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Gestein des Jahres 2016: Sand – allgegenwärtig und doch knapp

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Sand wächst nicht so schnell nach

Das Problem dabei: Die Nachfrage an Sand wächst – und die Menschheit ist inzwischen so sandgierig, dass dieser Rohstoff allmählich knapp wird. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2014 etwa 240 Millionen Tonnen Sande und Kiese von der Bauindustrie verbraucht. Dazu kamen gut zehn Millionen Tonnen Quarzsand und 211 Millionen Tonnen gebrochene Natursteine. Weltweit wird nach Angaben der UNESCO mit Ausnahme von Wasser keine andere Ressource in so großen Mengen verbraucht wie Sand.

Kieswerk Krieger, bei Rheinhausen
Allein in Deutschland wurden im Jahr 2014 etwa 240 Millionen Tonnen Sande und Kiese von der Bauindustrie verbraucht.
Das Problem dabei: Sand ist keine schnell nachwachsende Ressource. Bis ein Gestein durch die Kraft von Wind und Wasser zu Sand zermahlen ist, vergehen zehntausende und mehr Jahre. Gletscher zermahlten während der Eiszeit Gestein am Grund ihrer gewaltigen Eisströme, in den Flüssen werden Kiesel im Laufe ihrer Wanderung durch ständige Kollisionen und die Kraft der Strömung immer kleiner. Doch das dauert eben ziemlich lange – länger, als wir warten können.  

Knapper als man denkt

Aber dank der ausgedehnten Wüstengebiete und dem ganzen Sand am Meeresgrund gibt es doch mehr als genug Sand auf der Erde – so könnte man meinen. Doch so einfach ist es leider nicht. Denn besonders die Förderung von Meeressand vom Grund des Ozeans hat für die sensible Meeresökologie fatale Folgen. Die Tiere verschwinden, das Wasser verschlammt und tötet alles Leben. Und entlang der Strände frisst die Erosion sich immer weiter ins Land vor.

Planierraupe bei Strandaufspülung in Sylt
Sisyphusarbeit: Strandaufspülung in Sylt

Zwar gibt es in Europa vielfach strenge Schutzbestimmungen, in vielen anderen Gebieten der Welt wird aber legal oder illegal so viel gefördert, wie nur geht – und das zerstört einzigartige Landschaften. Umgekehrt sorgen Wind und Wasser dafür, dass der Sand auch von Natur aus genau dort verschwindet, wo er dringend gebraucht wird, beispielsweise an Stränden Sylts und anderer Inseln. Hier versucht man durch Umlagerung und Aufspülung von Sand, die Strände zu erhalten – aber das ist ein stetiger Kampf gegen die Zeit.

Um auf all das aufmerksam zu machen und die große Bedeutung des Sandes in Erinnerung zu rufen, haben Geowissenschaftler den Sand zum Gestein des Jahres 2016 ernannt.

Mehr Informationen finden Sie hier.

http://www.gestein-des-jahres.de

NPO, 11.01.2016
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