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Im Gespräch: "Zuerst sind immer die Emotionen da"

Ein Gespräch mit dem Psychologen und Emotionsforscher Dr. Wolfgang Rost

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Weil der Mensch ursprünglich aus Emotionen entstanden ist. Wenn wir die Evolution die letzten vier bis fünf Millionen Jahre zurückverfolgen, dann muss man feststellen, dass die Gedanken, die Kognitionen der Neo Kortex eine relativ junge Erfindung der Evolution ist. Ob bei Menschenaffen oder überhaupt im Tierreich: alles funktioniert auch ohne Kognitionen. Egal, ob das Gesundheitswesen der Löwen, die Fellpflege bei den Affen oder die Wintervorsorge bei den Eichhörnchen: alles wird durch Emotionen gesteuert. Der Neo Kortex, die Gedanken sind erst später dazugekommen und sie sind eigentlich nur Mittel zum Zweck. Die Emotionen sind es, die unser Sinnen und Trachten bestimmen, während die Kognitionen uns letztlich nur bessere Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Unsere Gedanken sind das Werkzeug, die alles verfeinern oder vergröbern können. Aber die Motivation, die Motive sind in erster Linie Gefühle und Emotionen. Insofern müssen wir uns eigentlich fragen, wozu sind die Gedanken gut und nicht wozu sind Emotionen gut. Der Mensch ist per se ein emotionales Wesen.

Wann entstehen unsere Emotionen? Empfindet bereits das Embryo Zorn und Zuneigung?

Eindeutig ja. Die Ontogenese, also die Entwicklung eines kleinen Menschen zum Erwachsenen, ist ein Nachvollzug der Phylogenese, also ein Nachvollzug der Menschheitsentwicklung. Zuerst sind immer die Emotionen da. Kleine Kinder sind erst einmal zu 99 Prozent emotionale Wesen. Erst später werden die Kognitionen weiter ausgebildet und verfeinert. Das ist ein Grundgesetz der Biologie.

Ist beispielsweise die gegenseitige Liebe von Mutter und Kind per se vorhanden? Oder gibt es bestimmte Faktoren, die diese Form der Zuneigung verhindern können?

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Michael Fischer
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