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LEXIKON

Byzantnisches Reich

Oströmisches Reich; Rhomäisches Reich; Ostrom; Byzanz

Byzanz unter dem Druck des Islam (ca. 630 ca. 850)

Die islamische Expansion, die mit dem Tod Mohammeds 630 verstärkt einsetzte, entriss dem Reich in kürzester Zeit Syrien, Palästina und Ägypten. Byzanz blieben nur das über ein Jahrhundert heftig umkämpfte Kleinasien, einige Küstenstriche auf dem Balkan und in Süditalien sowie die meisten Mittelmeerinseln. Auch Nordafrika ging am Ende des 7. Jahrhunderts verloren. Konstantinopel wurde zweimal belagert (674678 und 717/18).
Als Folge dieser Katastrophe entwickelten sich in Byzanz neue Strukturen und Verhaltensweisen. Die alten Eliten verschwanden oder wandelten sich zu einer militärisch orientierten Führungsschicht. Auch die Provinzverwaltung wurde immer mehr vom Militär dominiert. Das Reich wurde kulturell einheitlicher, Konstantinopel wurde zum alles überragenden Zentrum. Das lateinische Europa verlor für das Byzantinische Reich weiter an Bedeutung. Die Kenntnis des Lateinischen wurde geringer.
Erst nach 750 ließ der Druck der Araber nach, und Byzanz begann sich langsam wieder zu erholen. Auf dem Balkan wurden Slawen und Bulgaren etwas zurückgedrängt. Die Bevölkerung nahm zu, und die ökonomischen Verhältnisse besserten sich wieder. Etwa seit der Mitte des 9. Jahrhunderts bekehrten sich die Bulgaren zum christlichen Glauben, und die byzantinische Kirche dehnte ihre Autorität, nicht zuletzt dank der Tätigkeit der „Slawenapostel“ Kyrill und Method, weit über den territorialen Umfang des Reiches hinaus aus. Im 10. Jahrhundert wurden auch die russischen Waräger von Byzanz aus zum Christentum bekehrt und damit gewann die byzantinische Kultur einen Einfluss, der diesen Raum über den Fall des Reiches hinaus bis heute prägen sollte.
Im Westen hingegen verlor Byzanz weiter an Bedeutung. Man kann sagen, dass infolge des byzantinischen Rückzugs aus Westeuropa, der durch die Not der Araberkriege erzwungen worden war, in diesem Bereich als Folge des politischen Vakuums auch ein ideologisches entstand, das schließlich im Jahre 800 durch die Kaiserkrönung Karls des Großen wieder gefüllt wurde. Fortan gab es zwei „Römische“ Kaiser nebeneinander, die sich gegenseitig ihre Existenzberechtigung streitig machten.
  1. Einleitung
  2. Byzanz als Teil des Römischen Reiches (300 476)
  3. Byzanz als Vormacht des christlichen Europa (476 ca. 630)
  4. Byzanz unter dem Druck des Islam (ca. 630 ca. 850)
  5. Regionale Vormacht (ca. 850 1071)
  6. Byzanz und die Kreuzzüge (1071 1204)
  7. Vom Lateinischen Kaiserreich bis zum Sieg des Osmanischen Reiches (1204 1453)
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