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Es ist was faul von Jasper Fforde

Rezension

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dtv premium 2006

ISBN 3-423-24568-9


Über zwei Jahre hat sie in der BuchWelt gelebt und zuletzt die Jurisfiktion geleitet, jene Organisation, die in der literarischen Welt für Ordnung sorgt, die Literatur vor Attentaten bewahrt, die Ideen der Autoren und die Erwartungen der Leser verteidigt. Nachdem der Minotaurus ihr erneut in einer Cowboy-Story entkommen ist, und der ebenfalls für Jurisfiktion tätige Emperor Zhark die dortige Handlung sowie einige wichtige Figuren bei einer kopflosen Rettungsaktion mit seinem Raumschiff aus dem 26. Jahrhundert empfindlich ge- bzw. vollkommen zerstört hat, braucht Thursday Next dringend Urlaub. Als sie mit ihrem zweijährigen Sohn Friday ins Außenland und ihre Heimatstadt Swindon zurückkehrt, wird sie von dem Dänenprinzen Hamlet begleitet, der sich Gedanken über sein Image als unentschlossener Zauderer macht.

Wer die anderen Bände, Der Fall Jane Eyre, In einem anderen Buch und Im Brunnen der Manuskripte gelesen hat, weiß bereits, dass die Welt, in die Thursday Next zurückkehrt, nicht weniger fantastisch ist als die BuchWelt. Das Großbritannien des Jahres 1988 wird von einem auf Lebenszeit eingesetzten Präsidenten regiert und hat erst kurz zuvor den mehr als hundertjährigen Krimkrieg mit dem zaristischen Russland beendet. In dieser Parallelwelt sind Zeitanomalien und damit Zeitreisen möglich, und durch genetische Experimente bevölkern Neandertaler und Dodos das Land. Kontrolliert und überwacht werden diese bizarren Dinge vom Special Operations Network (SpecOps), für das Thursday Next früher als Literaturagentin gearbeitet hat. Bei ihrer Rückkehr nach Swindon muss Thursday nicht nur feststellen, dass sie absolut pleite ist, und ihr Ehemann und der Vater von Friday weiterhin genichtet, d.h. im Alter von zwei Jahren ertrunken ist, sondern auch, dass das Land vor einer wichtigen politischen Umwälzung steht: Der Staatskanzler Yorrick Kaine, der aus einem noch nicht identifizierten Buch stammt, greift mit Dänemark-feindlichen Parolen und Aktionen nach der Macht in Großbritannien, das er in eine Diktatur umwandeln will. Thursdays Vater, ein Zeitreisender der ChronoGarde, der im Haus von Thursdays Mutter nicht nur Bismarck, sondern auch Lady Hamilton, die Geliebte Lord Nelsons, untergebracht hat, erklärt seiner Tochter, dass dies nur zu verhindern sei, wenn sie dafür sorge, dass Swindon den SuperHoop gewinne. Trotz der Prophezeiung eines Heiligen aus dem 13. Jahrhundert erscheint es jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass die schlechteste Krocket-Mannschaft aller Zeiten, dieses wichtige Spiel gewinnt, wenn kein Wunder geschieht.

Jasper Fforde hat rund um seine Hauptfigur Thursday Next ein absurdes, in sich aber vollkommen stimmiges Paralleluniversum geschaffen und mischt aus den verschiedensten literarischen Genres einen bunten Cocktail, den man, so man ihn denn benennen muss, wohl als einen Science-Fiction-Fantasy-Krimi bezeichnen könnte. Doch damit nicht genug: die humorvolle Sprache lebt von zahllosen literarischen und historisch-politischen Anspielungen, und zunächst einfach nur bizarr anmutende Szenen offenbaren nach und nach ihren medien- und kapitalismuskritischen Impetus. Die einzelnen Kapitel wirken wie bunte, total verrückte Videoclips, die sich in der Gesamtschau aber zu einem äußerst spannenden Roman fügen. So ist ein vielschichtiges Buch entstanden, an dem jeder, der gerne liest – nicht nur Douglas-Adams-Fans und Freunde skurrilen Humors – seine Freude haben wird. 

Fazit: Sie lesen und sie lachen gerne? Dann sollten sie dieses Buch unbedingt lesen: skurril, komisch, hoch-intelligent und absolut spannend!

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Kristina Wengorz
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