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Mahatma Gandhi: Die "große Seele"

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Gandhi als Teilnehmer am Salzmarsch (1930)
Der Salzmarsch gegen das britische Salzmonopol in Indien war die wohl berühmteste Kampagne, die Gandhi während seines langen Kampfes um Unabhängigkeit initiierte.

Volksheld im Leinentuch

Seine politischen Aktionen machten Gandhi berühmt. Als er nach Jahren der Abwesenheit in sein Heimatland zurückkehrte, eilte ihm sein Ruf längst voraus. Viele Inder feierten ihn wie einen Nationalhelden. Doch Gandhi traf erneut der Schock: Während sich die englische Kolonialmacht seit Jahren an den Natur- und Bodenschätzen des Subkontinents bereicherte, herrschte in den meisten Regionen Indiens inzwischen bittere Armut und Hungersnöte quälten das Volk.

Gandhi aß nur noch rohe und ungewürzte Speisen, hüllte sich aus Solidarität mit den Ärmsten in ein Leinentuch - und übertrug das Konzept des Satyagraha nach und nach auf die indischen Verhältnisse: Er gründete Zeitungen, organisierte gewaltlosen Widerstand und rief die Inder dazu auf, die Zusammenarbeit mit den Briten zu beenden.

Der Salzmarsch

Zu seiner bekanntesten Protestaktion wurde der Salzmarsch von 1930: Tausende Inder wanderten unter Gandhis Leitung hunderte Kilometer weit ans Meer, um dort Salz zu sammeln. Damit sollte die Regierung zur Aufgabe der eingeführten Steuer für das Nahrungsmittel bewegt, das von den Briten errichtete Salzmonopol gebrochen werden. Mit Erfolg: Die Steuer wurde schließlich abgeschafft.

Gandhi steckte für die Verwirklichung seiner Ideale einiges weg. So ging er mehrfach in wochenlange Hungerstreiks und musste immer wieder ins Gefängnis. Doch auch wenn er hinter Gittern weilte, machten seine Anhänger weiter. Die Gandhi-Gemeinde umfasste schnell Millionen von Menschen. Es entstand eine regelrechte Bewegung.

Gandhi und Nehru (1942)
Gandhi mit Jawaharlal Nehru, dem ersten Ministerpräsidenten Indiens
Geteiltes Land

Der friedliche, aber vehemente Widerstand trug nach dem Ende des zweiten Weltkriegs endlich Früchte: Nach und nach stellte die Kolonialmacht den Indern die geforderte Selbstverwaltung konkret in Aussicht. Im August 1947 erreichte das Land die Unabhängigkeit - stürzte aber gleichzeitig ins Chaos.

Denn in den Verhandlungen mit den Briten setzten Vertreter der Muslimliga, der politischen Partei der Muslime in Indien, die Teilung des Landes in das hinduistisch dominierte Indien und das muslimische Pakistan durch. Im Verlauf des Teilungsprozesses kam es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Millionen Menschen wurden aus ihrer alten Heimat vertrieben, Hunderttausende von religiösen Extremisten umgebracht.

Abschied von der "großen Seele"

Gandhi versuchte bis zuletzt, ein friedliches Zusammenleben beider Religionsgemeinschaften zu vermitteln. Schließlich hatte er Gewalt immer abgelehnt und zeit seines Lebens die Botschaft von Gottes Liebe gepredigt. In den Augen seines Mörders war es jedoch Gandhi, der mit seiner Politik die Gräueltaten provoziert und das Land in Unglück gestürzt hatte. Am 30. Januar 1948 schoss Nathuram Godse Gandhi zweimal in den Bauch und ein drittes Mal in die Brust. Anderthalb Jahre später wurde der Attentäter zum Tode verurteilt und erhängt.

Indien verehrt seine "große Seele" Mahatma Gandhi bis heute. Das Gedenken an seinen Tod ist fest im Kalender verankert: Am "Martyrs' Day" verfällt die Nation alljährlich für zwei Minuten in Schweigen, um sich an den Menschen zu erinnern, der mit seinem gewaltlosen Kampf für Frieden und Freiheit zum Vorbild für viele große Persönlichkeiten nach ihm wurde - von Martin Luther King, über Nelson Mandela, bis hin zum Dalai Lama.

DAL, 29.01.2018
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