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Die Träume von Hollywood

100 Jahre Hollywoodgeschichte

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Studios und Stars – Erfolg mit System

Was sich nun herausbildete, wird heute unter dem Begriff „Studiosystem“ zusammengefasst. Es waren jene Jahre, in den die „Big Five“ den Filmmarkt kontrollierten: Metro-Goldwyn-Mayer, Fox Film Corporation – die spätere 20th Century Fox –, Paramount Pictures, Warner Bros. und die 1955 geschlossenen RKO Pictures. Zu einem Filmstudio gehört nämlich sehr viel mehr als die reine Herstellung eines Films. Jede Produktion muss vermarktet und aufgeführt werden; hierzu dienten eigene Filmtheater. Diese erwirtschafteten an die 70 Prozent der Einnahmen, besaßen also eine gewichtige Stellung. Dies ermöglichte es unter anderem, die höchst vitale kontinentaleuropäische Filmindustrie zurückzudrängen, die bis heute keinen nennenswerten Einfluss in den Vereinigten Staaten hat. Dort dreht man im Zweifelsfall lieber das Remake eines erfolgversprechenden Titels, als die dänisch- oder deutschsprachige Originalfassung zu synchronisieren. So fertigte Ole Bornedal von seinem Überraschungserfolg Nachtwache eine Zweitfassung für den US-Markt an, und auch Michael Haneke setzte seinen Film Funny Games doppelt in Szene. Eine Ausnahme ist Wolfgang Petersen, dessen Film Das Boot selbst in Hollywood ein fester Begriff ist.

Doch nicht nur bei der Verbreitung der eigenen Filme, auch bei den Stars überließ Hollywood nichts dem Zufall. Selbst wenn es so aussah, als sei der „Stern“ buchstäblich vom Himmel gefallen, so steckte hinter dem Erfolg ein knallhart durchkalkuliertes System. Stars wurden auch damals schon „gemacht“. Dazu gehörten exklusive Bindungen an bestimmte Filmstudios, auf den „Star“ zugeschnittene Drehbücher und durchaus auch Eingriffe in dessen Lebenslauf, um ihn besser vermarkten zu können. Die 1924 gegründete Firma Metro-Goldwyn-Mayer etwa warb mit dem Slogan  All the Stars in Heaven – alle Sterne des Himmels. Der solchermaßen entwickelte Glanz erwies sich als hoch profitabel. Da konnte man dann auch schon einmal erwarten, dass sich Darstellerin oder Darsteller nach dem Bild richteten, das von ihnen entworfen worden war. Im Klartext: Künstlerische Selbstentfaltung stand hinten an. An diesen und anderen Zwängen zerbrach das Starsystem schließlich in den 1950er Jahren, um neuen Vermarktungsformen ebenso Platz zu machen wie anderen Verträgen.

 

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von wissen.de-Autor Kai Jürgens
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