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Ein archäologischer Krimi

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Untersuchung des mumifizierten Leiche.jpeg
Mittels zweier unabhängiger Methoden konnte später das Alter der Mumie recht genau bestimmt werden. Zunächst wurde die Kupferklinge des Beils von Ötzi herangezogen. In Mitteleuropa begann die Epoche dieses Metalls und seiner Verarbeitung vor etwa 6000 Jahren, ehe sie 2000 Jahre später in die Bronzezeit überging. Die präzisere Altersdatierung durch die Radiokarbonmethode konnte die Todeszeit von Ötzi noch weiter eingrenzen: Ötzi starb vor etwa 5100 bis 5350 Jahren. Schnell erhält der medienfreundliche, tiefgekühlte Leichnam populäre Spitznamen wie "der Eismann", "Gletschermann" oder den letztendlich weltweit berühmten Namen "Ötzi", nach seiner Fundstelle in den Ötztaler Alpen.

Gefriergetrocknet

Röntgenaufnahme der tödlichen Pfeilspitze unter der linken Schulter.jpeg
Der unglaublich gute Erhaltungszustand des Ötzi-Leichnams wird von Wissenschaftlern nur mit der Aneinanderreihung außerordentlicher Umstände erklärt. Man vermutete zunächst, dass sich Ötzi im Frühherbst (Mitte September) in den Ötztaler Alpen verirrte und an Unterkühlung gestorben ist. Heute weiß man, dass dre Mann vom Hauslabjoch durch eine Pfeilspitze aus Feuerstein von hinten in die Brust getroffen wurde und innerhalb weniger Minuten verblutete - wahrscheinlich gabe es auch einen Kampf. Nach dem Tod muss dann recht schnell das Wetter umgeschlagen sein. Warme Föhnwinde sollen nun den Leichnam über mehrere Wochen ausgetrocknet haben wie Dörrfleisch. Dann brachte der einsetzende Winter wieder ausreichend Kälte und frierende Niederschläge. Die Gletscher rückten weiter vor und konservierten den Toten endgültig im gefrorenen Zustand bis zu seiner unvorhersehbaren Entdeckung. Alles in allem handelt es sich bei diesem Vorgang um eine Gefriertrocknung, die den Menschenkörper aus der Jungsteinzeit samt Kleidung und verschiedenster Gebrauchsgegenständen außerordentlich gut erhalten hat.

Im März 1991 wehte ein besonders starker Sturm aus der Sahara schwarzen Sand bis in die Region der Alpen. Dieser schwarze Sand erwärmte sich unter Sonneneinwirkung sehr stark. Dies wird heute als die Hauptursache dafür angesehen, dass der Gletscher am Hauslabjoch in diesem Jahr so extrem weit abgeschmolzen ist und dadurch die Jahrtausende konservierte Leiche zur Entdeckung freigegeben hat. Ein weiteres Kuriosum des Ötzi-Fundes ist sicherlich, dass der zunächst als verunglückter Bergsteiger missdeutete Steinzeitmensch 92,56 m weit auf italienischem Staatsgebiet lag. Es ist wohl nur dem mangelnden Arbeitseifer der Südtiroler Carabinieri zuzuschreiben, dass Ötzi in österreichische Obhut gelangte. Nach dem Abschluss der Untersuchung Ende 1997 wurde Ötzi Anfang des Jahres an den eigentlichen Besitzer, die Südtiroler Landesregierung, zurückgegeben und soll nun im Museum von Bozen aufbewahrt werden.

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