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Fest- und Feiertage

Gangaur-Fest

Gangaur-Fest
Gangaur-Fest

Kunstvoll dekorierte und bemalte Elefanten, Kamele und Pferde führen den Umzug an.

Dieses hinduistische Frühlingsfest mit farbenprächtigen Umzügen ist der Göttin Parvati unter ihrem "Mädchennamen" Gauri geweiht. Im Mittelpunkt des bunten Treibens stehen festlich geschmückte Mädchen und Frauen in prachtvollen Gewändern.

 

Feierlichkeiten

Farbenfrohe Prozessionen sind das hervorstechende Kennzeichen des Gangaur-Festes. Gereinigte und geweihte Statuen und Bildnisse der jungen Göttin Gauri werden in prachtvoll geschmückten Prozessionen von den Frauen und Mädchen durch die Straßen geführt. Angeführt wird der Zug von kunstvoll dekorierten und bemalten Elefanten, Kamelen und Pferden. Musiker, Tänzer und zahlreiche weitere Festwagen begleiten die Prozession.

Die Frauen und Mädchen haben sich ihre schönsten, oft golddurchwirkten Saris angezogen und ihren kostbarsten Schmuck angelegt, um in den Tempeln Lieder zu Ehren der Götter zu singen oder auf den Straßen und Plätzen traditionelle Tänze aufzuführen. Ab dem siebten Festtag tauchen abends in den Straßen kleine Gruppen unverheirateter Mädchen auf. Sie tragen auf ihren Köpfen durchlöcherte Tontöpfe, in den Öllampen brennen, Ghudlias genannt.

Gangaur ist ein Fest der Mädchen und Frauen. Sie huldigen durch ihr Herausschmücken und ihre Bitten und Gebete der Göttin Gauri und ehren auf diese Weise deren liebend-selbstaufopferndes Verhalten, von dem in den Mythen berichtet wird. Die unverheirateten Mädchen bitten die Göttin um einen Mann ihrer Wahl, während die verheirateten Frauen für das Wohlergehen ihres Gatten und ein lang währendes Glück in ihrer Ehe beten.

Die Festlichkeiten beginnen häufig bereits mit dem Ausklingen des zuvor stattfindenden Holi-Festes im indischen Monat Chaitra (März/April) und dauern etwa drei Wochen an. Gangaur gilt als eines der schönsten hinduistischen Feste Rajasthans.

 

Ursprung und Geschichte

Gauri ist gewissermaßen der "Mädchenname" der mächtigen Göttin Durga, der wohl populärsten Göttin im Hinduismus. Durga kann in sehr unterschiedlichen  Erscheinungsformen existieren. Sie kann gütig und strafend sein und steht für Vollkommenheit, Kraft, Wissen, Handeln und Weisheit.

In ihrer Erscheinungsform als Gauri hatte sie sich der Mythologie zufolge für ihren Gatten Rudra, eine Erscheinungsform von Shiva, aufgeopfert. Erst in der nächsten Manifestation als Göttin Parvati wurde sie schließlich seine Frau. Gauri gilt daher als die hinduistische Urform der ihrem Erwählten aus Liebe über alles ergebenen Braut und der vollkommen liebenden Gattin.

Auch wenn es in der sozialen Wirklichkeit Indiens kaum Realität ist, dass sich ein Mädchen oder eine Frau ihren Mann aussuchen kann, gilt Gauri bis heute als das Idealbild der hingebungsvollen Braut oder Ehefrau. Die Namengebung des Festes Gangaur versinnbildlicht diese Idealisierung des vollkommenen Eheglücks: "Gan" steht synonym für Shiva und "Gaur" bzw. "Gauri" für Parvati.

In Udaipur ist das Gangaur-Fest auch unter dem Namen Mewar-Fair bekannt. Hier findet eine prächtige Schiffsprozession über den See Pichhola statt. Die Feierlichkeiten enden mit einem Feuerwerk.
 

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