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Frauen spielen fairer

Mehr Fußball fürs Geld bekommt der Zuschauer geboten, wenn Frauen spielen. Und fairer geht's auch noch zu. Was sich auf den ersten Blick wie feministische Stimmungsmache ausmacht, ist von Wissenschaftlern in ausführlichen Case-by-Case-Analysen untermauert worden. Besonders interessant dabei: Die Mitarbeiter des Instituts für Spielanalyse mit Sitz in Potsdam und München sind in der überwältigenden Überzahl männlich. Wenige Tage vor dem Anpfiff der Fußball-WM der Frauen sprachen wir mit dem Spielanalytiker und Trainingswissenschaftler Malte Siegle über die Besonderheiten des Frauenfußballs. Eine der ersten Thesen: Frauen spielen zwar hektischer als Männer, aber dafür auch fairer und umsichtiger.

von Susanne Böllert, wissen.de

Frauen spielen vorsichtiger

Nach einem Tor spielten die Fußballerinnen übrigens bereits nach 33 Sekunden weiter, wie Malte Siegle erklärt, Männer ließen sich dagegen ganze 20 Sekunden mehr Zeit. "Das könnte sich allerdings ändern", wagt Siegle eine vorsichtige Prognose. Immerhin erfreue sich der Frauenfußball einer immer größeren Beliebtheit in Deutschland. Und wenn sich die Stadien in Zukuft stärker als bislang füllten, wenn die Frauen spielten, könne auch der weibliche Torjubel deutlich länger andauern. Eine Hypothese, die das Institut während der WM auf jeden Fall überprüfen will.

Bereits belegt ist dagegen, dass gerade nach einer Verletzungsunterbrechung die zeitliche Differenz bis zum erneuten Spielbeginn zwischen Männer- und Frauenspielen am größten ist. Malte Siegle: "Frauen setzen das Spiel schon nach 54 Sekunden wieder fort, Männer erst nach geschlagenen 79." Dieser beachtliche Unterschied von knapp einer halben Minute erklärt der Spielanalyst wie folgt: "Entweder nehmen die Frauen beim Spielen mehr Rücksicht aufeinander und verletzen sich dadurch weniger - eine These, die gerade untersucht wird - oder die Männer setzen einfach mehr auf den Showeffekt und machen noch ein, zwei Rollen mehr am Boden, um den Schiedsrichter dazu zu bringen, die gelbe oder rote Karte gegen den Gegner zu zücken."

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