wissen.de
You voted 5. Total votes: 112
wissen.de Artikel

Feministische Vordenkerin

...

Die Philosophin war auch ein politischer Mensch. So fand ihr Romanwerk, das um Freiheit, Bindung, Tod kreist, seinen Höhepunkt 1954 in "Die Mandarine von Paris", einer Auseinandersetzung mit der Rolle der Pariser Linksintellektuellen kurz vor und nach dem Kriegsende, also mit Résistance und Kollaboration, Existenzialismus und Marxismus, freien Linken und Kommunisten, in der die verschlüsselten Figuren von Sartre, Beauvoir, Albert Camus und Arthur Koestler im Mittelpunkt stehen. Reich an Diskussionen und Reflektionen, psychologisch subtil und spannungsvoll, ist das Werk bis heute ein wichtiges Dokument jener Zeit. Es brachte ihr den Prix Goncourt ein – und zum ersten Mal im Leben eine eigene Wohnung!

Eine Tochter aus gutem Hause

Zeitlebens engagierte sich Simone de Beauvoir leidenschaftlich bei jeder politischen Aktion, ob bei Demonstrationen gegen den Algerienkrieg 1954, ob bei den Mai-Revolten 1968, den Polit- Prozessen 1970, und natürlich bei allen Feministinnen-Kampagnen in den 1970er Jahren. Sie sympathisierte mit dem Marxismus, bereiste mit Sartre Russland, China, Kuba; die russischen Panzer in Prag trieben ihr diese Sympathie allerdings aus. Eine Fülle von Artikeln, Essays, Reisebüchern waren die Früchte ihrer Reisen durch die halbe Welt, und die vier Bände "Memoiren einer Tochter aus gutem Hause" (1958–1972) sind ein Kompendium der Zeitgeschichte. Mit einer ihrer letzten großen Arbeiten, dem Essay "Das Alter" (1970), wird sie dann nochmals zur Protagonistin, denn wieder ist es ein viel verdrängtes Tabuthema, das sie von allen Seiten umkreist, mit dem sie sich selbst und die Leser konfrontiert. 1980 muss Simone de Beauvoir den Tod ihres Gefährten Sartre erleben; sechs Jahre später stirbt sie selbst. Als eine der faszinierendsten und nachhaltig wirkenden Frauen im 20. Jahrhundert aber bleibt sie gegenwärtig.

You voted 5. Total votes: 112