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Haareis: Rätselhaftes Naturphänomen im Wald

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Rosagetönte Gallertkruste (Exidiopsis effusa)
Die Rosagetönte Gallertkruste (Exidiopsis effusa) macht sich mit Vorliebe auf den abgestorbenen, feuchten Ästen von Laubbäumen breit.

Ein Lebewesen steckt dahinter

Für die Wissenschaftler lag nun die Vermutung nahe, dass etwas Lebendiges hinter diesem Phänomen stecken musste. Wurden diese Organismen durch kochendes Wasser abgetötet, blieb auch die Eisbildung aus. Und noch einen Hinweis gab es: Behandelten die Forscher das Holz mit einem starken Fungizid – einem Mittel gegen Pilzbefall – dann gab es ebenfalls kein Haareis. Sollte ein Pilz dahinter stecken?

Um das zu überprüfen, untersuchten die Forscher Proben von Holzstücken, auf denen Haareis wuchs, mit Hilfe verschiedener Mikroskopiertechniken. Und sie wurden fündig: Alle Holzproben waren von feinen Pilzhyphen durchzogen. Das Haareis entsteht offenbar nur dann auf den abgestorbenen, feuchten Ästen von Laubbäumen, wenn diese von den Pilzfäden der Rosagetönten Gallertkruste (Exidiopsis effuso) durchwachsen sind.

Haareis auf Totholz
Die langen Eisfäden wachsen aus den Holzporen von Totholz.

Wie das Haareis wächst

Die Präsenz dieses Pilzes erklärt auch, warum aus den Holz-Poren die langen Eisfäden herauswachsen. Der in den Poren und Gängen des Totholzes wachsende Pilz ist winteraktiv und atmet. Die Gase seines Stoffwechsels drängen das im Holz vorhandene, leicht unterkühlte Wasser an die Oberfläche. Dort gefriert es zu Eis und dieses wird durch das nachdrängende Wasser immer weiter nach außen geschoben. Das kann man sich wie das Herausquellen der Zahnpasta aus der Tube vorstellen, auf die man unten drückt. Weil das Wasser bei Kontakt mit der kalten Luft sofort gefriert, entsteht so nach und nach ein immer länger werdender Eisfaden.

Aber warum macht der Pilz das? Die Rosagetönte Gallertkruste schert sich wohl wenig um die Schönheit seiner Eisskulptur. Vielmehr dürfte der Vorgang dem Baumpilz als eine Art Frostschutzmittel dienen: Durch das Herausschieben aus dem Holz gefriert das Wasser nicht im Ast, dem Lebensraum des winteraktiven Pilzes, sondern außerhalb. Das schützt das sensible Pilzmycel vor Schäden durch die Eiskristalle. Zudem wird durch die Energie, die beim Vorgang des Gefrierens frei wird, der Ast etwas wärmer als seine Umgebung.

Die zarten Eiskunstwerke formt demnach keine Menschenhand, sie bilden sich unter den richtigen Bedingungen ganz natürlich. Die genauen chemischen und physikalischen Prozesse bleiben dabei aber auch weiterhin noch ungeklärt.

NPO / Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, 07.02.2018
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