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Genschere CRISPR: Schöne neue Welt der Biotechnologie?

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Eizellen
Wird das Genom der befruchteten Eizelle verändert, dann wirkt sich dies nicht nur auf diesen Menschen aus, sondern auch auf alle seine Nachkommen.
Die Sache mit der Keimbahn

Theoretisch könnte man die Genschere künftig auch dazu verwenden, um Erbkrankheiten endgültig auszumerzen – oder sogar gezielt Babys mit bestimmten Merkmalen zu erzeugen. Für diese Anwendung müsste allerdings das Erbgut der Eiszellen, der Spermien oder des Embryos editiert werden. Denn was an diesen Zellen verändert wird, wird auch an die nächsten Generationen weitergegeben. Ein Genfehler wäre damit bei allen Nachkommen für immer ausgemerzt.

Das klingt zunächst gar nicht so schlecht: Man könnte Betroffenen viel Leid ersparen und tödliche und unheilbare Erbkrankheiten wie beispielsweise die Chorea Huntington nachhaltig heilen. Aber: Diese sogenannte Manipulation der Keimbahn eröffnet weitaus mehr Möglichkeiten als nur Gendefekte zu reparieren. Rein theoretisch könnten auf die gleiche Weise auch genetische Verbesserungen ins Erbgut eingeschleust werden. So könnte man beispielsweise Designerbabys kreieren oder "Supermenschen" mit besonderen Merkmalen und Fähigkeiten.

Ungeregelter Wildwuchs

Allerdings: Eingriffe in die Keimbahn sind höchst umstritten und gelten als unethisch. Zum einen sind die langfristigen Folgen solcher Eingriffe bisher weitgehend unbekannt. Zum anderen aber fürchten einige Forscher und Bioethiker, dass die Optimierung von Genen bei Embryonen zu einer noch stärkeren Spaltung und Ungleichheit der Gesellschaft führen könnte. Weil sich nur die Reichen "Designerbabys" oder teure Optimierungen leisten können,

In Deutschland ist diese Form der Genveränderung bei menschlichen Embryonen deshalb verboten - in China und einigen anderen Ländern gilt dies jedoch nicht. Dort experimentieren Genforscher bereits seit einigen Jahren an der Genmanipulation von Embryonen. Weltweit gültigen Regelungen, die einen Missbrauch oder riskante Experimente verhindern könnten, gibt es bisher nicht. Allerdings fordern selbst Genforscher angesichts des rasanten Fortschritts bei der CRISPR-Methode, dass solche Regelungen und Kontrollmöglichkeiten bald geschaffen werden sollten.

Noch haben die Wissenschaftler gerade erst begonnen, die Möglichkeiten der neuen Genschere auszuloten. Welche Chancen, medizinischen Fortschritte, aber auch Risiken sie künftig noch bringen wird, bleibt daher abzuwarten.

NPO, 13.07.2017
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