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LEXIKON

Byzantnisches Reich

Oströmisches Reich; Rhomäisches Reich; Ostrom; Byzanz

Vom Lateinischen Kaiserreich bis zum Sieg des Osmanischen Reiches (1204 1453)

Trotz der Eroberung Konstantinopels gelang es den Kreuzfahrern nicht, das gesamte ehemalige byzantinische Staatsgebiet zu erobern. 1205 erlitten sie eine schwere Niederlage gegen die Bulgaren, und dies gab den Byzantinern Zeit, sich zu erholen. In Epiros auf dem Balkan und in Nordwestkleinasien um Nikaia (lateinisch Nicäa) errichteten sie Exilreiche, von denen sich schließlich Nikaia durchsetzte. 1261 wurde Konstantinopel von Michael VIII. Palaiologos zurückerobert.
Nach 1261 sollte das erneuerte Byzantinische Reich nie mehr die Machtposition der früheren Epochen erreichen. Der Fernhandel war unwiderruflich an die italienischen Seestädte übergegangen, und die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Reiches verschlechterte sich dramatisch. Durch die Pest von 1348/49 wurden weite Landstriche entvölkert. Auch gegenüber seinen äußeren Feinden konnte sich das krisengeschüttelte Byzanz nicht mehr behaupten. In Kleinasien drangen die osmanischen Türken weiter vor, bis sie in den 1330er Jahren die letzten byzantinischen Stützpunkte in Kleinasien erobert hatten. Um die Jahrhundertmitte setzten sie auf den Balkan über und wurden dort schnell zur Vormacht. Byzanz blieb zu schwach, um seine prekäre Situation zu verbessern.
Uneinigkeit des Westens gegen die Osmanen
Uneinigkeit des Westens gegen die Osmanen
Kurz vor der Eroberung Konstantinopels 1453 nennt Sogan Pascha seinem Sultan Mehmed II. die Gründe, warum der Westen zu keiner Koalition gegen die Osmanen fähig war:

Ihr wisst ja selbst, wie die italienischen Fürsten und die übrigen westlichen Herrscher durch ihre Vielfalt in sich veruneint sind, zu keiner gemeinsamen Tat fähig und nie miteinander eines Sinnes. Und wenn sie auch, mit viel Mühe und nach langen Verhandlungen, sich etwas zusammentun, so geht der Bund in kurzer Zeit wieder in die Brüche. Und wenn sie auch verbündet sind, so arbeitet doch insgeheim einer gegen den anderen, wie er ihm etwas von seiner Herrschaft entreißen könnte, und sie sind voll Misstrauen im Umgang miteinander. Sie beraten, überlegen und reden viel, aber tun wenig, und was sie am Abend vorher beschlossen haben, wird am Morgen wieder umgestoßen. Und selbst wenn es dabei bleibt, sind sie säumig in der Durchführung, weil ein jeder die gelegene Zeit für seine besonderen Pläne und Absichten abwartet. Und wenn sie auch schon darangehen, und es anfangen ins Werk zu setzen, dann bringen sie es nicht zu Ende, weil sie sich inzwischen veruneinigen."

Am 29. Mai 1453 eroberte schließlich Sultan Mehmed II. Konstantinopel. 1460 fielen die Peloponnes als letzte byzantinische Provinz und 1461 das kleine Kaiserreich Trapezunt (Trabzon) im nordöstlichen Kleinasien an das Osmanische Reich.
  1. Einleitung
  2. Byzanz als Teil des Römischen Reiches (300 476)
  3. Byzanz als Vormacht des christlichen Europa (476 ca. 630)
  4. Byzanz unter dem Druck des Islam (ca. 630 ca. 850)
  5. Regionale Vormacht (ca. 850 1071)
  6. Byzanz und die Kreuzzüge (1071 1204)
  7. Vom Lateinischen Kaiserreich bis zum Sieg des Osmanischen Reiches (1204 1453)
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