wissen.de
Total votes: 96
Fest- und Feiertage

Die hinduistische Götterwelt

Gold-Amulett mit OM-Symbol, der göttlichen Silbe im Hinduismus.

Der Hinduismus kennt eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten besitzen und in vielen unterschiedlichen Gestalten erscheinen können.

 

Wie das Universum entstand

Die Vorstellungen über die Entstehung des Kosmos sind im Hinduismus uneinheitlich. So wird der Ursprung des Universums nach einigen Theorien dem Schöpfergott Brahma zugeschrieben, der die Welt erschaffen haben soll.

Andere Theorien wiederum gehen davon aus, dass das Universum einen nicht materialistischen Ursprung hat, sondern aus einem unpersönlichen "Urgrund des Seins" entstanden ist, aus dem Brahman. Auch der Gedanke, dass die Welt aus einem Zustand entstand, der ohne Anfang und Ende ist, und dass alle Gestalten einem kosmischen Ei entsprungen sind, wird von einigen Schulen gelehrt.

 

Von den 21 Höllen bis zur Welt der Götter

Klare Vorstellungen gibt es jedoch über die Beschaffenheit des Universums. So besteht die Welt nach Hindu-Glauben aus sieben Kontinenten, die sich in konzentrischen Kreisen um den zentralen Weltenberg Meru gruppieren, wobei Indien eine ganz besondere Rolle spielt.

Auch von unten nach oben schichten sich die verschiedenen Welten übereinander. Ganz oben befinden sich die Welten der Götter und der Wesen, die aufgrund ihres guten Karmas diese Sphären bereits erreicht haben. Darunter folgt der Bereich der Planeten, der Himmel und der Erde, unter der sich wiederum die Unterwelten und schließlich die 21 Höllen befinden.

Dieses mythische Weltbild wird zum Teil auf die reale Geografie übertragen: So wird etwa der Berg Kailash mit dem Weltenberg Meru als Sitz der Götter Shiva und Indra gleichgesetzt. Die Flussgöttin Ganga wird als Fluss Ganges verehrt.

 

Schöpfer reitet auf Gans

Der Hauptgott Brahma wurde in der spätvedischen Zeit als Personifikation des Brahman verstanden und verschmolz mit der göttlich gedachten, schöpferischen Energie. Als Schöpfergott bildet Brahma mit Vishnu und Shiva die hinduistische Trimurti, das Konzept der Dreiheit von Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung.

Brahma spielt jedoch im religiösen Kult kaum eine Rolle, da er nach Hindu-Glauben von Shiva dazu verflucht wurde, nicht mehr verehrt zu werden. Brahma wird mit nach vier Seiten gewandtem Antlitz dargestellt. Sein Reittier ist eine Gans.

 

Vishnu - der vierarmige Gott der Liebe

Vishnu, zweiter Großgott und Gott der Erhaltung, hat sich in jedem Zeitalter in immer wieder verschiedenen Gestalten inkarniert und in das Weltgeschehen eingegriffen, um die Ordnung, das Dharma, wiederherzustellen.

Diese Inkarnationen werden auch als "Herabstiege" (Avatara) bezeichnet. Auch Buddha, der Begründer des Buddhismus, wird als Avatar Vishnus gesehen. Vishnu wird als Gott der Liebe betrachtet. Auf Abbildungen sieht man ihn meist mit Krone dargestellt, in seinen vier Armen hält er eine Tritonschnecke, eine Lotusblüte, ein Rad und eine Keule. Sein Reittier ist der halbmenschliche Vogel Garuda.

 

Schönheit und Schicksal

Vishnus weibliche Ergänzung ist Lakshmi, die glücksverheißende Göttin des Schicksals. Sie ist wohl die beliebteste Hindu-Gottheit und gilt als Göttin des Reichtums, der Schönheit und des Glücks. Ihr Bild ist als Glücksbringer häufig über Haustüren angebracht. Auch Vishnus zweite Gemahlin, Bhudevi, die Göttin der Erde, wird häufig zusammen mit ihm dargestellt.

 

Herr des Tanzes und göttlicher Zerstörer

Der zweite Hindu-Großgott ist Shiva ("der Gnädige"). Auch Shiva nahm verschiedene Formen an, wie zum Beispiel die des Großen Gottes, des Yogin, des Asketen, des Bhairava (eine furchterregende Form) und auch die des besonders im Süden Indiens beliebten Nataraja ("Herr des Tanzes").

Obwohl Shiva im Unterschied zum "bewahrenden" Vishnu oft der "Zerstörer" genannt wird, gilt er seinen Anhängern wie Vishnu als allgewaltiger Weltenherrscher. Shivas Sinnbild ist das Lingam, ein Kultstein mit einer phallisch geformten Erhebung. Shivas Reittier ist Nandi, das Buckelrind. Vielfach wird Shiva mit Dreizack und Trommel dargestellt. Aus seinen Haaren fließt der Ganges.

 

Kartikeya befreit die Welt von Dämonen

Shiva und seine Ehefrau Parvati – die aus den Felsen des Himalaja hervorgegangene sanftmütige "Tochter des Berges" - haben zwei Söhne, den sechsköpfigen Kartikeya und den elefantenköpfigen Ganesha.

Kartikeya erfreut sich vor allem in Südindien großer Beliebtheit, wo er als Kriegsgott verehrt wird. Der Legende zufolge bestand seine Aufgabe darin, die Welt von dem Dämon Taraka zu befreien. Reittier Kartikeyas ist der Pfau, ein Symbol der Unsterblichkeit. Auf diesem Pfau zog er in die Schlacht, tötete Taraka und andere Dämonen.

Ganesha wird als dickbäuchiger Mann mit Elefantenkopf und einem abgebrochenen Stoßzahn dargestellt. Er gilt als Gott des Anfangs und "Herr der Hindernisse", weil er Schwierigkeiten und Probleme aus dem Leben der Menschen schafft. Man bittet ihn oft um Hilfe, sei es vor einer Reise, vor einem Examen, vor dem Abschluss eines Geschäftes, einem Gerichtstermin oder zu Beginn einer Puja (Andacht).

 

Krishna: Avatar und mythischer Held

Der populärste unter den Avataras ist mit Sicherheit Krishna. Er ist ein Vorbild an Tugendhaftigkeit und Held vieler Mythen, die ihn als Liebhaber, Krieger und König darstellen. Krishna ist die achte Inkarnation Vishnus und gilt als eigenständiger Gott.

Er wird oft als Jugendlicher mit einer Flöte dargestellt. Dieses Motiv erinnert an die Kuhhirten, bei denen Krishna aufgewachsen ist. Krishna gilt als glücklicher Gott. Er und seine Gemahlin Radha bilden das ideale Liebenspaar.

 

Rama hütet Familie und Kaste

Ein weiterer wichtiger Avatar Vishnus ist Rama, der als Garant der gesellschaftlichen Ordnung und ihrer Institutionen, der Familie und des Kastenwesens gesehen wird. Rama ist der siebte Avatar Vishnus und wird auch als eigenständiger Gott verehrt.

Mithilfe des schlauen und unsterblichen Affenkönigs Hanuman befreit Rama seine Frau Sita aus der Gewalt des Dämonenfürsten Ravana. Seinen Lebenslauf erzählt das Ramayana-Epos. Rama gilt als besonders tugendhaft und als idealer Gatte und Herrscher. Hanuman wird als Beschützer verehrt und gilt als Schutzpatron der Soldaten.

Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl weiterer Gottheiten – vor allem auch regionale Götter -, die aber im Bestreben nach Systematisierung alle in Bezug zu den großen Göttern gesetzt werden.

Total votes: 96