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Die neue experimenta zapft Energie aus der Tiefe

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Borhmeissel
Mit rotierenden Rollenmeißeln "frisst" sich der Bohrer in den Untergrund.

Bohrungsziel: der Muschelkalk

"Zunächst beginnen solche Projekte immer mit einer Machbarkeitsstudie", sagt Martin Brodbeck vom Ingenieurbüro Smoltczyk & Partner in Stuttgart, das für die Planung des Projekts zuständig war. Im Fall der experimenta bot sich eine Brunnenlösung zur Bereitstellung von Geothermie an. Das Ziel der Bohrung ist dabei der sogenannte Obere Muschelkalk in einer Tiefe von etwa 80 Metern. "Diese Schicht bietet besonders ergiebige Grundwasservorkommen mit einer Temperatur, die sich gut nutzen lässt", erklärt Brodbeck. Den Prognosen zufolge ist eine Fördermenge von etwa zehn Litern pro Sekunde möglich.

"Bei dieser Tiefe handelt es sich noch nicht um Energie aus dem Erdinneren", betont Brodbeck. Die Werte des Grundwassers in diesem Bereich sind noch von der Erdoberfläche geprägt - sie entsprechen den Jahresdurchschnittstemperaturen. "Letztlich nutzt man bei der oberflächennahen Geothermie diese gleichbleibenden Werte technisch, um die Extremtemperaturen im Sommer und im Winter auszugleichen", so Brodbeck.

Sicherheit und verglaste Technik

Auch für die Einschätzung von Risiken im Zusammenhang mit der Bohrung waren Brodbeck und seine Kollegen zuständig. Ein wichtiger Punkt, denn Geothermieprojekte machen gelegentlich Negativschlagzeilen, da sie durch geologische Effekte zu Spannungen und Brüchen im Untergrund führen können. "Das kommt aber äußerst selten vor und wenn, dann war meist die Planung oder die Ausführung mangelhaft", sagt Brodbeck. Im Fall der experimenta betont er: "Am Standort gibt es eindeutig keinen problematischen Untergrund und das Grundwasser wird bei der Bohrung durch Vorkehrungen sorgfältig vor Schadstoffeinträgen geschützt".

Die Umsetzung des Projekts hat nun bereits begonnen – von der Bohrung bis zur Installation soll bis Anfang 2019 alles fertig sein. Mit dem interessanten System der Gebäudetemperierung will sich die experimeta dann auch buchstäblich sehen lassen: "Wir werden verglaste Technik präsentieren", sagt Bauer: "Die Wärmepumpe und weitere Teile werden für die Besucher bestmöglich sichtbar gemacht. Außerdem werden beispielsweise die Medienströme in dem System durch LED-Lampen verdeutlicht", sagt Bauer.

MVI, 25.10.2017
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