentlichen Stellungnahme zwinge, so der FAZ-Herausgeber:

“Doch es geht hier nicht um die Ermordung des Kritikers als Kritiker, wie es etwa bei Tom Stoppard geschieht. Es geht um den Mord an einem Juden. Die Signale sind unübersehbar, und sie sind unheimlich. Das Thema war jetzt, heißt es, daß Hans Lach einen Juden getötet hatte. Das kommt so nebenbei, aber es ist Ihr Thema, es ist das Thema dieses Buches.“

Frank Schirrmacher bezieht klar Stellung und hält Walser vor, er bediene sich “antisemetischer Klischees“. Mehr noch: “Ich aber halte Ihr Buch für ein Dokument des Hasses.(...) Ihr Buch ist nichts anderes als eine Mordphantasie.“ Die Literaturszene brodelt: Ist der 75-jährige Martin Walser, in den 60er Jahren bekennend linksorientiert, nun ein Antisemit? Parallelen zur umstrittenen Rede in der Paulskirche vom Oktober 1998 werden gezogen, in der Walser von der “Moralkeule“ Auschwitz sprach.

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