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Mexiko in der Hand der Drogen-Kartelle

Korruption und ein schwacher Staat erschweren Mexikos Krieg gegen die Drogenmafia

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"Mexiko ist ein Paradies für die Mafia"

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Hanf

Cannabis sativa var. indica

Einer Umfrage von Mitofsky zufolge glauben nur 23 Prozent der Mexikaner, dass die Regierung den Drogenkrieg gewinnt und 83 Prozent finden, dass die Unsicherheit zugenommen hat. Immer lauter fordern Intellektuelle die Legalisierung der Drogen, da der Krieg gegen das lukrative Geschäft mit Kokain, Marihuana und Heroin nicht zu gewinnen sei, so lange die Nachfrage in den USA und Europa bestehe. Vielmehr habe der Drogenkrieg dazu geführt, dass die Kartelle ihr Geschäftsrisiko minimierten und zunehmend aggressiv andere Einnahmequellen wie Entführungen und Schutzgelderpressungen erschlössen. 2002 registrierte die Bundespolizei 53 Fälle von Schutzgelderpressung, 2008 waren es schon 50.000. Und das, obwohl einer amtlichen Erhebung zufolge 92 Prozent aller Delikte überhaupt nicht angezeigt werden. Polizei und Justiz gelten als ineffizient, korrupt und von der Mafia infiltriert.

Und da liegt das eigentliche Problem: „Mexiko ist ein Paradies für die Mafia“, sagt der Sicherheitsexperte Edgardo Buscaglia. Die Bankenaufsichtsbehörde sei völlig überfordert damit, die vielen verdächtigen Kapitalbewegungen zu überprüfen. Die Abgeordneten seien bei ihrer Wahlkampffinanzierung auf Schwarzgeld angewiesen und drückten beide Augen zu; Geldwäscheverfahren seien selten und basierten wenn überhaupt auf US-Informationen. Sogar die Zahl der Morde wollte die Staatsanwaltschaft vor einigen Monaten geheimhalten, musste dann aber doch dem öffentlichen Druck nachgeben: über 50.000 Menschen kamen seit 2006 gewaltsam ums Leben. 90 Prozent seien ins Organisierte Verbrechen verwickelt, so die Regierung – doch belegen kann sie das nicht. Zwar sind den Leichen oft Bekennerbotschaften und Drohbriefe beigelegt, doch was und wer wirklich hinter den Morden steckt, wird in nicht einmal fünf Prozent aller Fälle aufgeklärt. Weil auch die Journalisten im Kreuzfeuer der Kartelle sind und sich selbst zensieren, kursieren die meisten Informationen über den Drogenkrieg anonym per Blog und twitter.

 

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von wissen.de-Autorin Sandra Weiss, August 2012
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