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Tod und Bestattung in anderen Kulturen

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Szene aus dem Totenbuch

In allen Kulturen und Religionen spielt der Tod eine wichtige Rolle. Auf die Frage, was nach dem Tod im Dies- und Jenseits passiert, haben die Menschen verschiedene Antworten gefunden. Bei vielen Ritualen steht die Befreiung der Seele, teilweise mit rabiaten Methoden, im Mittelpunkt.

 

Totenbücher

Die Totenbücher verschiedener Kulturen und Religionen sind eine Art Wegweiser oder "Reiseführer" für das Sterben und das, was nach dem Tod auf den Menschen warten soll. Ihre altüberlieferten Sterbe- und Jenseitsmythen und praktischen Rituale sollen den Menschen auf den Prozess des Sterbens und den Übergang in die andere Dimension vorbereiten.

Das bekannteste, das Ägyptische Totenbuch, ist eine Sammlung von Zaubersprüchen, Beschwörungsformeln und liturgischen Anweisungen. Das den altägyptischen Priestern offenbarte Wissen über die Unterwelt sollte es dem Verstorbenen ermöglichen, gezielt Einfluss auf sein Leben nach dem Tod zu nehmen.

 

Gefahr durch Geister

Die Ägypter des Altertums glaubten, den Tod "meistern" zu können, indem Priester mittels der überlieferten Rituale einem Verstorbenen eine Existenz im Jenseits ganz nach seinem Willen gestalten könnten. Sie glaubten an eine Art zweites Leben im Jenseits mit ähnlichen Gefahren wie im Diesseits – beispielsweise durch Geister und Dämonen. Damit die Seele des Verstorbenen nicht völlig auf sich allein gestellt war, wurden dem Toten die im Ägyptischen Totenbuch zusammengetragenen Mysterienweisheiten mit auf seine Reise gegeben.

Als Führer durch die Unterwelt legte man es mit ins Grab oder schrieb die Texte den Bessergestellten in ihre Grabkammern. Das über 5000 Jahre alte ägytische gilt als ältestes echtes Totenbuch.

 

Das tibetische Totenbuch

Während Beständigkeit – bis heute sichtbar in den monumentalen, mehr als 4000 Jahre alten Pyramiden – die Ideale der Ägypter waren, stellen steter Wandel, das unzählige Kommen durch Geburt und Tod, durch die Reinkarnationen im Rad der Zeit, die Qualitäten der Tibeter bis in die Gegenwart dar.

Der vergleichsweise junge tibetische Buddhismus hat uns mit seinem Tibetischen Totenbuch eine vollkommen andere Anleitung zum Umgang mit Sterben, Tod und Leben gegeben. Die Textsammlung des Bardo Thödol (wörtl.: "Große Befreiung durch Hören im Zwischenzustand") geht auf den indischen Meister Padmasambhava zurück, der den Buddhismus im 8. Jahrhundert nach Tibet brachte.

 

Der Tod als Befreiung

Sie enthält präzise Anweisungen, wie sich der Buddhist am Ende seines Lebens verhalten soll. Die Art zu sterben ist für den tibetischen Buddhisten von großer Bedeutung, denn im Tod gibt es einen Moment äußerster Klarheit. Wer mit diesem Moment zu verschmelzen vermag, kann den Kreislauf der Existenzen, das Rad der irdischen Wiedergeburten, beenden.

Das Tibetische Totenbuch sollte – etwa von einem Lama (Lehrer) – laut vorgetragen werden. Es versteht sich als eine detaillierte Anleitung dazu, wie der Tod überwunden und das Sterben in einen Akt der Befreiung verwandelt werden kann.

 

Bestattungsrituale: Feuer, Salz und Erde

"Der Grieche verbrannte seine Toten, der Perser begrub sie, der Inder überzog sie mit Hyalos – einem Salzkristall –, der Skythe (ein russisscher Reiternomade) verspeiste sie, und der Ägypter balsamierte sie ein."

Dieses Zitat aus den Totengesprächen des Satirikers Lukian von Samosata aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert verdeutlicht mit seinem Querschnitt durch die unterschiedlichsten Kulturkreise und Religionen die Vielfalt der Methoden und Riten, mit denen die verschiedenen Völker ihre Toten beigesetzt und sie auf das Leben nach dem Tod vorbereitet haben.

 

Ein Loch im Schädel befreit die Seele

Schon die ersten aufrecht gehenden Menschen, die vor etwa 1,85 Millionen bis etwa 40 000 Jahren lebten (Homo erectus), trennten den Schädel ihrer Toten ab. Offensichtlich gingen sie bereits von der Existenz einer geistigen Lebensessenz oder Seele aus, denn zu den rituellen Maßnahmen in vorgeschichtlicher Zeit gehörte auch die Öffnung des Schädelknochens.

Jenes Loch wurde in die Kalotte eingebracht, damit etwas Nichtstoffliches dadurch entweichen konnte. Diese "Schädelpenetration" schaffte der Seele einen künstlichen Ausgang. Das Ritual ist für unseren unmittelbaren Vorfahren, den Homo sapiens, archäologisch belegt. Es wird außerdem von vielen Naturvölkern bis in die Neuzeit praktiziert.

 

Mumien: Das Haus im Diesseits

Bekanntermaßen mumifizierten die alten Ägypter den Leichnam eines Dahingeschiedenen. Zwar beherbergte auch nach ihrer Vorstellung der tote Körper die Seele des Menschen nicht mehr, aber er blieb auch vom Jenseits aus so etwas wie irdisches Eigentum, sozusagen ein Anker zum Diesseits. Dem Geist, der Seele, sollte durch den erhaltenen Körper stets eine Behausung zur Verfügung stehen.

 

Den Geiern überlassen

Vor allem aus Tibet ist die in Zentralasien weitverbreitete Himmelsbestattung bekannt. Vor Sonnenaufgang wird der zuvor mehrere Tage aufgebahrte Leichnam, dem man gut drei Tage lang aus dem Tibetischen Totenbuch vorgelesen hat, zum geheimen rituellen Bestattungsplatz gebracht.

Hier wird der nun seelenlose Leichnam von Bestattern (Ragyapas) zerstückelt. Die Ragyapas präparieren den toten Körper für den Verzehr durch die zuvor angelockten Geier. Unter anderem wird der Schädel gespalten, um sicherzugehen, dass die Seele des Toten auch tatsächlich entweichen kann.

Die Himmelsbestattung war unter anderem auch in der Mongolei, in Persien und in Indien verbreitet und wird noch heute von den Parsen zelebriert: Sie bringen die Toten in die zum Himmel offenen "Türme des Schweigens" und überlassen sie den Vögeln.

 

Ahnenkult als Totengedenken

Beim Ahnenkult werden Verstorbene gewürdigt und verehrt, die schon längere Zeit tot sind. Er ist traditionellerweise eine intensive und durch feste Rituale vollzogene Verehrung einer langen Reihe von Verstorbenen, meist aus der eigenen Familienlinie oder aus dem eigenen Clan.

Die Zeremonien stärken das Gefühl, dass der Ahn mit und bei seinen Nachkommen lebt. Üblicherweise werden Opfer dargebracht wie Nahrungsmittel, Geld oder Kleidung.

Im alten China wurden die Toten innerhalb der häuslichen Umfriedigung beerdigt. Oft wurden sie im dunkelsten südöstlichen Winkel des meist einzigen Zimmers beerdigt, dort, wo auch im Kühlen die Saat aufbewahrt wurde und die Familie schlief. Wenn der Körper zerfallen war, wurden die Überreste endgültig auf einem Familienfriedhof außerhalb des Dorfes beerdigt.

Mit jeder Geburt eines Kindes sollte nach altchinesischer Vorstellung die Seele eines Vorfahren wieder auf die Erde zurückkommen. So war jedes Neugeborene ein wiedergeborener Ahne. Manche chinesische Familien haben noch heute einen kleinen Familienaltar in ihrer Wohnung.

Aus der evangelisch-reformierten Lebensweise hat sich der Ahnenkult bis auf sporadische Besuche auf dem Friedhof verabschiedet. Katholische Gläubige zünden noch heute als eine Art Brandopfer zu festgelegten Gedenktagen wie dem Totensonntag eine Kerze für ihre Toten an.

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