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Flucht in letzter Minute

...

Mit einem Satz über den Draht

Wir trennten uns, damit nicht zu erkennen war, dass wir zusammengehören. Ich nahm den Hund. Von nun an galt meine Aufmerksamkeit nur dem Stacheldraht und den Posten der Ostarmee. Es war auf rund drei Meter ein Posten aufgestellt, der die Menge beobachtete oder zurückwies. Plötzlich ging eine Unruhe durch die Menschenmenge. Es war ca. 10.30 Uhr. Der Bürgermeister vom Bezirk Kreuzberg, Willi Kreßmann, erschien im Westen und begab sich unmittelbar an die Absperrung. Klatschen, Beifallsrufe auf beiden Seiten. Die Menge strömte zusammen, um einer evtl. Ansprache des Bürgermeisters besser lauschen zu können ... Dies war mein Moment, das war mir klar! Ich bückte mich, um den Hund von der Leine zu lösen und im nächsten Augenblick setzte ich mit einem Satz über den Draht (die Stacheldrahtrollen). Am linken Mantelärmel spürte ich einen Griff. Er war zu knapp und konnte mich im Sprung nicht hindern. Westberliner liefen zu mir und riefen begeisterte Ausrufe. Ich wendete mich um und bemerkte, wie zwei Armisten versuchten, den Hund einzufangen, der sich nicht über den Stacheldraht traute ... Da gelang es dem Hund, eine Lücke zu finden, und er kroch durch... Nun versuchte ich, meine Frau aus einiger Entfernung in der Menge auf der anderen Seite ausfindig zu machen. Ich konnte sie entdecken. ... Westler erklärten sich bereit, den Draht etwas niederzutreten. In einem Moment, in dem ich meine Frau nicht ganz im Auge behalten hatte, gelang ihr der Sprung...«

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