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LEXIKON

Jlzin

Jelzin, Boris Nikolajewitsch
Boris Nikolajewitsch Jelzin
Boris Nikolajewitsch, russischer Politiker, * 1. 2. 1931 Swerdlowsk,  23. 4. 2007 Moskau; Bauingenieur; 19851987 1. Sekretär des Moskauer Stadtkomitees der KPdSU; 19861988 Kandidat des Politbüros; wurde 1990 Vorsitzender des russischen Obersten Sowjets und trat aus der KPdSU aus.
Als Vertreter einer radikalen Reformpolitik wurde Jelzin 1991 der erste direkt gewählte Präsident Russlands und war im selben Jahr maßgeblich an der Vereitelung eines orthodox-kommunistischen Putsches sowie an der Gründung der GUS beteiligt. Seine Politik stieß zunehmend auf den Widerstand reformfeindlicher Politiker, die allerdings 1993 mit einem Aufstandsversuch gegen Jelzin scheiterten. 1994 schloss er den Abzug der russischen Truppen aus Deutschland ab. Im selben Jahr ließ Jelzin die Armee in Tschetschenien einmarschieren (erneut 1999). 1996 bestätigten ihn die Wähler im Präsidentenamt. Seine politische Handlungsfähigkeit wurde in der Folgezeit durch häufige Erkrankungen eingeschränkt. Auf die massiven sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes reagierte er mit häufigen Regierungsumbildungen. Gegen ihn und seine Familie wurden Korruptionsvorwürfe erhoben. Am 31. 12. 1999 trat er vorzeitig vom Präsidentenamt zurück.
Keine Rückkehr in die Vergangenheit!
Keine Rückkehr in die Vergangenheit!
Während des Putsches konservativer Kommunisten gegen Generalsekretär Michail Gorbatschow im August 1991 rief der am 12. Juni zum Präsidenten Russlands gewählte Boris Jelzin zum Widerstand auf (Auszug):

Ich wende mich an sie, Bürger Russlands! Unterstützen sie in dieser schicksalsschweren Stunde diejenigen, denen sie bei den Wahlen das Schicksal Rußlands anvertraut haben. Das Volk Russlands muss sich vereinigen und mit geschlossenen Kräften der Reaktion entgegentreten. Den Panzern und Panzerwagen müssen wir den entschlossenen Willen und das Bestreben entgegenstellen, keine Diktatur zuzulassen. Einheit und Solidarität sind Schlüssel zu unserem Sieg! ...

Wenn Russland frei sein wird, werden wir im Stande sein, alle Probleme zu lösen. Ohne Gewalt, ohne Blutvergießen, ohne die Unterdrückung von irgendjemandem. Wir werden die Krankheiten unserer Gesellschaft nicht beschwören. Wir werden sie behandeln. Das Rezept ist uns bekannt - gegenseitige Achtung und gegenseitige Verständigung ...
Ich glaube daran, dass die Ehre und der Ruhm der russischen Waffen nicht mit dem Blut des eigenen Volkes befleckt werden dürfen!
Man kann einen Thron aus Bajonetten bauen. Es fragt sich nur: Wie lange kann man darauf sitzen? Ich bin überzeugt, es gibt keine Rückkehr in die Vergangenheit, es wird sie auch nicht geben. Die Tage der Verschwörer sind gezählt. Das Gesetz und die konstitutionelle Ordnung werden siegen. Russland wird frei sein.
Jelzin trug maßgeblich zur friedlichen Auflösung der UdSSR und zur Etablierung demokratischer Strukturen in Russland bei. Er scheiterte mit dem Versuch einer militärischen Lösung des Tschetschenienproblems. Seine unkontrollierte Privatisierungspolitik begünstigte die Entstehung einer einflussreichen Wirtschaftsoligarchie.
Ins neue Jahrtausend mit neuen Politikern
Ins neue Jahrtausend mit neuen Politikern

In seiner Ansprache zum Jahreswechsel erklärte Boris Jelzin am 31. Dezember 1999 überraschend seinen sofortigen Rücktritt vom Präsidentenamt mit (Auszug):

Heute, am letzten Tag dieses Jahrhunderts, trete ich zurück. Ich habe oft gehört, Jelzin klammere sich mit allen Mitteln an die macht und werde sie an niemanden abgeben. Das ist eine Lüge. ...
Russland muss ins neue Jahrtausend mit neuen Politikern gehen, mit neuen Gesichtern, mit neuen, klugen, starken, energischen Menschen. Und wir, die wir schon lange Jahre an der macht waren, wir sollten gehen. Nachdem ich gesehen habe, mit welcher Hoffnung und mit welchem Glauben die Menschen bei der Duma-Wahl für die neue Politiker-Generation stimmten, habe ich verstanden, dass ich die wichtigste Mission meines Lebens erfüllt habe. Russland wird nie in die Vergangenheit zurückkehren. Russland wird nur noch vorwärts gehen. ...
Ich möchte sie um Vergebung bitten. Um Vergebung dafür, dass viele ihrer Erwartungen enttäuscht wurden. das was uns einfach erschien, hat sich als qualvoll und schwierig herausgestellt. ich bitte um Vergebung dafür, dass ich die Hoffnung der Menschen nicht zu erfüllen vermochte, die glaubten, dass wir schlagartig aus dem grauen, totalitären Stillstand der Vergangenheit in eine lichte, wohlhabende und zivilisierte Zukunft springen könnten. Ich habe selbst daran geglaubt. ...
Gemäß der Verfassung habe ich meine Amtsgeschäfte an Ministerpräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin übergeben. Er wird drei Monate lang Interims-Präsident sein, und Ende März kommt die Präsidentenwahl. Ich war immer von der verblüffenden Weisheit der Russen überzeugt. Deshalb zweifle ich nicht daran, welche Wahl sie Ende März 2000 treffen werden. ...
Frohes neues Jahr! Frohes Neues Jahrhundert. meine Lieben!
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