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Marvel-Comics

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Superhelden mit Privatleben

Marvel gelang es eine eigene Comicsprache zu entwickeln, die sich deutlich von den Heldengeschichten aus dem Golden Age der Superhelden unterschied. Stan Lees Helden leben ihr virtuelles Leben nicht in fiktiven Städten wie Metropolis, Central City oder Gotham sondern schlagen sich mit alltäglichen Problemen in den Straßen von New York herum. Viele von ihnen haben Probleme mit ihrer Superkraft. Wie das Amerika der 60er Jahre im Wettrüsten eine wachsende vor den entfesselten atomaren Kräften spürte, sitzen Marvel-Helden wie der Hulk, Spiderman oder die X-Men auf ihren Superkräften wie auf einer Zeitbombe. Helden waren nicht mehr statisch, sondern erlebten ein Fortsetzungsdrama mit Hochzeiten, Todesfällen und Streitigkeiten untereinander. In den folgenden Jahren produzierte die Marvel-Formel eine ganze Armee neuer Superhelden für das Atomzeitalter: Der Hulk, ein durch Gammastrahlen geschaffener Dr. Jeckyll und Mister Hyde, die X-Men, von dem Rest der Menschheit verfolgte Mutanten oder der Dämon, ein blinder Anwalt mit verborgenen Kräften. Auch für die klassische Heldenrolle fand Lee eine neue Definition. So hat der nordische Donnergott seinen Auftritt als Marvel-Held, muss sich allerdings in seiner menschlichen Gestalt als schwächlicher gehbehinderter Arzt im Alltag mit erdrückendem Liebeskummer herumschlagen. Timeleys großer historischer Held Captain America erhält bei Lee seine Tragik aus der Tatsache, dass er sich nicht verändert hat und in der modernen Welt keine Entsprechung für seinen veralteten Ehrenkodex mehr

Geburt eines Netzschwingers

Der wohl modernste Charakter des Marvel-Universums erblickte 1963 als Spätzünder das Licht der Sprechblasenwelt. In der letzten Ausgabe der Comicserie Amazing Fantazy hat Peter Parker seinen ersten Auftritt als the hero that could be you. Hatten die Leser der Comics sich bestenfalls in den jugendlichen Assistenten der Superhelden wieder finden können, so erhielten sie mit Spider-Man ihren ersten echten Helden aus der Zielgruppe. Nach dem Biss einer radioaktiven Spinne erlebt der Teenager Peter Parker eine Pubertät im Superheldenformat. Die strebsame Brillenschlange muss plötzlich mit weit mehr Verantwortung fertig werden als die meisten Erwachsenen. Sein ursprünglich kindlich egoistischer Umgang mit seinen neuen Kräften tötet seinen Onkel Ben und zwingt ihn in die Rolle des Familienernährers. Künftig wird Pechvogel von dem Übel zweier Welten verfolgt: Als Teenager hat er keinen Erfolg bei den Mädchen, ist das Ziel aller Scherze in der Klasse und steht zudem unter ständigem Leistungsdruck in der Schule. Als Erwachsener wird er von seinem Teilzeit-Auftraggeber, dem Zeitungsverleger Jonah J. Jameson, tyrannisiert, muss sich um seine kranke Tante sorgen und schlägt sich permanent mit unbezahlten Rechnungen herum. Bei so viel Realismus werden Spider-Mans epische Schlachten mit Superschurken wie dem Green Goblin, Dr. Oktopus oder dem Geier gelegentlich zur Nebensache. Doch dass viel Beschäftigung jung hält, weiß nicht nur der netzschwingende Berufsjugendliche. Auch seinem Schöpfer fehlt es trotz seiner inzwischen 78 Lebensjahre nicht an Tatendurst. Befragt nach seiner Lieblings-Superkraft antwortete Stan Lee: Unsterblichkeit. Ich würde gerne noch ein paar hundert Jahre leben, und alles erreichen was ich möchte.
Santiago Campillo-Lundbeck

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