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Der gesetzliche Mindestlohn

Vor- und Nachteile

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Ohne eine Lohnuntergrenze gibt es immer wieder Arbeitgeber, die an den Lohnkosten sparen um sich gegenüber konkurrierenden Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Dadurch entsteht eine Abwärtsspirale, auch Lohndumping genannt, die nicht nur ungelernte Kräfte und Hilfsarbeiter betrifft, sondern immer öfter auch ausgebildete Fachkräfte und Akademiker. Dieser Abwärtstrend, und die daraus resultierende Entwertung der geleisteten Arbeit, kann durch den Mindestlohn gestoppt werden. Auch Arbeitskräfte aus dem Ausland müssen den Mindestlohn erhalten, was ein weiterer Punkt zur Verhinderung von Lohndumping ist.
 
Oftmals wird auch argumentiert, dass ein Mindestlohn auf der einen Seite die Arbeitnehmer zu höheren Leistungen motiviert und auf der anderen Seite die Arbeitgeber dazu veranlasst, ihre ungelernten oder gering qualifizierten Mitarbeiter zu schulen, so dass sie eine dem höheren Lohn angepasste Leistung erbringen können. Beide Effekte würden die Produktivität insgesamt steigern. 
 
Nachteile
Neben den genannten positiven Effekten gibt es aber auch negative Effekte der Lohnuntergrenze. So sieht der Software-Anbieter Lexware ein Problemfall beispielhaft bei Taxiunternehmen. Eine Möglichkeit, die gestiegenen Lohnkosten zu kompensieren, könnte nämlich eine Entlassung von festangestellten Mitarbeitern sein. Die dadurch fehlenden Fahrer werden dann durch Selbstständige ersetzt. Dabei können jedoch viele Scheinselbstständigkeiten entstehen. 
 
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Der gesetzliche Mindestlohn

Der Mindestlohn wird auch Auswirkungen auf die Taxibranche haben.

 
Einige Arbeitgeber könnten auch versucht sein, den Mindestlohn über andere Maßnahmen zu umgehen, da er nicht für zusätzliche Arbeit oder die Entlohnung besonderer Arbeitsbedingungen gilt. Konkret bedeutet dies, dass Betriebe zum Beispiel versuchen könnten, Vollzeitstellen in Teilzeitstellen umzuwandeln und die fehlenden Arbeitsstunden dann durch Überstunden abzudecken. Auch Zulagen, wie Schichtzulagen, Nachtarbeits-, Sonn- und Feiertagszuschläge und Gefahrenzulagen könnten als Sparmaßnahme verringert werden oder gar ganz wegfallen. 
 
Können die gestiegenen Lohnkosten nicht durch solche Maßnahmen abgefangen werden, werden Arbeitsplätze eventuell auch ins Ausland verlegt oder sogar komplett aufgegeben. Auch viele Existenzgründer können es sich möglicherweise nicht leisten, einen Mindestlohn zu zahlen und müssten ihr Unternehmen aufgeben oder könnten es erst gar nicht starten.
 
Weitere Bedenken umfassen den gestiegenen Bürokratieaufwand für die Kontrolle des Mindestlohns durch die neugeschaffenen Stellen bei den Zollbehörden. Ob die neu eingestellten Kräfte reichen um die flächendeckende und sichere Kontrolle zu gewährleisten bleibt auch abzuwarten. Außerdem könnten die Gewerkschaften an Bedeutung verlieren und es ist nicht garantiert, dass Familien oder Alleinerziehende nicht trotz Mindestlohns noch Sozialleistungen beziehen müssen.
 
Alles in allem kann nur die Zeit zeigen, ob der gesetzliche Mindestlohn zu einer besseren Absicherung der Arbeitnehmer und damit zu einer höheren Lebensqualität beiträgt, oder ob er zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führt.
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