wissen.de
Total votes: 12
wissen.de Artikel

Kryptowährungen: Auf der Suche nach "grünen" Bitcoins

...

Mine Lefdal in Norwegen
Insgesamt 28 Kilometer Stollen und Gewölbe umfasst die Lefdal-Mine - Raum für mehr als tausend Rechnercontainer.

Ein Bergwerk als Datenzentrum

Die Bitcoin-Rechner von Jäger und seinen Kollegen stehen tief unter der Erde in einem ehemaligen Bergwerk, der Lefdal-Mine am Nordfjord. Bis 2009 wurde hier das unter anderem für die Stahlindustrie benötigte Mineral Olivin abgebaut. Zurück blieben ein mehr als 28 Kilometer langes System aus Gängen und Kammern auf sechs Etagen. Heute arbeiten in diesen geschützten, stetig kühlen Gewölben längst keine Bergleute mehr, sondern Rechner: Das Lefdal Mine Datacenter ist eines der größten und effizientesten Norwegens. Auch Northern Bitcoin hat hier gut ein Dutzend Container mit Hochleistungs-Rechnern für das Bitcoin-Mining stehen, denn das bietet gleich mehrerer Vorteile.

Das Besondere an der Lefdal-Mine: Dank Gletschern in der Nachbarschaft und einem Fjord vor der Tür ermöglicht dieses Datenzentrum ein besonders "grünes" und günstiges Bitcoin-Mining. Denn den Strom für die Rechner liefert Wasserkraft, die in Norwegen und auch in der Umgebung des Bergwerks im Überschuss vorhanden ist. Den größten Teil des Stroms für die Lefdal-Mine liefert das nahegelegene Åskåra-Kraftwerk. Wie das Lefdal-Datenzentrum liegt auch das Kraftwerk rund einen Kilometer tief im Berg. Die Turbinen für die Stromerzeugung werden mit Wasser betrieben, das von mehreren gletschergespeisten Reservoiren oben auf dem Fjell stammt.

Fjord
Der Fjord liefert dem unterirdischen Datenzentrum das Kühlwasser.
Kühlung aus dem Fjord

Die Kühlung für die Rechner in der Lefdal-Mine stammt dagegen direkt aus dem Nordfjord. Das kalte Meerwasser strömt über einen Einlass in 60 Metern Tiefe zu einem Wärmetauscher und überträgt dort seine Kälte auf einen geschlossenen Süßwasser-Kühlkreislauf innerhalb des Datenzentrums. Über Leitungen gelangt dieses Kühlwasser bis in die einzelnen Serverblöcke oder Mining-Container und sorgt dort über weitere Wärmetauscher für die Luftkühlung der Rechner.

Der Clou dabei: Weil die Mine tiefer liegt als der Meerwasser-Einlass, strömt dieses ohne Pumpen und damit ohne zusätzlichen Energieaufwand ins Kühlsystem. "Weniger als drei Prozent des Strombedarfs wird dadurch für die Kühlung aufgewendet", erklärt Mats Andersson vom Lefdal Mine Datacenter. Unter anderem dadurch gehört dieses Datenzentrum zu den energieeffizientesten weltweit.

Container mit Rechnern
Container voller Bitcoin-Mining-Rechner in der Lefdal-Mine.
Was bringt die Zukunft?

Für Northern Bitcoin ist dies neben dem "grünen" Strom aus Wasserkraft ein wichtiges Argument, ihre Bitcoin-Miner hier aufzustellen. "Wenn die Energie für das Bitcoin-Mining aus den falschen Quellen stammt, wie wir es in China mit den Kohlekraftwerken sehen, dann ist das keine gute Idee", sagt Geschäftsführer Mathis Schultz. Seiner Ansicht nach haben Bitcoin und Co nur dann eine Zukunft, wenn sie auf erneuerbare Energien setzen und vor allem dort ihre Rechenzentren aufstellen, wo Strom nachhaltig und im Überschuss vorhanden ist.

Allerdings: Noch steht das Bitcoin-System am Anfang seiner Entwicklung. Wenn es weiterwächst und mehr Nutzer und mehr Bitcoin-Miner hinzukommen, dann wird auch der Strombedarf steigen. Ob dann die bisher erschlossenen erneuerbaren Energien ausreichen, um Bitcoin-Miner, Haushalte und Industrien zu versorgen, bleibt abzuwarten. Spätestens an diesem Punkt werden Kryptowährungen auch gesellschaftliche Entscheidungen erfordern: "Wir als Gesellschaft müssen uns die Frage stellen, was uns ein internationales Finanzsystem wert ist und wie viele Ressourcen wir ihm zuteilen wollen", meint Schultz.

NPO, 03.09.2018
Total votes: 12