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Elektrosmog und Handystrahlung: Unsichtbare Gefahr?

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Menschen unterschiedlichen Alters, die sich mit ihrem Smartphone beschäftigen
Unter Verdacht: Vieles deutet auf die Schädlichkeit von Handystrahlung hin, aber ein kausaler Zusammenhang zwischen Strahlung und Krankheitssymptomen konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
Kann die Handystrahlung krankmachen?

Doch was dran an der Angst vor den schädlichen Strahlen aus dem Lieblingsspielzeug? Bisher scheiden sich an dieser Frage noch die Geister. Zwar gibt es zahlreiche Berichte von Menschen, die an sich Folgen des Elektrosmogs zu spüren glauben. Aber die wissenschaftlichen Studien zum Thema Elektrosmog ergaben bisher widersprüchliche Ergebnisse.

So fanden skandinavische Forscher in einer Studie durchaus Hinweise auf negative Folgen der Handynutzung: Je länger und häufiger die Teilnehmer am Tag mit ihrem Handy telefonierten, desto häufiger litten sie unter Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schwindel. Allerdings: Ob diese Symptome aber tatsächlich durch die Handystrahlung verursacht wurden, konnten die Wissenschaftler nicht belegen.

Schon überzeugender war eine Studie aus dem Jahr 2012, bei der ungeborene Mäuse im Mutterleib der Strahlung eines Handys ausgesetzt wurden. Das Mobiltelefon sendete Strahlung von knapp 1,6 Watt pro Kilogramm (W/kg) und lag damit unter dem EU-Grenzwert von 2 W/kg. Das Ergebnis: Nach der Geburt zeigten die bestrahlten Mäusekinder ADHS-ähnliche Symptome: Sie waren hyperaktiv und hatten Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.

Krebs durch Handystrahlung?

Ebenfalls offen ist die Antwort auf die Frage, ob Handystrahlung und Elektrosmog Krebs auslösen oder fördern können. Ebenfalls Ende der 1990er sorgte ein Experiment australischer Forscher für Aufsehen, die Mäuse 18 Monaten lang immer wieder Mobilfunkstrahlen aussetzten – in einer Dosis wie sie damals gängige Handys abgaben. Die bestrahlten Mäuse entwickelten mehr als doppelt so häufig Lymphtumore wie die unbestrahlte Kontrollgruppe. Allerdings: In ähnlichen Versuchen konnten andere Forschergruppen dieses Ergebnis nicht reproduzieren.

Klar scheint, dass bestimmte elektromagnetische Wellen Schäden an unserem Erbmaterial DNA verursachen können: Bestrahlt man Zellkulturen mit Mikrowellen, kann dies Brüche in der DNA hervorrufen. Solche Brüche können die Entartung der Zellen und damit Krebs fördern. Auch die Mobilfunkstrahlung kann bei bestimmter Dosis und Frequenz solche Strangbrüche verursachen. Ob diese Schäden allerdings auch im Körper und bei normalen Gebrauch der Handys vorkommen,

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft seit 2011 elektromagnetische Felder im Frequenzbereich zwischen etwa 100 Kilohertz und 300 Gigahertz – und damit auch den Bereich der Handystrahlung - als "möglicherweise krebserregend" ein. Mobilfunkstrahlung gehört seither zur Klasse 2B der Karzinogene eingestuft und liegt damit auf einer Stufe mit Blei, Schimmelpilzen und Autoabgasen.

Wie kann man die Strahlenbelastung verringern?

Experten der WHO empfehlen, bei der Nutzung von Handys bestimmte Regeln zu beachten, um die Strahlenexposition gering zu halten: So sollte man zuhause eher das Festnetz als das Handy zum Telefonieren verwenden und vermehrt Freisprechanlagen nutzen. Denn dann kommt das Handy – und damit die Strahlenquelle - dem Kopf nicht so nahe. Vor allem bei Kindern sollte man zudem darauf achten, dass sie nicht zu lange mit dem Handy telefonieren. Weil sich ihr Gehirn und Körper noch in der Entwicklung befindet, reagieren sie sensibler auf die Strahlung.

Bei anderen Geräten wie Babyphonen empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Produkte mit möglichst geringer Strahlung zu wählen. Bei Babyüberwachungsgeräten kann man dies unter anderem am "Blauen Engel"-Siegel erkennen. Bei der Nutzung von Mikrowellenherden sollte man auf den technisch einwandfreien Zustand des Gerätes achten und am besten während des Betriebs einen größeren Abstand halten. Generell gilt: Je weniger und kürzer wir Geräte nutzen, die elektromagnetische Felder produzieren, desto besser.

NPO, 04.08.2017
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