wissen.de
Total votes: 27
wissen.de Artikel

Krakau: Polens Schöne

...

Auf jüdischen Spuren

Einen anderen Teil der Geschichte Krakaus erzählt das Viertel Kazimierz zwischen Altstadt, Wawel und Weichsel: den der jüdischen Bevölkerung der Stadt. In einen umgrenzten Bezirk des damals noch eigenständigen Ortes schob der König im Jahr 1495 die in Krakau lebenden Juden ab – zum Schutz vor Anschlägen christlicher Mitbürger. Es entstand ein Ghetto, das sich schnell zu einem der wichtigsten Zentren der jüdischen Kultur entwickelte und es auch blieb, nachdem sich die Menschen jüdischen Glaubens längst wieder in Krakau selbst niederlassen durften.

Erst mit dem Einmarsch der Deutschen 1939 endete diese kulturelle Blütephase: In Krakau begann die systematische Ausrottung der Juden, die damals immerhin ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachten. Steven Spielbergs berühmter Film "Schindlers Liste" erzählt von dieser Zeit. Heute kann man in Kazimierz die Drehorte dieses Streifens besichtigen und alte Synagogen und Betshäuser besuchen. Zudem verstecken sich hinter teilweise noch heruntergekommen aussehenden Fassaden angesagte Bars, Cafés und Restaurants – das alte jüdische Viertel hat sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Szeneviertel gemausert.

Alte Synagoge im Krakauer Stadtteil Kazimierz
Die Alte Synagoge von Kazimierz beherbergt seit 1961 ein Museum, das die jüdische Geschichte und Kultur in Krakau dokumentiert.

Von da Vinci bis Kopernikus

Wer der Kälte nach einer ausgedehnten Tour zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt entfliehen möchte, kann dies in einem der zahlreichen Museen Krakaus tun. Das Angebot in den fast 30 musealen Einrichtungen reicht von Kriegsgeschichtlichem in Oskar Schindlers Fabrik bis hin zu Kunstschätzen im Czartoryski-Museum – allen voran Leonardo da Vincis berühmte "Dame mit Hermelin".

Auch das Collegium Maius lohnt einen Abstecher: Krakaus Universität ist eine der ältesten Bildungseinrichtungen dieser Art und gewährt Besuchern Einblicke in ihre altertümlichen Räume, den Universitätsschatz und die Arbeiten ihres bekanntesten Schülers: Nikolaus Kopernikus.

Hof des Collegium Maius in Krakau
Das Collegium Maius ist das älteste Gebäude der bereits 1364 gegründeten Jagellonischen Universität.

Jazz "im Untergrund"

Ebenfalls hervorragend zum Aufwärmen eignet sich eine Kostprobe der typischen polnischen Hausmannskost: Deftige Fleischgerichte, Knödel und die kleinen Pierogie genannten Teigtaschen mit leckerer Füllung scheinen nur so für den Winter gemacht zu sein. Mit vollem Magen kann man es sich anschließend in einer von Krakaus Kellerkneipen gemütlich machen. In urigen Gewölben unter der Altstadt wird abends mit Vorliebe Jazz gespielt – ein perfekter Ort, um den Tag in Polens schöner Stadt ausklingen zu lassen.

DAL, 24.01.2018
Total votes: 27